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Mythen über sexualisierte Übergriffe gegen Männer

Sexualisierte Gewalt wird im Rahmen gesellschaftlich wirksamer Annahmen über deren Natur interpretiert und bewertet. Diese sogenannten Vergewaltigungsmythen sind „deskriptive oder präskriptive Überzeugungen über Vergewaltigungen, die dazu dienen, sexuelle Gewalt von Männern gegen Frauen zu leugnen, zu verharmlosen oder zu rechtfertigen“ (Bohner 1998, 14). Wie bei sexualisierten Übergriffen gegen Frauen wirkt das Rollenstereotyp, dass diejenigen, denen das passiert, irgendwie dazu beigetragen haben müssen, also an dem Erlebten (Mit-)Schuld haben. Davon ausgehend, dass Männer sich selbst – im Gegensatz zu Frauen – gut schützen können, gibt es keine „Entschuldigung“ für Männer, wenn sie Opfer eines sexuellen Übergriffs werden. Im Gegenteil: Männliche Opfer werden weitaus stärker als Frauen verurteilt, sich nicht „erfolgreich“ einer Vergewaltigung entzogen bzw. sich gewehrt zu haben (vgl. Davies et al. 2001) – und dies insbesondere von Männern selbst. Diese werten die Vergewaltigung als weniger schwerwiegend und haben weniger Sympathie mit dem Opfer. Dies gilt insbesondere gegenüber schwulen Männern (vgl. Kassing et al. 2005).

Die Erfahrung eines sexuellen Übergriffs durch eine Frau ist für den betroffenen Mann eine äußerst problematische Erfahrung. Verschiedene Studien zeigen, dass erzwungene sexuelle Handlungen durch eine weibliche Täterin zum einen allgemein durch Außenstehende nicht ernst genommen werden: „…female-on-male sexual abuse is also generally treated as a joke“ (Bourke 2007, 217). Der Glaube, dass Männer grundsätzlich immer für Sex (mit Frauen) bereit seien, diesen immer genießen würden und somit niemals unwillig in Bezug auf Sex wären, trägt zum Mythos des eigentlich nicht sexuell zu missbrauchenden Mannes bei. Hinzu kommt der ebenfalls bestehende Mythos, dass Frauen nicht sexuell übergriffig werden, da Frauen angeblich nicht das gleiche, d. h. ein geringeres (als das männliche) sexuelles Verlangen haben. Lautet die erste Prämisse des Vergewaltigungsmythos gegenüber Männern, dass ein Mann nicht vergewaltigt werden kann, wird diese also erweitert durch ‚ein Mann kann nicht durch eine Frau vergewaltigt werden‘. So meinten 47 Prozent der männlichen Befragten in einer Studie (vgl. Seaman et al. 2001, 93), dass der sexuelle Übergriff durch eine Frau für den betroffenen Mann mit Vergnügen verbunden sei, insbesondere, wenn diese attraktiv sei.

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