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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Sexistische Praktiken in der Juristenausbildung

Sexistische Praktiken in der Juristenausbildung

Aufschrei dreier Nachwuchsjuristinnen

Die drei Autorinnen setzen sich in dem Artikel in der djbZ, der Zeitschrift des Deutschen Juristinnenbundes, ebenfalls mit dem Frauenbild in der juristischen Ausbildung auseinander.* In diesem als „#Aufschrei dreier Nachwuchsjuristinnen“ titulierten Beitrag stellen sie die Marginalisierung von Frauen und die Verwendung patriarchaler Frauenbilder in der Ausbildungsliteratur in den weiteren Kontext sexistischer Praktiken in der Juristenausbildung:

„Seitdem Frauen Jura studieren, ist Sexismus in der juristischen Ausbildung ein virulentes Thema. Nicht zuletzt dank feministischer Interventionen und Kämpfe haben sich die Rahmenbedingungen für Frauen zwar insgesamt erheblich verbessert. Sexistische Erlebnisse gehören aber auch heute noch zum Alltag von Jurastudentinnen und Referendarinnen. Wir wollen uns – gerade als Juristinnen – nicht länger abfinden mit den anhaltenden Einschränkungen unserer Rechte auf Gleichberechtigung, Diskriminierungsfreiheit und auf gleiche Teilhabe an Bildung. Es ist Zeit, die sexistischen Strukturen der juristischen Ausbildung insgesamt in den Blick zu nehmen und sie nachhaltig zu verändern.“ (Chebout/Gather/Valentiner 2016, S. 190)

Auch sie bemängeln, dass „am Klischee“ gelernt wird und folgern:

„Fälle erzählen Geschichten und tragen so zu dem Bild bei, das Studierende von der Welt entwickeln. […] Treten marginalisierte Gruppen vorrangig in stigmatisierten Zusammenhängen auf, wird dies auch einen Einfluss darauf haben, wie Jurist_innen diesen in ihrer späteren Praxis begegnen.“ (Ebd.)

Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass „Stereotype und Sexismen mittlerweile oftmals subtil“ verwendet werden (ebd.), so dass Frauen sich oft fragen müssen, ob sie diese zurecht zurückweisen sollten oder ob sie damit überreagieren. Frauen werden dann gern als empfindlich und humorlos etikettiert. Dies bestätigte auch eine Interviewpartnerin in unserem JurPro Projekt:

„In den Materialien wird immer noch Etliches tradiert, aber so schlimme Sachen, wie ich es noch in meinem Studium selber erlebt habe, das kenne ich nicht mehr. Also ich nehme es zumindest so nicht mehr wahr. Also das, ich find‘s aber auch manchmal richtig schwierig, wenn‘s so subtil da ist.“ (I 18)

Die drei Autorinnen bringen Beispiele „sexistischer Interventionen in juristischen Räumen“, dass z. B. ein Vorsitzender einer Prüfungskommission den weiblichen Prüfungsteilnehmerinnen empfiehlt, bei einer ausschließlich männlich besetzten Prüfungskommission in einem schönen Rock anzutreten, „dann haben Sie nichts zu befürchten“ (S. 191, Beispiel aus dem Jahr 2015) oder dass ein AG-Leiter die Verwendung von Beispielen aus dem Sexualstrafrecht einleitet mit: „Nicht dass Sie denken, ich hätte so schmutzige Fantasien. Auch wenn ich die vielleicht habe, aber das ist nicht der Grund“ (S. 192, Beispiel aus dem Jahr 2016).

Mittlerweile betreiben sie auch einen Blog „Juristenausbildung. Üble Nachrede“, in dem über Bespiele sexistischer Praktiken informiert wird.*

Beispiele aus den Interviews zum Projekt JurPro

Bei unseren Interviews zum Projekt JurPro hat eine Promovendin berichtet, dass ihre Freundin (2013) immer wieder von ihrem Ausbilder, einem älteren Staatsanwalt,

„über seine Lust, pornographische Fotos zu machen, hörte. Die saßen dann zusammen am Schreibtisch, haben ‚ne Akte durchgegangen, und dann fing er an, so, ja, am Wochenende mach‘ ich wieder, so nach dem Motto, was machen Sie am Wochenende? Ich fahr‘ ja wieder in die Natur und mach‘ dann mit dadada schöne Fotos. […] Als Frau weißt du erstmal gar nicht, was sagst du jetzt Korrektes darauf. Bei ‚ner anderen war das so, dass der Richter [Anfang 40] sich entweder in sie verguckt hat, oder was weiß ich, aber auf jeden Fall war die Notengebung, was die Bearbeitung der Akten anging, abhängig davon, wie sie sich ihm gegenüber verhalten hat. […] die Jungs, die das mitbekommen haben, jetzt in meinem Alter, die das gehört haben, meinten so, ja, wer weiß, wie sie ihm Signale gegeben hat? Das war die Reaktion. Und die Frauen alle voll empört meinten, das kann ja wohl nicht wahr sein. Aber die Jungs haben per se erstmal gedacht, wer weiß, wie sie sich gegeben hat? Ja, sie ist ja auch so ein liebes Mäuschen. […] Und? Da kann man noch so ein liebes Mäuschen sein, noch so ‚ne kleine mickrige Stimme haben und superhübsch aussehen, kurze Röckchen, die kann meinetwegen in Hot Pants da sitzen, und das darf nicht passieren.“ (I 45)*

Bei unseren Interviews wurden auf die Frage nach „Sexismus, Diskriminierungen, Herabsetzungen, Ungleichstellungen, die Sie erfahren haben“, insgesamt nur wenige Beispiele für sexistische Praktiken in der Juristenausbildung gegeben, bzw. die Beispiele als solche etikettiert, wobei gerade die ältere Generation der Juraprofessorinnen damit permanent konfrontiert worden ist.

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