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Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Richtig gendern – So funktioniert’s!

Gendern scheidet nach wie vor die Geister: Erst kürzlich startete eine Initiative gegen vermeintlichen „Gender-Unfug“. Andere dagegen wollen gendergerecht formulieren, wissen aber nicht wie. Deshalb klären wir auf: Was steckt eigentlich hinter Gendern, welche Möglichkeiten geschlechtergerechter Sprache gibt es und wie machen Sie es richtig? Holen Sie sich Tipps für die Praxis.

Kurze Theorie am Anfang

Frauen sind die Mehrheit der Gesellschaft und werden doch durch das generische Maskulinum effektiv unsichtbar gemacht – klagt die feministische Linguistin Luise Pusch in einem EMMA-Beitrag. Und tatsächlich: Wer an eine Gruppe von Sängern denkt, denkt vermutlich eher an einen reinen Männerchor als an eine geschlechtergemischte Gruppe von Sängerinnen und Sängern oder gar einen Frauenchor.

Die Ursache: Unsere Sprache und unser Sprachgebrauch sind, wie der Duden in seinem Leitfaden „Richtig gendern“ betont, historisch bedingt von einer Dominanz des Männlichen geprägt. Frauen kommen sprachlich kaum vor, was angesichts der Tatsache wenig verwunderlich ist, dass entscheidende gesellschaftliche Machtpositionen seit jeher Männern vorbehalten waren. Erst seit neuerer Zeit wird die männliche Vorherrschaft langsam aufgebrochen. Auch das Grundgesetz schreibt in Artikel 3, Absatz 2 die Gleichberechtigung von Frau und Mann vor und gibt dem Staat den Auftrag, diese zu fördern.

Richtig gendern: Diese Möglichkeiten haben Sie

Nimmt man oder frau diesen Auftrag ernst, muss sich die Gleichberechtigung auch auf sprachlicher Ebene realisieren – „gendern“, die Anwendung geschlechtergerechter Sprache, ist hier das Zauberwort. Doch wie kann das in der Praxis aussehen? In der aktuellen Diskussion finden sich im Wesentlichen fünf Möglichkeiten:

  1. Ausführliche Doppelnennungen
    Die Doppelnennung femininer und maskuliner Formen (z. B. Leserinnen und Leser) ist vermutlich die einfachste und eleganteste Möglichkeit des Genderns und findet vor allem bei Anreden Anwendung (z. B. liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter). Die stetige Nennung beider Geschlechterformen kann jedoch gerade in geschriebener Form zu wahren Bleiwüsten führen. Diverse berücksichtigt die Doppelnennung wiederum nicht.
  2. Gekürzte Doppelnennungen
    • Binnen-I
      Das Binnen-I (z. B. LeserInnen) ist für viele Feministinnen die bevorzugte Variante, da es nach Luise Pusch „auf schlaue Weise eine feminine Lesart suggeriert, die trotzdem auch für Männer akzeptabel sein sollte, da sie sich ja von der rein femininen Form ‚Leserinnen‘ graphisch deutlich unterscheidet“ 1. Zudem wird ein Wort durch das Binnen-I optisch weniger stark entzweigerissen als durch Klammer oder Schrägstrich und betont damit die Gleichrangigkeit der Geschlechter auf Wortebene. Das Problem auch hier: Diverse werden nicht berücksichtigt.
    • Klammer oder Schrägstrich
      Manche benutzen für die Doppelnennung weiblicher und männlicher Formen auch die Klammer (z. B. Leser(-innen) oder den Schrägstrich (Leser/ -innen). Beide Varianten werden aber aus feministischer Perspektive kritisiert: Gerade die Klammer erweckt den Eindruck der Nachrangigkeit, schließlich steht dort meist das weniger Wichtige. Es verdrängt die Frau in die Klammer. Diverse werden auch hier nicht berücksichtigt.
  3. Genderneutrale Ersatzformen und Umformulierungen
    Für alle, die nicht jedes Mal alle drei Geschlechter (weiblich, männlich, divers) nennen wollen, bieten sich Umformulierungen an. Statt von Studenten oder Lesern zu sprechen, greift man in diesem Fall auf die Formulierungen „Studierende“ oder „Lesende“ zurück. Oft hilft es auch, die Begriffe in den Plural zu setzen (z. B. statt „Jede/r Auszubildende/r“ z. B. „alle Auszubildenden“). Häufig lohnt es sich, nach Ersatzformulierungen zu suchen (z. B. Lehrkraft statt Lehrer/in) oder die Sätze umzustrukturieren. Das Gute ist: Auch Diverse sind bei genderneutralen Formulierungen mitgemeint. Oft ist es aber schwer, dies konsequent umzusetzen.
  4. Gender Gap und Gender-Stern
    Wer ausdrücken möchte, dass es mehr als nur zwei Geschlechter (weiblich und männlich) gibt, der kommt um den Gender Gap (z. B. Leser_in) oder den Gender-Stern (z. B. Leser*in) nicht umhin. Gap oder Stern betonen die Geschlechtervielfalt und stecken niemanden in eine der beiden sonst üblichen Geschlechtsschubladen. Doch auch am Gender-Stern oder -Gap entfacht sich Kritik: Letztlich verdränge er, so Luise Pusch, Frauen wieder auf eine Nachsilbe.
  5. Generisches Femininum
    Für viele Feministinnen ist die konsequente Verwendung des generischen Femininums (z. B. Leserinnen) die beste aller Lösungen, denn es stärke nach Luise Pusch das weibliche Selbstbewusstsein und das männliche Einfühlungsvermögen. Mit der Hierarchieumkehrung setzt man außerdem ein starkes Zeichen. Das große Plus: Das generische Femininum verletzt keine Rechtschreibregeln und lässt sich einfach anwenden. Das Problem wiederum: Diverse und Männer spielen im Schriftbild keine Rolle mehr, einige könnten das als diskriminierend begreifen – so wie Frauen das generische Maskulinum heute.

Wie Sie sehen, haben Sie eine Fülle an Möglichkeiten, gendergerecht zu formulieren. Am Ende bleibt es Ihren persönlichen Präferenzen überlassen, für welche Variante Sie sich entscheiden. Es sei denn, Ihnen sind sowieso schon durch interne Vorschriften Vorgaben zu geschlechtergerechter Sprache gesetzt. Wir als Online-Redaktion benutzen beispielsweise so konsequent wie möglich den Gender-Stern – da wir binäres Geschlechterdenken aufbrechen und auch Diverse adressieren möchten.

1Der Standard: »Raum für _!«, letzter Zugriff am 21.03.2019.

Quellen und Hintergründe:





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