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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Wahlfreiheit in der Erwerbs- und Sorgearbeit – Aktuelle Herausforderungen um neue/alte Wahlfreiheiten

Die Ausführungen zeigen, dass der gewandelte Sozialstaat mit seinen Paradigmen der Aktivierung, Eigenverantwortung und Wahlfreiheit Auswirkungen auf die Realisierung von Erwerbs- und Sorgearbeit hat. Dabei zeigen sich zeitgleich zwei ambivalente Entwicklungen: einerseits eröffnen sich erweiterte Spielräume. Im Hinblick auf Eltern manifestieren sich diese neuen Spielräume in einem Bedeutungsgewinn des Themas Sorgearbeit in der Erwerbsarbeitswelt. Betriebe und Verwaltungen kommen nicht (mehr) umhin, sich aktiv an der Gestaltung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu beteiligen, nicht zuletzt, weil die gegenwärtige Familienpolitik dies einfordert. Auch die zahlreichen neu geschaffenen Rechtsansprüche bezüglich flexibler Arbeits(zeit)modelle sowie der Infrastrukturausbau der Kinderbetreuungsangebote, verbunden mit einem Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem ersten Lebensjahr des Kindes, eröffnen neue Wahlfreiheiten für Mütter und Väter.

Im Hinblick auf Trans*Personen zeigt sich eine bedingte Wahlfreiheit geschlechtlicher Vielfalt im Erwerbsarbeitskontext, was u. a. mit der geschlechtsspezifischen Segregation von Berufen und Erwerbsarbeit zusammenhängt. Trotz dieser relativ konstanten Segregation, müssen sich alle Arbeitsfelder mit ‚anderen‘ Geschlechtlichkeiten auseinandersetzen. Nicht zuletzt da politische Programme wie der ‚girlsday‘ und boysday‘ und ganz allgemein die Gleichstellungspolitik darauf abzielen, dass geschlechtsspezifische Arbeitsbereiche für alle Geschlechter attraktiv und diskriminierungsfrei zugänglich werden – was auch Trans*Personen neue Optionen ermöglicht. Zudem wird mutmaßlich das neue Personenstandsgesetz viele weitere Regelungen im Erwerbsarbeitskontext anstoßen (wie beispielsweise neue Toilettenregelungen), die geschlechtlichen Lebensweisen außerhalb der Zweigeschlechternorm eine anerkanntere Sichtbarkeit eröffnen.

Andererseits gehen die erweiterten Optionen mit neuen Selektivitäten einher, weil nicht jeder Person der neu entstandene Spielraum mehr Wahlfreiheiten verschafft. Vielmehr zeigen sich neue komplexe Ungleichheiten, die nicht mehr allein entlang einfacher sozialer Kategorien (Mann/Frau, Mütter/Väter) verlaufen, sondern erst sichtbar werden, wenn verschiedene soziale Kategorien zusammenwirken, etwa Geschlecht mit einem spezifischen betrieblichen Status, guter Arbeitsmarktposition, Heteronormativität und bestehender Sorgeverantwortung. Im Hinblick auf Eltern bedeutet dies, dass die neu entstandenen Wahlfreiheiten Gefahr laufen, nicht allen Beschäftigten mit Sorgeverantwortung gleichermaßen zur Verfügung zu stehen, wenn neu geschaffene Rechte einer weiteren individuellen Aushandlung oder Konkretisierung auf betrieblicher Ebene bedürfen. Die daraus resultierenden informellen betrieblichen Aushandlungsprozesse verweisen auf lückenhafte betriebliche Regelungen, aber auch nicht wahrgenommene familienpolitische Verantwortlichkeiten. Betriebliche Vereinbarkeitsangebote, die (ausschließlich) mit betriebswirtschaftlichen Argumenten verknüpft sind, tragen zu der Selektivität hinsichtlich des Nutzens, Zugangs und Gebrauchs dieser Angebote maßgeblich bei. Im Ergebnis geht das Öffnen von individuell auszuhandelnden Wahlfreiheiten für die einen Elternteile mit einer Schließung kollektiver und auch bedingungsloser Handlungsspielräume anderer Elternteile in Verwaltungen und Betrieb einher.

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