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Was machen Asylgesetze mit Männlichkeit? – Männlichkeiten, Institutionen und Gesetze

Männlichkeiten, Institutionen und Gesetze

Die in der Soziologie wohl gebräuchlichste Definition von Männlichkeit stammt von Raewyn Connell. Für sie ist Männlichkeit sowohl „eine Position im Geschlechterverhältnis“, „die Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen“, als auch „die Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur.“ (Connell 2015, 124). Männlich- und Weiblichkeit sind nach Connell Formen der sozialen Grenzziehung und kulturelle Gegensätze, die nur im Bezug zueinander Geltung erhalten (vgl. ebd., 93). Dabei seien Männlich- und Weiblichkeit nicht statisch und singulär, sondern vielfältig und variabel je nach sozio-historischem Kontext. Connell geht allerdings davon aus, dass es dominante Formen von Männlichkeit gibt, welche im Geschlechterverhältnis eine strukturierende Wirkung entfalten: „Hegemoniale Männlichkeit ist kein starr, über Zeit und Raum unveränderlicher Charakter. Es ist vielmehr jene Form von Männlichkeit, die in einer gegebenen Struktur des Geschlechterverhältnisses die bestimmende Position einnimmt“ (Connell 2015, 130). Diese hegemoniale Männlichkeit sichert die gesellschaftliche Dominanz von Männern und die Unterordnung von Frauen (vgl. Connell 2005, 77). Neben der hegemonialen konzipiert Connell noch drei weitere Typen von Männlichkeit, die untergeordnete, komplizenhafte und marginalisierte Männlichkeit. Nach Connell verwirklichen in der Empirie nur die wenigsten Männer hegemoniale Männlichkeit und leben meist nur eine komplizenhafte Männlichkeit, in der zwar Teile der hegemonialen Männlichkeit realisiert werden, damit allerdings auch nur partiell die Vorteile der Hegemonie übernommen werden können. Die untergeordnete Männlichkeit zeichne sich dagegen durch ihre vermeintliche Nähe zur Weiblichkeit aus, welche zum Erhalt der Hegemonie unterdrückt werden müsse. Wo sich hegemoniale, untergeordnete und komplizenhafte Männlichkeiten in den Binnenrelationen der Geschlechterordnung ausdifferenzieren, sieht Connell marginalisierte Männlichkeit in Relation zu anderen Ungleichheitsstrukturen. Die marginalisierte Männlichkeit teile sich zwar Praktiken mit der hegemonialen, könne aber aufgrund der Verknüpfung mit anderen Ungleichheitsstrukturen keinen hegemonialen Status beanspruchen (vgl. ebd., 129 ff.). Besondere Bedeutung bei der Analyse von Männlichkeiten schreibt Connell der Analyse von Institutionen zu, in denen Männlichkeiten verankert sein können (vgl. ebd., 76, 92, 126). Wir gehen angelehnt an Überlegungen von Hall (2000) und Supik (2005) davon aus, dass gesellschaftliche Institutionen spezifische Positionen im Geschlechterverhältnis erzeugen, welche für Subjekte unterschiedliche Möglichkeiten zum Anschluss an hegemoniale Männlichkeiten bieten.* Der Prozess, wie auf der Ebene des Subjekts der Bezug zu verschiedenen Mustern von Männlichkeit hergestellt wird, bezeichnen wir im folgenden Text als Männlichkeitskonstruktion. Rückbezogen auf die Leitfrage des Artikels bedeutet es, dass untersucht wird, welche Positionen deutsche Asylgesetze für die Anschlussfähigkeit von geflüchteten Männern an hegemoniale Männlichkeitskonstruktionen erzeugen.

