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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Zur Genese von Täterschaft: Wie kommt es zur sexuellen Gewalt?

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Wahrnehmung und das Verständnis von Gewalt weit über die sichtbare Körperverletzung hinaus erweitert: Übergriffe, Demütigungen und seelische Verletzungen zählen heute dazu, und nach der Europaratskonvention gegen Gewalt gegen Frauen* (Art. 36)* sollen alle nicht einverständlichen, sexuell bestimmten Handlungen unter Strafe gestellt werden. Dem hat die Bundesrepublik schließlich im Jahre 2017 entsprochen, wenngleich sich noch zeigen muss, wie das Gesetz in der Rechtsprechung ausgelegt wird. Wie aber kommen Menschen, und insbesondere Männer dazu, sexuelle Handlungen gegen den Willen einer anderen Person zu verüben? Und da die Konvention an vorderster Stelle eine Verpflichtung zur Prävention auferlegt: Könnten Erkenntnisse über die Genese der Täterschaft Wege zur Verhinderung oder Verringerung sexueller Gewalt aufzeigen?

Die Pflicht des Staates und staatlicher Institutionen zur Prävention und Intervention hat ihre Grundlage in den Menschenrechten. Denn nicht jede verletzende Handlung berührt die Menschenrechte, und dies genau zu bestimmen ist essentiell, sonst führt die Forderung nach dem Staat in die Erziehungsdiktatur. Um Menschenrechtsverletzungen handelt es sich dann, wenn individuelle Gewalthandlungen ermöglicht oder toleriert werden, denen eine strukturelle Ungleichmächtigkeit in der Gesellschaft zugrunde liegt. Nicht die Vulnerabilität der potentiellen Opfer, sondern die Duldung der Täter bringt die Menschenrechte ins Spiel. Auch deshalb ist eine Beschäftigung mit der Genese von Täterschaft wichtig.

Die Forschungslage zur Genese von Täterschaft

Im Zusammenhang mit einer Machbarkeitsstudie zur Frage der möglichen Vereinheitlichung von Rechtsvorschriften in der EU (European Commission 2011) hat ein Team von ExpertInnen die Forschungslage zur Genese von Täterschaft gesichtet. Wir haben dadurch die Faktoren herausgearbeitet, die bei verschiedenen Formen von Gewalt im Geschlechterverhältnis und bei Gewalt gegen Kinder eine Rolle spielen. Eine theoriegeleitete Auswertung der besten verfügbaren Evidenz, so unsere These, kann Leitlinien für gezielte Prävention ergeben.

In unserer Studie lag der Schwerpunkt auf Faktoren, von denen begründet angenommen werden kann, dass sie durch die Politik oder politikgestützte Prävention- und Interventionsmaßnahmen beeinflusst werden könnten. Zwar gibt es einige Menschen, deren hohe Aggressivität genetisch bedingt ist oder von einer psychischen Krankheit herrührt, doch weist die Mehrheit der Täter von Gewalt gegen Frauen und Kinder keine Psychopathologie auf, und genetische oder medizinische Maßnahmen sind zudem keine Option für die Politik. Da die Prävention bei dem möglichen Täter einsetzen muss, zielte unsere Studie auf Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit der Gewaltausübung erhöhen. Deshalb auch wurde die Verwundbarkeit möglicher Opfer nicht einbezogen, denn Verwundbarkeit kann ebenso Schutzreaktionen hervorrufen und stellt nicht die Ursache der Gewalt dar.

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