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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Wer oder was ist ein Jurist

Assimilationsprozesse: Identität und Korpsgeist

In der juristischen Ausbildung findet durch Beobachten und Mitmachen eine langsame Gewöhnung an die Gepflogenheiten und Konventionen des Faches, eine Einpassung in und Assimilation an die „Zunft“ statt, durch die der juristische Fachhabitus aufgebaut wird. Dies wird auch als „heimlicher Lehrplan“ charakterisiert (Huber 1983, Schütte 1982). Es geht um „tacit knowledge“, also Wissen, das nicht explizit, sondern indirekt durch kulturelle Praktiken tradiert und perpetuiert wird. Auch der Lehrhabitus wird auf diese Weise weitergegeben (Schaeper 1997, S. 221).

Die Verunsicherungs- und die Entfremdungsprozesse in der Juristenausbildung (Portele und Schütte 1983, Schultz 1990, S. 331 f.), die Belastungen, die gemeinsam durchlitten werden, führen zusammen mit der langen Ausbildungsdauer der zweistufigen Ausbildung zu einem stark ausgeprägten Korpsgeist und einer klaren Identität als Jurist/in, die lebenslang anhält.

Kompetenzen

In der Juristenausbildung werden nicht nur Gesetze, Rechtsprechung und Falllösungstechniken gelernt. Nach rund fünf Jahren Studium und den praktischen Erfahrungen in der zweijährigen Referendarzeit haben Jurist/inn/en jenseits der schriftlich formulierten Vorgaben in den staatlichen Ausbildungsordnungen ein breites Kompetenzprofil angelegt, das sie für viele Berufe einsatzfähig und geeignet macht. Junge Juristinnen und Juristen, die in Fortbildungen befragt werden, welche Kompetenzen sie jenseits von Rechtskenntnissen in der Ausbildung erworben haben,* listen regelmäßig insbesondere folgende Fähigkeiten und Stärken auf.*

strukturiertes, logisches Denken und Schreiben

Genauigkeit, Organisiertheit

Abstraktionsvermögen, Reduktion auf das Wesentliche, Sachlichkeit

Problembewusstsein und -orientiertheit / Dinge hinterfragen, Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik

Generalistenfähigkeit, sich schnell in Neues einarbeiten

Vielseitigkeit, Perspektivenvielfalt, Flexibilität

Durchsetzungsvermögen, Überzeugungskraft / Entschluss- und Entscheidungsfähigkeit

(Selbst-)Disziplin, Durchhaltevermögen, hohe (intrinsische) Leistungsmotivation

mit Leistungsdruck umgehen können, Termine einhalten, pünktlich zum Ergebnis kommen

Eloquenz / Kommunikationsstärke / Argumentationsfähigkeit /gute Sprache

Engagement, Kampfesgeist

Selbständigkeit

Internationalisierung

Obwohl im Jurastudium schwerpunktmäßig deutsches und europäisches Recht vermittelt wird, reisen deutsche junge Jurist/inn/en gern und erweitern ihren Horizont international. Auslandsaufenthalte während des Studiums sind beliebt und üblich. Früher waren es vor allem Auslandssemester in Lausanne und Genf. Im Zeitalter der Erasmusprogramme können Studierende mit finanzieller Förderung Studienzeiten in allen europäischen Staaten verbringen. Einige Fakultäten haben auch Austauschprogramme mit ausländischen juristischen Fakultäten und zweisprachige Studiengänge, und es gibt Kooperationen mit Hochschulen rings um den Globus. Die an verschiedenen Universitäten angebotene fachspezifische Fremdsprachenausbildung hilft Auslandsaufenthalte vorzubereiten und erweitert die internationale Kompetenz.

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