Werden Sie Premium-Mitglied!
Als Premium-Mitglied profitieren Sie uneingeschränkt von allen Inhalten.
Jetzt gratis Newsletter abonnieren!
Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Beiträge lesen >>
 
Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.

Wo Frauen Männer finanziell abhängen

Deutschland ist Spitzenreiter in geschlechtsabhängiger Entgeltdiskriminierung. Noch immer verdienen Frauen 21 Prozent weniger. Eine neue Studie zeigt aber nun: Es gibt Regionen, in denen Frauen mehr verdienen als Männer. Doch warum ist das so?

Mit Estland und Tschechien Schlusslicht

Dass Frauen weniger verdienen als Männer – Stichwort Gender Pay Gap – ist mittlerweile bekannt: Bleiben unterschiedliche Qualifikation, Berufswahl und Arbeitserfahrung unberücksichtigt, fällt das Gehalt von Frauen im Schnitt ganze 21 Prozent niedriger aus. Deutschland gehört in Sachen Entgeltdiskriminierung in Europa damit zusammen mit Estland und Tschechien zu den unrühmlichen Spitzenreitern.

Die regionale Dimension des Gender Pay Gaps

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersucht den Gender Pay Gap in Deutschland genauer und kommt zu dem Ergebnis, dass die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern innerhalb Deutschlands erheblich variiert. Auf Landkreisebene lassen sich zum Teil eklatante Unterschiede feststellen.

Im Südwesten der Republik, im Bodenseekreis, verdienten vollzeitbeschäftigte Frauen beispielsweise ganze 41 Prozent weniger als Männer. Ähnlich düster sieht es im bayerischen Ingolstadt und im Landkreis Dingolfing-Landau aus. Im ostdeutschen Cottbus verdienen Frauen dagegen rund 4 Prozent mehr als männliche Arbeitnehmer. Auffällig ist: Alle vier Kreise, in denen Frauen mehr verdienen als Männer, liegen in Ostdeutschland. Neben Cottbus sind dies Frankfurt/Oder, Schwerin und Dessau-Roßlau.

Ursachen für die regionalen Unterschiede

Die Ursachen für das regionale Auseinanderklaffen der Löhne sind laut den Forscher*innen vielfältig: Neben allgemeinen Faktoren kommt aber vor allem der regionalen Wirtschafts- und Arbeitsmarktstruktur eine entscheidende Rolle zu, denn sie bestimmt, welche Art von Erwerbsarbeit vor Ort existiert – mit Folgen für das Lohngefälle. So profitieren in Regionen, die stark industriell geprägt sind, finanziell vor allem Männer „aufgrund ihrer Tendenz, eher Produktions- und technische Berufe auszuüben“. In den dort üblichen Großbetrieben haben Männer außerdem gute Chancen, die Karriereleiter hinaufzuklettern und vielfältige Karrieremöglichkeiten zu nutzen. Frauen wiederum arbeiten vor allem in schlechter bezahlten Berufen im Dienstleistungsgewerbe, z. B. im Gesundheitswesen. Ein niedriger oder gar negativer Gender Pay Gap wie in ostdeutschen Regionen deutet also vor allem auf einen Mangel an Industrie und Großbetrieben hin.

In Cottbus arbeitet rund ein Fünftel aller erwerbstätigen Frauen zum Beispiel im attraktiven öffentlichen Dienst, Männer dagegen in der schlecht bezahlten Zeitarbeitsbranche. Da es in Cottbus kaum größere Industrie gibt, können Männer finanziell daher keine Vorteile für sich geltend machen.

Quellen und Hintergründe





Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.