Männlichkeiten und Asylgesetze

Die Herausarbeitung der hegemonialen Männlichkeiten erfolgt auf Basis des existierenden Forschungsstandes. Die Abschnitte sind dabei entlang von drei Bereichen strukturiert, die sich als relevant für die Konstruktion von Männlichkeiten erwiesen haben: (1) Erwerbsarbeit und Bildung, (2) Familienernährer und -vorstand, (3) Lebensautonomie. Die in diesen drei Bereichen vorgefundenen hegemonialen Konstruktionen von Männlichkeit, werden dabei als Schablone verwendet, um deutsche Asylgesetze und die in ihr erzeugten Positionen für Männlichkeitskonstruktionen zu untersuchen.*

Konstruktionen über Erwerbsarbeit und Bildung

Anfang der 90er Jahre stellten McSpadden und Moussa (1993) die Bedeutung von Erwerbsarbeit und Bildung für geflüchtete Männer aus Äthiopien während der Ansiedlung in Kanada dar. Eine prävalente Erkenntnis war, dass die meisten geflüchteten Männer aufgrund ihrer starken Orientierung am Bildungs- und Berufserfolg Probleme hatten, sich an die gesunkenen Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten in Kanada anzupassen (McSpadden 1999, 257 ff.). Frauen würden hingegen durch Konstruktionen von Weiblichkeit als Familienfürsorgerin weniger Anpassungsschwierigkeiten haben (ebd., 222 f.). Die Verortung geflüchteter Männer in Konstruktionen über Erwerbsarbeit und Bildung und geflüchteter Frauen als Familienfürsorgerin, finden sich in vielfältigen Studien wieder (siehe auch Turner 1999; Jansen 2008; Jaji 2009; Lukunka 2012; Godshaw 2014; Kitzberger 2016; Krause 2016; Bundesforum Männer 2018).

Inwiefern hegemoniale Männlichkeiten über Erwerbsarbeit und Bildung dabei erreicht und in welchen Spannungsverhältnissen sich diese befinden, dazu finden sich einige Hinweise. Kitzberger (2016) zeigt in seiner quantitativen Studie hinsichtlich der in Österreich gesetzlich verankerten Erwerbslosigkeit für Asylbewerber,* dass 93 Prozent der betroffenen Männer sehr gerne arbeiten und 61 Prozent sofort jedwede Arbeit aufnehmen würden (vgl. Kitzberger 2016, 52). Analog stellt das Bundesforum Männer (2018) für junge, geflüchtete Männer in Deutschland fest, dass diese zwar hoch motiviert sind, Beruf, Ausbildung oder Studium zu ergreifen, allerdings lange Wartezeiten auf eine Arbeitserlaubnis oder Sprachkurse diese Motivation ausbremsen. Des Weiteren sähen viele geflüchtete Männer die nicht hinreichende Anerkennung der im Herkunftskontext erworbenen Qualifikationen als enttäuschend an (vgl. Bundesforum Männer 2018, 11). Auf die Relevanz des Arbeitsmarktes dabei weisen Godshaw (2014) und Jansen (2008) hin. Jansen zeigt, dass für geflüchtete Männer aus Bosnien-Herzegowina der Übertritt in Arbeitsmärkte von westlichen Staaten zum Problem wurde, da die in Bosnien-Herzegowina erworbenen Fertigkeiten auf den westlichen Arbeitsmärkten als veraltet galten (Jansen 2008, 193). Ähnliches beschreibt Don Godshaw (2014) für geflüchtete Männer aus Ruanda in Großbritannien. Durch fehlende Sprachkenntnisse der dominanten Arbeitsmarktsprache und aufgrund struktureller Arbeitsmarktdiskriminierungen als Migrant, Afrikaner und Schwarzer würden viele geflüchtete Männer ihre bisherigen Berufslaufbahnen brechen müssen und in gering qualifizierten Berufen arbeiten (vgl. Godshaw 2014, 9).

Um herauszufinden welche Positionen für Männlichkeitskonstruktionen hinsichtlich Erwerbsarbeit und Bildung im deutschen Asylrecht zur Verfügung stehen, werden nun gesetzliche Regelungen zur Beschäftigungserlaubnis, Anerkennung von Arbeits- und Bildungserfahrung und zu Bildungsmöglichkeiten betrachtet.

