Werden Sie Premium-Mitglied!
Als Premium-Mitglied profitieren Sie uneingeschränkt von allen Inhalten.
Jetzt gratis Newsletter abonnieren!
Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Beiträge lesen >>
 

Zur Genese von Täterschaft – Mehr Gewaltpotential durch Geflüchtete?

Angesichts der Flucht unzähliger Menschen vor Krieg, Zerstörung und/oder Folter hat die Bundesrepublik mit der Aufnahme vieler Menschen im Sinne der Menschenrechte gehandelt, sowohl von staatlicher Seite als auch in der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Bei der praktischen Regelung wurden jedoch die Faktoren eher verstärkt, die zur Gewaltausübung führen können, besonders bei Menschen, die frühe und wiederholte Gewalterfahrungen durchlebt haben. Schon länger war abzusehen, dass eine wachsende Anzahl der Menschen im Nahen Osten wie in Afrika sich nur noch durch Flucht würde retten können. Nach der Öffnung der Grenzen zur Verhinderung einer humanitären Katastrophe im Herbst 2015 fehlten jedoch überall entsprechend geschulte Fachkräfte für effektive Hilfe; Hilfe wurde weitgehend den Kommunen und den Ehrenamtlichen überlassen, denen zumeist fachliche Unterstützung und Begleitung fehlte. Tausende junger Männer, die Gewalt und Lebensgefahr überlebt hatten, wurden eher kaserniert als integriert, zumal sie daran gehindert waren, legale Arbeit aufzunehmen oder auch nur Sprachkurse zu besuchen. Insbesondere wurde ihnen europaweit verwehrt, dorthin zu ziehen, wo sie Verwandte oder Bekannte aus dem eigenen Herkunftskontext gefunden hätten. Dies wäre jedoch der Weg gewesen, auf dem schon immer die Integration von Migrationsströmen gelungen ist.

Zweifellos haben viele dieser jungen Männer Werte und Normen der Frauenabwertung und der männlichen Dominanzansprüche mitgebracht, aber die Migration kann auch Kopf und Herz für neue Gedanken öffnen. Die zuständigen gesellschaftlichen Institutionen waren aber nicht hinreichend darauf vorbereitet, weder auf Hilfe zur Bewältigung der erlebten Gewalt noch auf Integration. So blieben zahlreiche Geflüchtete auf informelle Gruppen angewiesen, die ebenfalls von Gewalterleben geprägt sind. Wenn ihnen zudem bei der Ankunft Deutsche in Gruppen begegnen, die ihnen Gewalt androhen oder antun, ist eher verwunderlich, wie wenig Gewalt und Kriminalität im Verhältnis zu Zahl, Alter und Geschlecht von Geflüchteten ausgeht. Die geplante längere Kasernierung in einer Sammelunterkunft verspricht nach allem, was wir über die Genese von Täterschaft wissen, ein zusätzlicher förderlicher Kontext für Gewalt zu werden.

Sexuelle Gewalt ist kein Verhalten, das allein bestimmten Kulturen oder einer bestimmten Herkunft entspringt. Wohl unterscheiden sich gesellschaftliche Milieus im Hinblick darauf, in welchen Räumen welche Übergriffe offen und unverstellt geschehen können: Was die einen sich im Hotel, im Auto oder am Arbeitsplatz leisten, tun andere auf öffentlichen Plätzen. Weder sind Männer von Natur aus Täter, noch sind Frauen von Natur aus Opfer von Gewalt; das Zusammenwirken verschiedener Faktoren auf mehreren Ebenen führt dazu, und die Lebensbedingungen bestimmen mit, in welchem Rahmen und mit welcher Öffentlichkeit die Taten stattfinden. Mit welcher Haltung ihnen aber begegnet wird, bestimmen die Werte und die Courage der Menschen, die die Gewalt merken oder merken könnten.

Sie möchten weiterlesen?

Loggen Sie sich mit Ihrem Premium-Account ein oder erhalten Sie jetzt freien Tageszugang mit der Bestellung unseres Newsletters!

Jetzt gratis weiterlesen!
  • Zugriff auf alle Premium-Artikel der Seite!
  • Keine Kündigung erforderlich (Premium-Zugang endet automatisch)
  • Gratis und unverbindlich!
  • Zusätzlicher Fach-Newsletter für 0,00 €

Sie sind bereits Premium-Mitglied?

  Login