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Neuanfang wie jedes Jahr

Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Martina Morf-Koller teilt in ihrer Kolumne Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung. In diesem Artikel befasst sie sich mit einer seltsamen Lösung für einen beliebten Neujahrsvorsatz: Ein paar Pfunde purzeln zu lassen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

was passiert, wenn die Feierei am Jahresende vorbei ist? Es fängt alles genau dort von vorne an, wo wir im letzten Januar auch schon waren. Der „gesünder leben für Anfänger*innen“- Kurs startet wieder. Zumindest bei Vielen von uns klopfen die guten Vorsätze aus dem letzten Jahr zur Erinnerung an unsere Türen. Bei meiner Freundin Susanne tarnen sie sich meist in Form von Diäten. Nach einiger Zeit fliegt ihre Deckung jedoch auf und schwuppdiwupp, sind sie hochkant raus. Also war ich bei meinem Besuch vorgestern ganz gespannt, was in diesem Januar gegen die Bauchröllchen unternommen werden würde.

Leute, war das kalt bei Susanne. Mir wurde aber sofort versichert, dass es der Heizungsanlage gut ginge und dieses durchaus winterliche Klima an der Kaffeetafel gewünscht sei. Man wolle durch Kältereize die Bildung plurivakuolärer Zellen fördern, die den Muskeln signalisieren, den körpereigenen Treibstoff besser zu nutzen und dabei Kalorien zu verbrennen. Sie wissen natürlich auch sofort worum es geht, oder? Ich selbst wusste gar nicht, dass Susanne Worte wie plurivakuolär überhaupt aussprechen kann. Allerdings hielt man es bei den Temperaturen nicht lange im Sitzen aus, ohne zu frieren und so zogen wir zwei stehend unsere Kreise durch das Wohnzimmer mit Milchkaffee-Becher zum Händewärmen, wie bescheuert ist das denn. Aber ganz nebenbei bemerkt, im Stehen verbraucht man pro Minute 0,15 Kilokalorien mehr. Also runter vom Sofa! Wer den halben Tag rumsteht, könnte theoretisch in zwei Jahren 5 Kg ohne Diät verlieren. Und japanische Wissenschaftler*innen haben berechnet, dass auch Mausklicks, Tastenanschläge und Tippen am Handy Kalorien verbrauchen können. Dabei muss einem nur klar werden, dass so ein Stück Pizza etwa 100.000 Mausklicks benötigt. Bis Sie die geschafft haben, ist das Stück kalt, das will doch keiner.

Das fand Susanne nicht wirklich witzig. Sie behauptete, ich würde sie nicht ernst nehmen, wo doch alles wissenschaftlich belegt sei. Ok, worum geht es? Ich hole ein bisschen aus und fange in Ihrer Jugend an. Als Sie noch im zarten Alter von sozusagen “Nichts“ waren, gelang es Ihnen auch noch nicht so richtig ihre Körpertemperatur durch Muskelarbeit zu erhalten. Wo keine Muskeln, da arbeitet nichts - das gilt übrigens in jedem Alter. Die Natur ist aber schlau und hat für diesen Fall ganz besondere Fettzellen vorgesehen, die keine Energie speichern, sondern sie in ihren vielen Zellkraftwerken, den Mitochondrien, verbrennen können und dabei Wärme entwickeln. Dann friert das kleine Menschlein nicht so. Während des Wachstums bildet der Mensch mehr Muskeln aus, dafür sinkt der Anteil dieser überaus entzückenden Adipozyten mit den kleinen Fett-Tröpfchen. Damit Wissenschaftler*innen sie besser finden, hat die Natur ihnen eine hübsche braune Färbung zugedacht, während gewöhnliches Hüftgold ja bekanntlich eher zahnbelagfarben daherkommt, obwohl es auf den Namen weißes univakuoläres Fettgewebe hört (dicker großer Fett-Tropfen, wenig Mitochondrien).

Für Studien haben nun interessierte Wissenschaftler*innen aausgewachsenen Probanden, sprich freiwillig Mitmachenden, über 10 Tage für 6 Stunden täglich die Heizung auf etwa 16° C heruntergedreht zum gemeinsamen Herumfrösteln. Was Susanne schon mal gar nicht erst durchhalten würde.

Und siehe da, der etwas in die Jahre gekommene Anteil an braunen Fettzellen ließ sich verdoppeln. Nicht, dass Sie jetzt an Massen von Fett denken, nein aus etwa 50 Gramm wurden 100. Was zunächst nicht üppig klingt, kann bis zu 400 Kilokalorien am Tag zu Wärme umwandeln ohne eigene Anstrengungen unsererseits. Dabei werden auch noch Signale an die Leber gesendet, Cholesterin abzubauen. Geniale Teilchen, nicht wahr? Aber dafür muss man sie erst einmal haben.

Es gäbe neben Kältereizen auch die Möglichkeit einer sportlichen Betätigung, um die Umwandlung von weißen in braune Fettzellen anzuregen. Und da ermöglicht uns eine starke Beinmuskulatur einen Weg zu weniger Bauchfett, ganz ehrlich. Gut ausgebildete Beinmuskeln verbrauchen im Vergleich zu anderer Körpermuskulatur deutlich mehr Energie. Dafür muss man nicht unbedingt Arnold Schwarzenegger werden, regelmäßig flott zu Fuß gehen wäre da schon ein im wahrsten Sinne des Wortes richtiger Schritt. Und in dieser Jahreszeit ist es draußen eben auch meistens kalt, zack, gleich zwei Probleme erledigt, Frieren und Laufen, wobei Erstgenanntes ziemlich schnell verfliegt.

Es ist nachgewiesen grundsätzlich bekömmlicher, die Wohnraumtemperatur etwas herunter zu regeln. Der Mensch an sich braucht keine 22° C im Wohnzimmer, man hat sich bloß so dran gewöhnt. Unser Immunsystem findet überhitzte Räume ohne Sauerstoff nicht gut. Versuchen Sie es ruhig einmal mit einem Grad weniger, Sie werden sehen, wie schnell man sich daran gewöhnt, mehr eigene Wärme zu produzieren, das können wir nämlich durchaus. So verschwenden wir innere körpereigene Energie und sparen auch noch von außen zugeführte. In diesem Sinn wünsche ich allen einen schönen frischen Neuanfang.

Ihre Martina Morf-Koller

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema "gesunde Ernährung" humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



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