Beschäftigungserlaubnis

Grundsätzlich dürfen in Deutschland Ausländer* nur dann eine Erwerbstätigkeit ausüben, wenn ihr Aufenthaltstitel sie dazu berechtigt, § 4 III 1 AufenthG. Da Geflüchtete während des Asylverfahrens nur eine Aufenthaltsgestattung nach § 55 I 1 AsylG und keinen Aufenthaltstitel besitzen (Stahlmann 2016, Rn. 48), ist ihnen eine Erwerbstätigkeit zunächst verboten. Dies gilt insbesondere während der Dauer des Aufenthalts in einer Aufnahmeeinrichtung, § 61 I AsylG. Dabei ist angedacht, dass der Aufenthalt in der Aufnahmeeinrichtung in der Regel sechs Wochen und nur in Ausnahmefällen bis zu maximal sechs Monate dauert, § 47 I 1 AsylG (vgl. Schröder 2016, Rn. 3). Danach wird das Verbot im Prinzip gelockert und die Ausübung einer Beschäftigung* kann erlaubt werden, sofern die Bundesagentur für Arbeit zustimmt,* § 61 II 1 AsylG. Dies gilt allerdings nicht für Geflüchtete aus sicheren Herkunftsstaaten.*

Andere Regularien gelten nach Beendigung des Asylverfahrens. Erhält die geflüchtete Person einen positiven Bescheid und ist somit als Flüchtling, Asylberechtigter oder subsidiärSchutzberechtigter anerkannt, ist sie von Gesetzes wegen in vollem Umfang zur Erwerbsarbeit berechtigt, § 25 I 4 AufenthG (i. V. m. § 25 II 2 AufenthG). Fällt der Asylbescheid negativ aus und ist die Person vollziehbarausreisepflichtig, ist keine Beschäftigung möglich. Ist der Bescheid negativ, aber es besteht ein Abschiebungsverbot, kann eine Beschäftigung ohne Zustimmung der Bundesagentur erlaubt werden, § 4 II 3 AufenthG i. V. m. § 31 BeschV. Wo Männer mit positivem Bescheid zumindest in der Theorie sich über Beruf und Arbeit definieren können, ist dies Geduldeten nur unter Zustimmung der Ausländerbehörde und abgelehnten Asylbewerber mit vollziehbarer Ausreisepflicht gar nicht möglich.

Anerkennung von Arbeits- und Bildungserfahrung

Wie Jansen (2008) und das Bundesforum Männer (2018) beschrieben haben, schafft für viele Männer die Nicht-Anerkennung von Arbeitserfahrung und Berufsqualifikationen ein besonderes Spannungsverhältnis. Seit 2012 wird in Deutschland die Anerkennung von im Ausland erworbener Arbeitserfahrung primär durch das Anerkennungsgesetz geregelt.* Das Anerkennungsgesetz vereinheitlicht die Verfahren zur Überprüfung der Gleichwertigkeit von im Ausland erworbenen mit in Deutschland existierenden Berufsqualifikationen* (BT-Drs. 17/6260, S. 39) und schafft mit dem BQFG erstmals ein Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen für nicht reglementierte Berufe. Dies sind Berufe, deren Aufnahme oder Ausübung nicht durch Rechtsvorschriften an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden ist, § 2 V BQFG.* Im Allgemeinen wird dabei die Gleichwertigkeit nur anerkannt, wenn keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten des angestrebten inländischen Ausbildungsnachweises und der im Ausland erworbenen Berufsqualifikation bestehen. Für Männer aus Arbeits- und Ausbildungssystemen, die weniger formalisiert, institutionalisiert oder spezialisiert sind als in Deutschland oder die andere Berufs- und Ausbildungsbilder aufweisen, ist somit der Anschluss an Männlichkeiten über Erwerbsarbeit nur eingeschränkt möglich.

