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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Was ist die Aufgabe der Eltern in der Auszeit?

Muss ich denn überhaupt Kontakt halten? Wieso sollte ich mich darum bemühen, den Anschluss zu behalten? Ich habe doch schon entschieden, wie lange ich Elternzeit nehmen möchte, die Frage der Vätermonate ist auch klar – da muss ich doch nichts mehr tun!

So einfach ist es nicht. Je nach dem, wie die „Haltung“ des Unternehmens oder der Verwaltungen zu Wiedereinsteigern ist, müssen sich Eltern Gehör verschaffen, damit „man“ an sie denkt und sie in den Personalplanungen berücksichtigt. Je nachdem, wie die bisherige Stelle besetzt ist, ist es wichtig sich frühzeitig um eine mögliche neue Stelle zu kümmern. Genauso wichtig ist es, deutlich zu machen, dass die bisherige Stelle im vorigen Stundenumfang gewollt ist und zum vereinbarten Zeitpunkt auch wieder aufgenommen wird.

Ein weiterer Aspekt ist die Frage „Wie schnell veraltet mein Wissen?“ Schon die Einführung einer neuen Software (z.B. Microsoft Office 2010®) macht den Wiedereinstieg schwerer. Neben dem Aktuell-Bleiben ist die Elternzeit vielleicht auch die Chance eine längere Fortbildung in Angriff zu nehmen – vielleicht ein Fernstudium oder eine andere Qualifikationsmaßnahme, die von zu Hause aus geleistet werden kann. Das Lesen von Fachliteratur, das Surfen im Internet, das Nutzen von Newslettern oder auch der Zugriff auf Blogs ist in der heutigen Zeit einfach – und sollte selbstverständlich sein. Auch berufliche Netzwerke können in der Elternzeit weiter betrieben werden. Wer Mitglied in einem Berufs- oder Branchenverband ist, hat jetzt (nach den ersten Monaten als neue Familie) vielleicht mehr Zeit, um zu Treffen oder Veranstaltungen zu gehen. Vielleicht ist der/die Arbeitgeber/in auch bereit, Teilnahmegebühren zu übernehmen. Ein großes Spektrum an Weiterbildungsthemen bieten auch die Volkshochschulen, ohne dass dafür viel Geld investiert werden muss. Je nach Haltung des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin gibt es evtl. auch die Möglichkeit, an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Diese Chance sollte unbedingt genutzt werden. So ist es in den Pausen ganz einfach möglich, zu hören, was gerade im Unternehmen oder in der Verwaltung aktuell ist.

Manchen Mitarbeitenden in Elternzeit geht es auch so, dass es irgendwann den Zeitpunkt gibt, wo sich der eigene Kopf nach mehr Input sehnt als die Frage, wie viele Worte das Kind schon spricht oder ob es schon trocken ist – hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Treffen mit anderen Müttern sind schön und tun gut – aber für mich galt das nicht für sieben Tage die Woche!

Daher ist auch die Phase des Ausstiegs eine Zeit, die aktiv von den Eltern zu gestalten ist, damit der Wiedereinstieg gelingen kann.

Ideen/Vorschläge/Maßnahmen

Einladung zu Informationsveranstaltungen, Betriebsfesten oder Abteilungsaktivitäten

Je nach Kultur des Unternehmens oder der Verwaltung gibt es Weihnachtsfeiern, Sommerfeste oder Ähnliches. Abteilungen haben oft „Rituale“ entwickelt, wie außerhalb des Arbeitskontextes Beziehungen gepflegt werden können. Es sollte selbstverständlich sein, dass zu diesen Veranstaltungen Eltern in Elternzeit eingeladen werden. Oft sind die Zeiten für solche Feste gut mit Familie und Beruf vereinbar.

Je nach den Rahmenbedingungen für die Anwesenheit von Mitarbeitenden in Elternzeit können diese auch zu Personal- oder Betriebsversammlungen eingeladen werden. Vielleicht gibt es auch Teambesprechungen, an denen die Eltern in Elternzeit teilnehmen sollten?

Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten ist, den Eltern in Elternzeit Gehör zu verschaffen und diese für die Betriebsfeste auf den Verteiler zu setzen. Häufig ist das für Rentner und Pensionäre selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit darf es auch für die Eltern in Elternzeit geben.

Fortsetzung der Aktivitäten z.B. in Betriebssportgruppen

Alles, was es vor der Elternzeit an Aktivitäten gegeben hat, sollte in der Elternzeit erlaubt sein. Wenn es Betriebssportgruppen, Gesangsvereine oder andere soziale Aktivitäten des Unternehmens gibt, sollten Eltern in Elternzeit daran teilnehmen können. Vielleicht ist die Elternzeit auch eine gute Gelegenheit, mit Sport zu beginnen?

Die Gleichstellungsbeauftragte kann hier die rechtlichen Rahmenbedingungen (Fragen der Versicherung etc.) klären und mit diesen Informationen die Vorgesetzten und die Eltern versorgen. Die Frage, was es an sozialen Aktivitäten für Eltern in Elternzeit gibt, könnte in der Wissensbroschüre enthalten sein.

