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Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Rechte kennen – Grenzen setzen: Aktiv gegen sexualisierte Belästigung

Sexualisierte Belästigung (und Gewalt) gehört zu den herausforderungsvollsten Problemen mit denen Gleichstellungsbeauftragte befasst sind. Nach der Untersuchung des BMFSFJ 2013* haben 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexualisierter Belästigung erlebt, 22 Prozent der befragten Frauen haben solche Erfahrungen seit dem 16. Lebensjahr in Arbeit, Schule oder Ausbildung mindestens ein Mal gemacht – überwiegend waren Männer die Verantwortlichen. Die gesellschaftliche Tabuisierung dieser Form der Diskriminierung macht ihre Thematisierung und Bearbeitung im Einzelfall und als strukturelles Problem nicht leicht. Auch rechtlich galt sexualisierte Belästigung lange als „Schmuddelthema“ und stereotype Rollenbilder in der Rechtswissenschaft und Rechtsprechung trugen dazu bei, dass das Recht Betroffenen lange keine effektive Unterstützung bot.* Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes im Jahr 2006 ist neue Bewegung in die Rechtsprechung und die Debatte um weiteren Regelungsbedarf gekommen. Auch wenn die tatsächliche Rechtsdurchsetzung im Einzelfall weiterhin schwierig sein mag, stellt das Verbot der sexuellen Belästigung in § 3 Abs. 4 AGG ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug im Kampf gegen sexualisierte Belästigung dar.

Der folgende Beitrag beginnt mit einer Konzeptualisierung des Phänomens sexualisierte Belästigung als Form sexistischer Diskriminierung. Den gängigen Stereotypen, mit denen Betroffene und Gleichstellungsbeauftragte konfrontiert sind, werden dadurch Argumente entgegensetzt, die helfen können, das Problembewusstsein gegenüber sexualisierter Belästigung als strukturellem Problem in einer geschlechterhierarchisierten Gesellschaft zu schärfen. Daran schließt sich ein Überblick der rechtlichen Verbote, Rechtsfolgen aber auch Regelungsbedarfe zu dieser Form von Belästigung an. Schließlich werden rechtliche Regelungen und außerrechtliche Strategien in unterschiedlichen Lebensbereichen dargestellt.

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