Bildungsmöglichkeiten

Insbesondere in Bezug auf Konstruktionen hegemonialer Männlichkeit über Bildungserfolg ist es wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Aufnahme und Durchführung von Ausbildung und Studium zu prüfen. Rechtlich gilt eine Berufsausbildung während des Asylverfahrens als Beschäftigung, § 2 II AufenthG i. V. m. § 7 II SGB IV. Die Ausübung einer Berufsausbildung kann einem Asylbewerber daher unter den Voraussetzungen des § 61 II 1 AsylG erlaubt werden. Nur bedarf die Ausbildung nach § 32 II BeschV keiner Zustimmung der Bundesagentur. Für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten aber ist eine Ausbildung wie jede Erwerbstätigkeit generell ausgeschlossen, § 61 II 4 AsylG. Insofern entstehen hier unterschiedliche Positionen für Männlichkeitskonstruktionen je nach eingeschätzter Sicherheit des Herkunftslandes. Mit dem Erhalt des Asylbescheides ergeben sich dann wieder unterschiedliche Positionen, je nachdem, ob der Bescheid negativ oder positiv ist (siehe Kapitel „Beschäftigungserlaubnis“).

Im Gegensatz zur Ausbildung ist der Zugang zur Hochschule weder asylgesetzlich eingeschränkt, noch die Anerkennung von Hochschulzugangsberechtigungen bundeseinheitlich geregelt.* Die Möglichkeit der Studienfinanzierung fällt allerdings in den rechtlichen Regelungsbereich. Geflüchtete erhalten als Asylbewerber in den ersten fünfzehn Monaten nur Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, § 2 I AsylbLG. Für einen alleinstehenden, außerhalb von Aufnahmeeinrichtungen untergebrachten Erwachsenen beläuft sich der Betrag beispielsweise auf 216 Euro, § 3 II 2 Nr. 1 AsylbLG. Dabei gibt es keine Regelungen, die die Nutzung der Leistung zu Studienzwecken verbieten (vgl. Haubner und Kalin 2017, 99). Nach den 15 Monaten erhalten Asylbewerber dann Leistungen nach dem zwölften Sozialgesetzbuch, § 2 I AsylbLG. Nach § 22 I 1 SGB XII haben Studierende allerdings keinen Anspruch auf Leistung, da deren Ausbildung grundsätzlich nach dem BAföG förderungsfähig ist. Da für den Erhalt von BAföG aber wiederum bestimmte Aufenthaltstitel Voraussetzung sind, § 8 II BAföG, ist eine Studienfinanzierung durch BAföG während des Asylverfahrens ausgeschlossen. Ist das Asylverfahren mit positivem Bescheid oder mit Abschiebungsverbot abgeschlossen, gibt es einen Anspruch auf Ausbildungsförderung nach § 8 II, IIa BAföG. Für Personen mit abgelehntem Asylbescheid und Ausreisepflicht ist eine Förderung nach BAföG nicht möglich.

Konstruktionen als Familienvorstand und -ernährer

Wie Lukunka (2012) in ihrer Studie über burundische Flüchtlinge in Tansania deutlich macht, findet in Familien die Konstruktion von Geschlecht in der wechselseitigen Beziehung zwischen Männern und Frauen statt und erfordert zur Aufrechterhaltung der Konstruktionen die reziproke Anerkennung der jeweiligen Konstruktionen (vgl. ebd. 135). Im Kontext hegemonialer Männlichkeit als Bildungs- und Berufserfolg und der Konstruktion der Frau als Familienfürsorgerin verwundert es indes nicht, dass eine Teilkonstruktion hegemonialer Männlichkeit der Familienernährer und -vorstand ist. Wie bei den Konstruktionen über Bildung und Beruf zeigte sich dieser Konstruktionsmodus in verschiedenen Studien auf (siehe auch McSpadden und Moussa 1993; McSpadden 1999; Turner 1999; Szczepanikova 2005; Jansen 2008; Jaji 2009; Lukunka 2012; Godshaw 2014; Krause 2016).

