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Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Hamburger Modell für Geflüchtete nun in der „Champions-League der Integrationsprojekte“

„Wir wollten Brücken zwischen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten und dem Umwelthandwerk in Hamburg bauen. Diese Vision ist nun Realität. Mit unserer Integrationsquote in Ausbildung und Arbeit, der individualisierten Betreuung und dem ‚Kurzpassspiel‘ mit Behörden und Jobcentern spielen wir mittlerweile in der ‚Champions-League‘ der Integrationsprojekte.“ - Dieses Fazit zog Dr. Kai Hünemörder, Leiter des Zentrums für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg, zum Ende des Modellprojektes „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker - Kompetenzfeststellung und Weiterbildung für Flüchtlinge“ im ELBCAMPUS.

Seit Juli 2016 waren 37 Geflüchtete mit technischen Vorerfahrungen für Umweltberufe qualifiziert, die Mehrzahl von ihnen schon vor Projektende in den Arbeitsmarkt für Umwelttechnik integriert worden. Jetzt stellten die Partner die Erfolgsbilanz des Projektes in Hamburg vor, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mitinitiiert sowie fachlich und finanziell unterstützt wurde.

Für fast alle Kursteilnehmer konkrete Perspektiven erarbeitet

Zum Projektstart waren 100 Interessierte zu beruflichen Perspektiven im Bereich der erneuerbaren Energien beraten worden. Daraus starteten 37 Teilnehmer aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Somalia und Eritrea in zwei fünfmonatige Förderkurse und Fachlehrgänge Umwelttechnik mit begleitendem Sprachkursus. Dazu gehörten etwa fachspezifischer Wissens-Erwerb, Methoden der Wissensaneignung, umwelttechnische Werkstattübungen und Betriebsbesuche im Themenfeld Energie und Umwelt. Hünemörder: „Übergeordnetes Ziel des Projektes war und ist es, in der Umwelttechnik ein übertragbares Modell der Kompetenz-Feststellung und mehrstufigen Weiterbildung von geflüchteten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten umzusetzen.“ Ein Schlüssel zum Erfolg sei die zielgerichtete Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, den Jobcentern sowie dem NOBI Netzwerk und den Hamburger Trägern der Flüchtlingshilfe. So hätten durch den kultursensiblen Einsatz von Projektleiter Haiko Hörnicke für fast alle Kursteilnehmer konkrete Perspektiven erarbeitet werden können.

Schon im Projektverlauf Weg in Umwelttechnik gefunden

22 Teilnehmer fanden schon im Projektverlauf ihren Weg in die Umwelttechnik, beispielsweise als Techniker Kälte- und Klimasysteme, als Leitung einer Biogasanlage oder als Fachkraft Gebäudeleittechnik. Drei von ihnen berichteten von ihren Erfolgen: Moutassem Al Attwanee kam 2016 aus Syrien, hatte dort Ingenieurwissenschaften für Maschinenbau und Elektrotechnik studiert. Seine Abschlüsse wurden in Deutschland anerkannt. Er sagte: „Mein größtes Ziel ist es, professionelle Arbeit als Maschinenbauingenieur in Deutschland zu finden.“ Im Rahmen des Projektes kam Al Attwanee zur Bärenkälte GmbH. Nach weiteren Fortbildungen stellt ihm die Firma eine Anstellung als technischer Zeichner für Kälteanlagen in Aussicht, mit der Perspektive, als Ingenieur oder Projektmanager zu arbeiten.

„Auch in Deutschland wieder in meinem erlernten Beruf arbeiten“

Salahodin Ashrafi hatte im Iran eine Ausbildung und ein Studium in Maschinenbau absolviert, sie wurden teilanerkannt. Im Projekt lernte er technisches Deutsch und orientierte sich in Richtung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Er lernt nun alles über moderne Anlagenmechanik in einer Ausbildung bei der Sager & Deus GmbH. Ashrafi: „Die Ausbildung ermöglicht es mir, auch in Deutschland wieder in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Darüber bin ich sehr froh.“ Saad Al Abed Al Latef, der in Syrien Energietechnik studiert hatte, machte ein Praktikum bei der FM Technik GmbH - mit sehr guten Leistungen. Er hat dort jetzt einen Arbeitsplatz als Programmierer. Sein Credo: „Wir müssen nicht mit den anderen identisch sein, um uns gut integrieren zu können.“

So können Teilnehmer schrittweise selbstbestimmt leben und arbeiten

Das Projekt „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ordnet sich in das DBU-Sonderprogramm „Umwelt und Flüchtlinge“ ein. DBU-Referatsleiterin Verena Exner hob hervor: „In dem Projekt wurde das Programm-Ziel besonders gut erreicht, indem die dringend notwendige Berufsqualifizierung in umwelttechnischen Berufen mit der Integration von geflohenen Menschen im Umfeld der Energiewende verknüpft wurde. Das Projekt zeigt, wie positiv Migration für unsere Wirtschaft, aber auch in unsere Gesellschaft wirken kann. So ist es möglich, dass die Teilnehmer nun schrittweise selbstbestimmt leben und arbeiten und selbst aktiv an ihrer Integration mitwirken.“ „Zukunftsperspektive Umwelthandwerker“ ist als „Projekt Nachhaltigkeit 2018“ ausgezeichnet worden. Das etablierte Qualitätssiegel wird im Herbst verliehen von den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE).





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