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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Polizeidienst: Unterschiedliche Mindestgrößen in Bund und Ländern

Innenministerium und Gerichte argumentieren, dass eine Mindestgröße erforderlich sei, um eine störungsfreie Bewältigung polizeilicher Aufgaben gewährleisten zu können und um auch die Funktionsfähigkeit des Polizeivollzugsdienstes (Art. 33 Abs. 4 GG) zu schützen.* Fraglich ist aber, ob polizeiliche Aufgaben tatsächlich nur von Menschen mit bestimmter Körpergröße erfüllt werden können. Es fehlt an hinreichenden sachlichen Gründen, um das Erfordernis einer bestimmten Mindestgröße zu belegen.

Davon zeugt bereits die unterschiedliche Handhabung von Mindestgrößen in Bund und Ländern. Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und die Bundespolizei* verzichten auf Mindestgrößen. In Brandenburg wurde die in Berlin abgelehnte 1,54 m große Bewerberin in den Polizeivollzugsdienst aufgenommen.* Außer in Baden-Württemberg beträgt auch in Hamburg, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt die geforderte Körpergröße 1,60 m. In Berlin und Schleswig-Holstein liegt der Mindestwert nur für Frauen bei 1,60 m. Männer müssen mindestens 1,65 m groß sein. Im Saarland sind es 1,62 m und 1,65 m für Frauen und Männer. In Niedersachsen sollten Frauen über eine Körpergröße von mindestens 1,63 m verfügen, bei Männern sind es 1,67 m. In Rheinland-Pfalz beträgt die Mindestkörpergröße 1,63 m für beide Geschlechter, in Thüringen sind es 1,62 m, während Bayern 1,65 m fordert. In Bayern und Hamburg können zu kleine Bewerber*innen allerdings fehlende Zentimeter durch besondere sportliche Leistungen wettmachen. Die Bundeswehr verlangt – wohl aufgrund der sinkenden Bewerber*innenzahlen – für die Einstellung von Soldat*innen nur mindestens 1,55 m.

Wenige sachliche Gründe für Mindestgrößen

Auch wenn größere Menschen assoziativ eher mit Kraft, Schnelligkeit und Macht verbunden werden, ist die Geschichte voller leistungsfähiger kleiner Sportler*innen, Politiker*innen, Schauspieler*innen etc. In Bremen wurde zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass eine 1,59 m große Bewerberin im polizeilichen Einstellungssporttest den Hochsprung geschafft, ihre 1,70 m große Konkurrentin dagegen die Latte gerissen hat.

Würden die Annahmen der Sporthochschule Köln, dass Polizist*innen unterhalb einer bestimmten Größe zu klein für bestimmte Aufgaben seien, zutreffen, müsste eigentlich auch in Betracht gezogen werden, ob Personen oberhalb einer bestimmten Größe nicht zu groß sind. So könnten Polizist*innen etwa ab einer Körpergröße von 2 m Schwierigkeiten haben, Polizeiwagen zu betreten oder durch normal hohe Türen zu gehen, ohne sich anzustoßen. Über Verfahren wegen zu großer Polizeivollzugsbeamt*innen liegen aber keine Informationen vor.

Zudem ist das Aufgabenspektrum der Polizei von der Präventionsarbeit über die Schutz-, Bereitschafts- und Kriminalpolizei bis hin zur Pressearbeit und weiteren internen Aufgaben vielfältig. Polizeibeamt*innen sind ohnehin in der Regel bestenfalls zu Beginn ihrer Laufbahn breit einsetzbar, weil sie im Laufe ihrer Berufsjahre spezialisierter, eingefahrener, ggf. auch bedingt durch wachsende Körperfülle oder Krankheit, Verletzungen oder Alter weniger bzw. anders körperlich leistungsfähig sind. Schon jetzt stellen Bundes- und Länderpolizeien differenziert nach mittlerem und gehobenen Dienst sowie Objektschutz und Ordnungsdienst unterschiedlich geeignete und vor allem ausgebildete Menschen ein. Soweit kleinere Menschen tatsächlich vorhandene Waffen, Fahrzeuge und sonstige Ausrüstungsgegenstände nicht gut genug bedienen können, können diese entsprechend individuell angepasst werden, schließlich rüsten die Polizeien ihre Hilfsmittel mit Drohnen, Videokameras und Trojanern auch an anderer Stelle ständig technisch nach. Die Polizei in NRW führt an, Polizeivollzugsbeamte würden „mit ihrer körperlichen Konstitution von der Bevölkerung als Vertreter des Staates und seiner Leistungsfähigkeit“ wahrgenommen.

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