Welche Spannungsverhältnisse sich aus der Konstruktion als Familienernährer und ‑vorstand ergeben, wird im Folgenden erörtert. Mc Spadden (1999) beschreibt, wie für geflüchtete Männer das Zurücklassen von Familienangehörigen konträr zu eigenen Männlichkeitskonstruktionen als Familienvorstand steht. Um an diese Konstruktionen wieder anzuknüpfen, würden geflüchtete Männer versuchen, Familienmitglieder nachzuholen oder die Ernährerrolle aus der Ferne mithilfe von Geldüberweisungen zu übernehmen (vgl. McSpadden 1999, 258). Dass diese Konstruktion als Familienernährer allerdings reziprok von den restlichen Familienmitgliedern getragen werden muss, zeigt Godshaw (2014) für ugandische Männer in Großbritannien. Bei unterlassenen Geldsendungen würden die Männer von der Familie als egoistisch abgestraft und die Familie vernachlässigend wahrgenommen (vgl. Godshaw 2014, 9). Welche Spannungsverhältnisse geflüchtete Männer im deutschen Kontext erleben, zeigt das Bundesforum Männer (2018). Geflüchtete Männer belaste die Unsicherheiten hinsichtlich des Wohlergehens der nicht mitgereisten Familien sowie der Erfolgsaussichten auf Familiennachzug (vgl. Bundesforum Männer 2018, 11 ff.).

Inwiefern sich Familienverhältnisse durch deutsche Asylgesetze verändern und welche Positionen zur Anknüpfung an hegemoniale Männlichkeit sich daraus ergeben, wird im Folgenden anhand der gesetzlichen Regelungen zum Familiennachzug betrachtet.

Familienzusammenführung und -separierung im Familiennachzug

Der Familiennachzug für Geflüchtete ist in Deutschland im Aufenthaltsgesetz geregelt, §§ 27 ff. AufenthG. Er setzt dabei eine Aufenthaltserlaubnis voraus, § 29 I Nr. 1 AufenthG. Da Geflüchtete während des Asylverfahrens nur eine Aufenthaltsgestattung haben, sind sie vom Familiennachzug ausgeschlossen. Endet das Asylverfahren mit positivem Bescheid, besteht die Möglichkeit des Familiennachzuges. Für die Gruppe Geflüchteter mit subsidiärem Schutz ist der Familiennachzug allerdings auf 1.000 Personen pro Monat begrenzt, § 36a II 2 AufenthG. Ist das Asylverfahren mit negativem Bescheid ausgegangen, besteht keine Möglichkeit auf Familiennachzug. Ob an hegemoniale Männlichkeiten als Familienvorstand angeknüpft werden kann, steht in Bezug zum Asylstatus. Rechtlich werden andere Positionen für Männlichkeitskonstruktionen während des Asylverfahrens für abgelehnte Asylbewerber geschaffen als für Geflüchtete mit positivem Asylbescheid, wobei in dieser Gruppe subsidiär Schutzberechtige eine besonders marginalisierte Position einnehmen. Zwei Ergänzungen müssen dabei erfolgen. Erstens fallen nur die geehelichte Person sowie die eigenen, minderjährigen Kinder unter die Möglichkeit des Familiennachzuges, vgl. § 29 II 1 AufenthG.* Insofern können geflüchtete Männer nur dann an den hegemonialen Modus als Familienvorstand anknüpfen, wenn der wesentliche Fokus der Männlichkeitskonstruktion die geehelichte Person sowie die eigenen, minderjährigen Kinder sind. Zweitens gilt als Bedingung für den Familiennachzug, dass ausreichend Wohnraum und Lebensunterhalt zur Verfügung stehen, §§ 5 I Nr. 1, 29 II 1 Nr. 2 AufenthG. Davon wird allerdings abgesehen, wenn der Antrag auf Familiennachzug innerhalb von drei Monaten nach positivem Asylbescheid erfolgt und eine Zusammenführung in einem Drittstaat nicht zumutbar ist, § 29 II 2 AufenthG, oder wenn sich der Geflüchtete nach positivem Asylbescheid nachweislich um die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und Beschaffung ausreichenden Wohnraums bemüht hat, Nr. 29.2.2.1 AVV-AufenthG. Insofern werden unterschiedliche Positionen für Männlichkeitskonstruktionen als Familienvorstand je nach Zeitpunkt der Antragstellung, ökonomischer Situation und Anerkennung der Bemühung um Arbeit und Wohnraum geschaffen.

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