Mentoren und Mentorinnen nutzen

Im Abschnitt zum Ausstieg ist das Konzept der Mentoren und Mentorinnen dargestellt worden. Während der Auszeit sind Fragen wie „Ist das Arbeitszeit für die Mentor/innen?“ oder auch „Wo können die Treffen von Mentor/innen und Mentees stattfinden?“ im Vordergrund. Zu klären und zu entscheiden sind sie vorher.

Die Gleichstellungsbeauftragte kann ein Netzwerk für die Mentoren und Mentorinnen ins Leben rufen. Das schafft Verbindlichkeit in der Aufgabe für die Mentor/innen und es macht den Stellenwert im Unternehmen deutlich. Vielleicht ist auch eine kurze Schulung für die Mentor/innen wichtig. Kommunikationswerkzeuge und die Frage „Wie viel Missionar darf ich sein?“ könnten Inhalte sein. Mentor/innen, die ausschließlich ihre Entscheidungen und ihren Lebensweg als „richtig“ erachten, sind nicht geeignet. Es braucht eine Offenheit für Vielfalt und die Unterschiedlichkeit von jedem Familienmodell für Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Paten und Patinnen nutzen

Im Abschnitt zum Ausstieg ist das Konzept der Paten und Patinnen dargestellt worden. Während der Auszeit braucht es Verbindlichkeit auf der Patenseite. Die To-do-Liste für den eigenen Job ist bereits gut gefüllt, da gerät das Kontakt halten zu den Eltern in Elternzeit in den Hintergrund oder rutscht auf der Prioritätenliste immer weiter nach unten.

Die Gleichstellungsbeauftragte kann hier unterstützen. Die Paten und Patinnen sollten bekannt sein – dann kann es einen E-Mail-Verteiler mit ihnen geben. Unternehmensweite Veränderungen, Informationen aus dem Umfeld der Branche oder der Verwaltung kann die Gleichstellungsbeauftragte gesammelt z.B. monatlich oder quartalsweise über den Verteiler an die Paten und Patinnen schicken. So gibt es einen „Anstoß“ für die Kontaktaufnahme zu den Eltern in Elternzeit.

Sowohl für die Paten und Patinnen als auch für die Mentoren und Mentorinnen braucht es Wertschätzung für ihre Arbeit. Ein Artikel in der Firmenzeitung, eine eigene Seite im Intranet oder einfach ein Dankesbrief um Weihnachten oder Neujahr sind gute Werkzeuge dafür. Anregen kann dies die Gleichstellungsbeauftragte, unterstützt werden muss es von der Unternehmens- oder Verwaltungsleitung sowie den Personalverantwortlichen. Wer mit „Wiedereinstieg“ und „Paten“ im Internet sucht, wird auf Broschüren oder Internet-Auftritte verwiesen und findet Praxisbeispiele. Die BASF SE arbeitet in einem Pilot-Modell mit Patinnen, die selbst Wiedereinsteigende sind, und die arbeitenden Eltern im Zeitraum vor dem Ausstieg bis zum Wiedereinstieg begleiten.

Zugang zu betrieblichen Informationen sicher stellen

Auch dieser Vorschlag wurde schon im Abschnitt zum Ausstieg unterbreitet. Die Gleichstellungsbeauftragte sollte prüfen lassen, was mit den internen Richtlinien und evtl. rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar ist. Zugänge können sein:

  • E-Mail-Adresse behalten (mit Abwesenheitsnotiz!)

  • Technik wie Laptop oder Handy behalten (mit entsprechendem Mailbox-Text)

  • Firmenzeitung nach Hause bekommen

  • Zugang zum Intranet behalten

  • Falls vorhanden: Services wie Bücherei etc. weiter nutzen dürfen

Alles, was von der Verwaltungsseite her machbar ist, sollte Bestandteil des Ausstiegsgesprächs sein. So können Vorgesetzte/r und Mitarbeitende/r in der konkreten Situation entscheiden, was passt und was nicht.

Zugriff auf Fachliteratur/-zeitschriften des Unternehmens sicherstellen

Wer arbeitet, erhält über Umläufe etc. Fachzeitschriften. Oft gibt es Listen, welche Fachbücher in der Abteilung angeschafft wurden. So kann der/die Mitarbeitende sein bzw. ihr Wissen aktuell halten. Doch was ist in der Elternzeit? Die Eltern sind von diesen Informationsquellen abgeschnitten. Was spricht dagegen, als letzte Position auf der Umlaufliste der Fachzeitschriften die jeweiligen Eltern in Elternzeit zu setzen? Es spricht vieles dafür. Der Wiedereinstieg ist leichter, weil das Wissen in der Elternzeit aktuell gehalten werden kann. Wer Fachbücher aus der Abteilung ausleiht, hat darüber hinaus automatisch Kontakt zu den Kollegen und Kolleginnen und der „alten“ Abteilung. So wird schnell deutlich, was sich gerade tut oder welche Veränderungen anstehen.

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