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Was machen Asylgesetze mit Männlichkeit? – ein Fazit

Fazit und Diskussion

Zusammenfassend schafft die deutsche Asylgesetzgebung Institute und Verfahren, durch die hegemoniale Konstruktionen von Männlichkeiten nur für wenige Männer im Asylverfahren, und teilweise auch danach, anschlussfähig sind. Dabei werden vielfältige Positionen geschaffen, die aus der Sicherheit des Herkunftslandes, Bleibeperspektive, Asylstatus, Dauer des Aufenthalts, finanziellen Ressourcen, Berufs- und Bildungsqualifikationen, Berufs- und Bildungs- und Wohnerfolg oder Familienverhältnissen folgen. Es führt uns zur Erkenntnis, dass aus analytischer Perspektive die deutschen Asylgesetze die Anschlussfähigkeit geflüchteter Männer an hegemoniale Männlichkeiten einschränken und dabei marginalisierte Männlichkeiten erzeugen können.

Zum Abschluss werden zwei Punkte zur Diskussion gestellt. Der erste bezieht sich auf die Frage nach der Aussagekraft der Analyse. Richard Collier (2016) schreibt über Ansätze, die Gesetzesvorschriften bezüglich ihrer Auswirkung auf Männlichkeitskonstruktionen untersuchen,

„dass dieser Ansatz zwar ein Narrativ bietet, um die Auswirkungen von Männlichkeitsdiskursen in verschiedenen rechtlichen Zusammenhängen zu beschreiben, dieser aber letztendlich nur eben das bleibt: ein Narrativ. Die verschiedenen Darlegungen des Prozesses, wie männliche Subjektivität tatsächlich umgesetzt wird, lassen sich kaum stichhaltig prüfen oder belegen“ (Richard Collier 2016, 198).

Im Grundsatz stimmen wir seiner Kritik zu, dass es empirischer Analysen bedarf, um die Stichhaltigkeit der getroffenen Analysen sicherzustellen, zumal „nicht schon der Gesetzeswortlaut die Rechtsnorm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz“ (Kaufmann 1974, 203 f.). Jedoch verstehen wir den verwendeten Ansatz angesichts der Größe des Forschungsdesiderates vielmehr als Heuristik, um mögliche Konstruktionsprozesse von Männlichkeit im Kontext der Asylgesetze aufzuzeigen und neue Perspektiven für die Empirie zu gewinnen.

Der zweite Punkt soll die Betrachtung auf die geschlechterpolitische Dimension der Asylgesetzgebung lenken. Im ersten Moment mag es zwar wünschenswert wirken, dass durch die bestehende Asylgesetzgebung die Anschlussfähigkeit an hegemoniale Konstruktionen von Männlichkeit unterbunden wird, da die Reproduktion einer patriarchalen Geschlechterordnung eingeschränkt wird, auch wenn dabei Friktionen entstehen. Betrachtet man allerdings, dass in der Analyse nur die Theorie der hegemonialen Männlichkeit einbezogen und andere Konstruktionsmodi von Männlichkeit wie „emergent masculinities“ (Inhorn 2012) oder „caring masculinities“ (Elliott 2015), welche entgegen patriarchaler Muster verlaufen und auf Gleichberechtigung aufbauen, unberücksichtigt bleiben, wäre dies eine starke Verkürzung. Auch entlang dieser Konstruktionsmodi könnte die Asylgesetzgebung Anschlussfähigkeiten unterbinden. Dass die Betrachtung dieser oder anderer Muster ebenfalls sinnvoll sein kann, um ein umfassendes Bild über den Einfluss der Asylgesetzgebung auf Männlichkeiten zu erhalten, lässt sich in der Untersuchung von Kitzberger (2016) erahnen. Danach weisen über 50 Prozent der in Österreich befragten männlichen Asylbewerber eher moderne als traditionell organisierte Männlichkeiten auf (vgl. ebd., 47). Weiterhin zeigt sich im internationalen Forschungsstand, dass sich Männlichkeiten in den Spannungsverhältnissen der Flucht auf sehr unterschiedliche Weise transformieren. Es können sich hegemoniale Muster in neuen Strukturen re-etablieren (Turner 1999), patriarchale Männlichkeiten mit Gewalt gegen Frauen und Alkoholismus verstärken (Schrijvers 1997; Browning 2007), pragmatische Adaptionen an die neuen Gegebenheiten erfolgen (Mc Spadden 1993; Jaji 2009), aber auch bescheidene Männlichkeiten (Lukunka 2012) oder verantwortliche und demokratieorientierte Männlichkeiten emergieren (Ingvars & Gíslason 2018). Ein umfassendes Bild über den Einfluss des deutschen Asylsystems auf Männlichkeiten und deren Transformationen wird sich wohl erst in den kommenden Jahren Stück für Stück zusammensetzen lassen. Bis dahin bleibt es wichtig, sich im Bewusstsein zu halten, dass Männlichkeiten immer im Kontext gesellschaftlicher Institutionen zu erfassen sind und diese auch dazu beitragen können, die Emergenz von Männlichkeiten zu fördern, welche auf Gleichberechtigung statt auf Unterordnung setzen.

Literaturverzeichnis

BAMF (2017a) Die erste überarbeitete Fassung des „Rahmencurriculum für Integrationskurse – Deutsch als Zweitsprache“, online verfügbar unter http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Integrationskurse/Kurstraeger/KonzepteLeitfaeden/rahmencurriculum-integrationskurs.pdf?__blob=publicationFile, zuletzt geprüft am 13. September 2018

BAMF (2017b) Die nachstehenden allgemeinen Nebenbestimmungen zur Durchführung der Integrationskurse sind Bestandteil des Zulassungsbescheids, online verfügbar unter http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Integrationskurse/Kurstraeger/Traegerrundschreiben/Anlagen/traegerrundschreiben-19_20171228-anlage1.pdf?__blob=publicationFile, zuletzt geprüft am 13. September 2018

BAMF (2018) FAQ: Integrationskurse für Asylbewerber – Was heißt gute Bleibeperspektive?, online verfügbar unter https://www.bamf.de/SharedDocs/FAQ/DE/IntegrationskurseAsylbewerber/001-bleibeperspektive.html, zuletzt geprüft am 25. August 2018

Bender, Dominik; Welge, Ines (2016) § 2 AufenthG, in: Rainer M. Hofmann: Ausländerrecht. AufenthG, AsylG (AsylVfG), GG, FreizügG/EU, StAG, EU-Abkommen, Assoziationsrecht. 2. Auflage. Baden-Baden, München: Nomos

Bundesforum Männer (2018) Geflüchtete Männer in Deutschland. Bedarfe, Herausforderungen und Ressourcen – Kurzfassung, online verfügbar unter https://movemen.org/wp-content/uploads/2017/11/Gefluechtete_Maenner_in_Deutschland_Bedarfe_Herausforderungen_Ressourcen_Kurzversion.pdf

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