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Iss mich, ich bin ein sekundärer Pflanzenstoff

Quelle: Anika Hartmann / PIXELIO
Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Martina Morf-Koller teilt in ihrer Kolumne Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung. Heute: Was sind sekundäre Pflanzenstoffe und warum sind sie wichtig.

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Sohn hat mich einmal gefragt: „Mama, warum soll ich eigentlich eine Pflanze essen, die extra Bitterstoffe produziert, um Fressfeinde wie mich abzuschrecken? Das ist dann doch gegen die Natur.“ Er meinte Brokkoli, welcher zu jener Zeit zu seinen ärgsten Widersachern zu zählen schien. Aber Mütter sind ja schlau. Ich habe den Brokkoli schlicht püriert und als grüne Soße zu Nudeln serviert, wo er anstandslos vertilgt wurde, mit Nachschlag übrigens. Und warum machen Mütter so was? Auch wenn viele es nicht wissen, sie tun es wegen der sekundären Pflanzenstoffe.

Man stelle sich einen Apfel vor. Er besteht eben nicht nur aus Schale, Fruchtfleisch, Kerngehäuse, Wasser, Zucker, Vitaminen und ein wenig Säure. So ein Apfel produziert bioaktive Substanzen, um sich gegen widrige Umwelteinflüsse jeder Art zu wappnen. Und weil die Wissenschaft findet, dass der Stoffwechsel in einer Pflanze hauptsächlich dem Wachstum und der Energiezufuhr zu dienen hat, wurde der Sekundärstoffwechsel ausgerufen. Hierunter werden Aufgaben einsortiert wie Lock- Abwehr- oder Farbstoffe zu bilden. Und die heißen dann sekundäre Pflanzenstoffe.

Eine ganz normale Tomate ist zum Beispiel nur deshalb durch den Farbstoff Lycopin so schön rot, weil sie ungern Sonnenbrand bekommen möchte. Unser Brokkoli wiederum produziert Glucoraphanin, ein Senfglycosid, damit ihm kein knabberndes Tierchen ans Leder will. So ähnlich verhält es sich mit dem Scharfstoff Gingerol aus der Wurzel des Ingwers, während andere Pflanzen gerade Insekten mit Aromastoffen anzulocken versuchen. Neugierig wie Wissenschaftler nun einmal sind, haben sie zahlreiche Studien zur Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass viele dieser Substanzen ähnlich den Vitaminen sehr positive und gesundheitsfördernde Wirkungen für den Menschen haben können. Benannt sind weit über 30.000 sekundäre Pflanzenstoffe. Da braucht es dann schon ein wenig Ordnung und Systematik, weshalb die Substanzen entsprechend ihrer chemischen Zusammensetzung einzelnen Stoff-Gruppen zugeteilt wurden.

Die Hauptgruppen hören nun auf Namen wie Alkaloide, andere stickstoffhaltige Verbindungen, Phenole, Carotinoide und Organo-Schwefel-Verbindungen. Klingt nüchtern und kompliziert, weder appetitlich noch spektakulär. Und bis auf die Carotinoide erkennt man nicht wirklich was davon wieder, oder? Aber natürlich gibt es unendlich viele Untergruppen und an einigen von denen ist man bestimmt schon vorbeigeschlendert, wie Anthocyane, Cumarine, Isoflavone, Flavonoide, Catechine, Gerbstoffe.

So, und wie genau kann ich als Verzehrer davon profitieren? Sekundäre Pflanzenstoffe unterstützen das Immunsystem gegen Viren, Bakterien und Pilze, haben antientzündliche Wirkungen, können krebshemmend und cholesterinsenkend sein, beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, schützen vor freien Radikalen, verlangsamen Alterungsprozesse im Gehirn oder wirken sich positiv auf unseren Gemütszustand aus. Viele isolierte Einzelsubstanzen werden tatsächlich bereits hoch dosiert therapeutisch eingesetzt. Nehmen wir den Sonnenschutz der Tomate. Warum auch immer verbessert dieser im Menschen den Blutfluss in den Gefäßen und verhindert unmotiviertes Zusammenklumpen von Blutplättchen. Oder den Bitterstoff im Brokkoli, das Glucoraphanin. Es scheint den programmierten Zelltod von Tumorzellen zu beeinflussen und drosselt im Darm die Ausschüttung entzündlicher Botenstoffe.

Am ehesten wirken sekundäre Pflanzenstoffe allerdings im Verbund und in ihrer natürlichen Matrix. Auch die sogenannte Bioverfügbarkeit der Substanzen ist höher. Soll heißen: Meist ist es besser direkt in die Karotte zu beißen als Carotinoide in Kapseln und womöglich synthetisch in Masse produziert einzunehmen. Und wenn die Wissenschaft ehrlich wäre, müsste sie zugeben, noch nicht bis ins Letzte ergründet zu haben, warum es einen Unterschied macht eine frische Möhre zu essen, statt diese in ihre sämtlichen bestimmbaren Bestandteile zerlegt zu verzehren. Die Karotte ist eben mehr als nur die Summe ihrer Einzelteile. Das Zusammenspiel innerhalb der Gesamtpflanze, ist der Gesundheit am zuträglichsten.

Und das hat man als Mutter wohl irgendwie immer schon gewusst, wenn man mal wieder versucht, unwilligen Familienmitgliedern heimlich gesundes Gemüse unterzujubeln.

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema "gesunde Ernährung" humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



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