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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Wie wird man Mediator/in? Was muss ein Mediator können?

Es gibt zwar inzwischen ein Mediationsgesetz (vom 21. Juli 2012), das in Umsetzung der EU-Mediationsrichtlinie 2008/52 über bestimmte Aspekte der Mediation in Zivil- und Handelssachen vom 21. Mai 2008 zu erlassen war. Darin werden die Tätigkeit und in § 5 Abs. 1 die Voraussetzungen für das Tätigwerden beschrieben:

Der Mediator stellt in eigener Verantwortung durch eine geeignete Ausbildung und eine regelmäßige Fortbildung sicher, dass er über theoretische Kenntnisse sowie praktische Erfahrungen verfügt, um die Parteien in sachkundiger Weise durch die Mediation führen zu können. Eine geeignete Ausbildung soll insbesondere vermitteln:

  1. Kenntnisse über Grundlagen der Mediation sowie deren Ablauf und Rahmenbedingungen,

  2. Verhandlungs- und Kommunikationstechniken,

  3. Konfliktkompetenz,

  4. Kenntnisse über das Recht der Mediation sowie über die Rolle des Rechts in der Mediation sowie

  5. praktische Übungen, Rollenspiele und Supervision.

Es gibt aber kein geregeltes Berufsbild des Mediators mit verbindlicher Qualifikation, d.h. die Mediation ist noch nicht professionalisiert. Das Bundesjustizministerium kann nach § 6 des Mediationsgesetzes eine Rechtsverordnung über die Aus- und Fortbildung zum zertifizierten Mediator erlassen, bislang liegt aber nur ein Verordnungsentwurf vor.

Für Rechtsanwälte ist in der Berufsordnung der Rechtsanwaltschaft BORA in § 7a geregelt, dass sie sich als Mediatoren bezeichnen können. Dazu müssen sie durch geeignete Ausbildung nachweisen, dass sie die Grundsätze des Mediationsverfahrens beherrschen.

Die Kompetenzen, die für die Mediation erforderlich sind, beschreibt § 5 Abs. 1 Mediationsgesetz. Wichtig sind für die Durchführung der Mediation insbesondere die Ziff. 2 und 3. Mediatoren müssen Gesprächsführungstechniken beherrschen. Dies ist vor allem Bestandteil der Ausbildung bei Psychologen und Pädagogen. In Mediationsausbildungen finden sich daher neben Juristen viele Psychologen und Pädagogen, aber auch Betriebswirte, Unternehmensberater, Theologen usw.

Hinzu kommt, dass Mediator/in/nen in der Lage sein müssen, sich selbst zurückzunehmen und im Sinne der Allparteilichkeit, Verständnis in gleichem Maße für alle Beteiligten aufbringen müssen. Juristen, die sich als die kraft Ausbildung berufenen Streitschlichter sehen, müssen lernen, nicht vorschnell an die juristische Lösung nach dem Gesetz zu denken und anders als bei Vergleichsverfahren oder Verhandlungen sich mit Lösungsvorschlägen zurückzuhalten. Alte erfahrene Verhandler in der Anwaltschaft können sich häufig leichter in Mediationstechniken hineindenken als junge Juristen, die gerade mühsam die Suche nach Anspruchsgrundlagen und Rechten und das streitige Entscheiden gelernt haben. Entscheidend ist, dass der Mediator oder die Mediatorin die Beteiligten darin unterstützen muss, eine eigene Regelung für die Zukunft zu finden.

Wie kann man dann die Kompetenzen als Mediator/in erwerben?

Es werden vielfältige Kurse von sehr unterschiedlichen Institutionen angeboten. Einige Universitäten, wie Frankfurt an der Oder, Jena oder die FernUniversität in Hagen haben ausgefeilte Programme. Frankfurt und die FernUniversität bieten auch einen Weiterbildungsmaster in Mediation an. Einzelne Mediatoren oder Gruppen von Mediatoren habe private Ausbildungsinstitute gegründet, es gibt Angebote an Volkshochschulen, evangelischen und katholischen Akademien. Die AnwaltAkademie bietet Kurse an, die Justiz bildet inzwischen fast flächendeckend ihre Richter in Mediationstechniken aus. Die meisten Programme sind sehr teuer, da die Ausbildung trainingsintensiv ist. Umgekehrt ist es für Mediatoren nicht einfach, Fälle zur Bearbeitung zu bekommen. Wichtig für Mediatoren ist praktische Übung. Daher spielt die regelmäßige Fortbildung eine wichtige Rolle, der Wechsel zwischen Lernen, Praxis, Reflexion und auch Supervision. Zum Erkennen von Konfliktmustern und Verstehen von Konfliktgeschehen ist Lebenserfahrung hilfreich.

Interessanterweise spricht Mediation, die auch im Rahmen von „Soft Skills Ausbildungen“ vermittelt wird, besonders Frauen an. Es ist ein Thema für sich, ob Frauen mehr zu kooperativen Lösungen neigen und die Förmlichkeit gerichtlicher Rechtsstreite eher vermeiden wollen.

Wie finde ich einen guten Mediator und was kostet eine Mediation?

Da es bis zum Erlass der Rechtsverordnung Mediation noch kein gesetzlich festgelegtes Gütesiegel für Mediation gibt, ist bisher eine Qualitätskontrolle nicht gewährleistet. Mediatoren, die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation werden wollen, müssen dafür ein bestimmtes Ausbildungsniveau nachweisen und können sich dann als zertifizierte/r Mediator/in (BAFM) bezeichnen. Auch andere Ausbildungsinstitutionen erteilen Zertifikate, die bisher aber nicht staatlich anerkannt sind. Mediatoren werben für sich vor allem über Websites. Die Vereinigungen für Mediation – wie die Anwaltliche Vereinigung für Mediation AVM, die Deutsche Gesellschaft für Mediation DGM, die Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft DGMW, der Bundesverband Mediation bmev – haben ihre Mitglieder in Datenbanken registriert. Informationen bietet die Website http://www.mediation-verband.de/.

Es gibt für Mediationen keine Gebührenordnung. Die Kosten hängen von individuell vereinbarten Stundensätzen ab, die erheblich variieren können, und von der Dauer des Verfahrens. Eine Mediation kann daher auch teurer als ein Gerichtsverfahren werden, bei dem Anwälte nach der Rechtsanwaltsgebührenordnung abrechnen und die Gerichtskosten nach dem Gerichtskostengesetz anfallen. In der Regel ist das Geld in eine Mediation aber gut investiert, auch wenn sie nicht bis zum Ende geführt und der Fall später doch vor Gericht weiter ausgetragen wird. Denn in der Mediation wurde der Streit schon bearbeitet, und zumindest die Kommunikationsfähigkeit der Beteiligten ist wiederhergestellt und möglicherweise verbessert worden.

Ulrike Schultz: Was ist Mediation? – Wo kann Mediation eingesetzt werden?
In: Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte.

Was ist Mediation? – Wo kann Mediation eingesetzt werden?
Teil 1: Was ist Mediation? – Wo kann Mediation eingesetzt werden?
Teil 2: Was sind die Vorteile von Mediation?
Teil 3: Prinzipien der Mediation
Teil 4: Das Harvard Konzept der Mediation
Teil 5: Ablauf der Mediation
Teil 6: Bei welchen Konflikten eignet sich Mediation?

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