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Geschlechter in Filmen: Wo Frauen kaum zu Wort kommen

Foto: StockSnap/ Pixabay License / pixabay
Der Redeanteil von weiblichen Figuren in Filmen und Serien ist nach wie vor gering. Selbst in Filmproduktion mit starken Frauenrollen reden Männer durchschnittlich mehr. Doch nicht nur die Unterrepräsentation von Frauen in Blockbustern ist problematisch, sondern auch das worüber die Regisseur*innen sie sprechen lassen.

Es ist knapp zwei Jahre her, dass #metoo in Hollywood wie eine Bombe einschlug: Zahlreiche Schauspielerinnen berichteten, schon einmal am Filmset Opfer sexualisierter Gewalt geworden zu sein. Schlimmstes Beispiel: Der Fall Harvey Weinstein. Seitdem scheint immerhin das Tabu, über die leidvolle Erfahrung von sexuellen Übergriffen zu sprechen, gebrochen. Viele Schauspielerinnen lassen sich patriarchales Machotum nicht mehr gefallen. Erste Urteile gegen Männer, die in der Filmbranche Frauen belästigt haben, wurden gefällt.

Trotz starker Frauenfiguren wenig Dialogzeit

Was sich allerdings bis heute nicht geändert hat, ist die Unterrepräsentation von Frauenrollen in Filmen. Noch immer kommen Frauen als Handlungsträgerinnen kaum vor – und deutlich seltener zu Wort. Anlass für die neuerliche Diskussion um die Darstellung von Frauen in Filmproduktionen ist eine aktuelle Untersuchung zur Erfolgsserie „Game of Thrones“, die vor zwei Wochen ihr Finale feierte. Die ernüchternde Erkenntnis: Über insgesamt acht Staffeln nehmen männliche Figuren circa Dreiviertel der Redezeit in Anspruch – obwohl mit Daenerys Targaryen oder Cersei Lannister auch starke Frauenfiguren im Zentrum der Handlung stehen.

Zu diesem Ergebnis kam der schwedische Softwareentwickler Ceretai, der einen Algorithmus entwickelt hat, der männliche und weibliche Stimmen mit einer Genauigkeit von 85 Prozent voneinander unterscheiden kann. Laut Lisa Hamberg, Mit-Gründerin von Ceretai, sei es das Ziel der Untersuchung gewesen, Zuschauer*innen die problematische Darstellung von Frauen in den Medien ins Bewusstsein zu rufen.

In 900 Filmen nur 30 Prozent Redeanteil für Frauen

Tatsächlich bildet „Game of Thrones“ keine Ausnahme – im Gegenteil. Zwei weitere, vor ein paar Jahren erschienene Studien stützen die Ergebnisse von Ceretai. So stellte auch eine Untersuchung der USC Annenberg eine Geschlechterungleichheit fest, wenn es um den Sprechanteil von Frauen und Männern in Filmen geht. Nach Daten der USC liegt der Redeanteil in insgesamt 900 populären Filmen, die zwischen 2007 und 2016 entstanden sind, von weiblichen Figuren konstant bei rund 30 Prozent. Nur in 34 Prozent aller analysierten Filme werden Frauen als Hauptfigur oder gleichrangige Hauptfigur neben einem männlichen Charakter dargestellt. Am deutlichsten fällt der Sprechanteil von Frauen in männlich konnotierten Filmgenres wie dem Action- oder Abenteuerfilm aus: Dort lag der Anteil der von Frauen gesprochenen Wörter im Jahr 2016 bei 23,4 Prozent, während er bei Komödien im gleichen Zeitraum bei 40,8 Prozent lag. Abenteuer und Action – so die sexistische Zuschreibung der Filmemacher*innen – sind eher Männersachen, in denen Frauen nur nettes Beiwerk sind.

Überhaupt stellt die Studie auch fest, dass nur bei 12 Prozent der untersuchten 900 Filme eine geschlechterausgeglichene Cast vorliegt. Auf eine Frau kommen im Schnitt 2,3 Männer.

Auch in Disney-Filmen ist es nicht besser

Eine zweite Studie der Forscher*innen Hanah Anderson und Matt Daniels hat beliebte Disney-Filme in den Blick genommen und auf Geschlechtergerechtigkeit geprüft. Egal ob bei „Aladdin“, „König der Löwen“, „Mulan“, „die kleine Meerjungfrau“ oder „Pocahontas“: Trotz zum Teil weiblicher Protagonist*innen haben die männlichen Figuren über 60 Prozent der Dialogzeit. Spitzenreiter ist das „Dschungelbuch“ mit 98 Prozent männlicher Sprechzeit. In nur wenigen Disney-Produktionen ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen oder zugunsten von weiblichen Figuren umgekehrt, darunter z. B. „Dornröschen“ oder „Alice im Wunderland“. Selbst in neueren Produktionen wie dem Publikumshit „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“, der um die beiden Schwestern Elsa und Anna kreist, dominieren männliche Sprecher mit 57 Prozent Redeanteil. Das Geschlechterbild, das gerade jungen Zuseher*innen vermittelt wird, ist dabei mehr als bedenklich. Schließlich sind es immer die Männer, die sprechen und handeln, während Frauen – im wahrsten Sinne des Wortes – wenig mitzureden haben. Vorbilder des eigenen Geschlechts bleiben für Mädchen so nur wenige.

Der Bechdel-Test: Über was Frauen reden

Doch entscheidend ist nicht nur, wie viel Frauenfiguren in Filmen reden, sondern auch über was. Aufschluss darüber gibt der sogenannte Bechdel-Test, der 1985 von der Comic-Autorin Alison Bechdel entworfen wurde, um Frauenstereotype in Film und Fernsehen aufzudecken. Der mittlerweile etwas modifizierte Test enthält vier Fragen, die Zuschauer*innen an Filme stellen sollen:

  • Gibt es mindestens zwei Frauenrollen?
  • Sprechen diese Frauen miteinander?
  • Tauschen sie sich über etwas anderes als einen Mann aus?
  • Haben alle Frauenrollen einen Namen?

Viele bekannte Filme – wie „Herr der Ringe“, „Avatar“ oder sogar „Lola rennt“ bestehen diesen Test nicht. Immerhin hier scheint „Game of Thrones“ aber besser abzuschneiden: Die meisten Folgen bestehen den Bechdel-Test.

Doch woran liegt das Missverhältnis der Geschlechter? Neben Rollenklischees ist dieses möglicherweise auch eine Folge der Geschlechterverteilung im Hintergrund der Filmproduktion: Von den 1223 Regisseur*innen, die die Studie der USC Annenberg berücksichtigten, waren nur 3,3 Prozent Frauen. Mehr Frauen müssten auch hinter der Kamera arbeiten, um wirklich etwas zu verändern.

Letztlich müsste man auch noch weiter gehen und sich fragen: Wie sieht es mit der Textvorlage für Filme und Serien aus? Fängt die Ungleichbehandlung vielleicht bereits hier an – und wenn ja, wie lässt sich diese beheben? Einige Produktionen gehen hier bereits mutig voran: Im erfolgreichen Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ wird die Protagonistin Hermine Granger beispielsweise von einer schwarzen Frau gespielt, um auch Nicht-Weißen die Möglichkeit einer Hauptrolle zu bieten. Das lässt sich übertragen: Wieso also zum Beispiel nicht einmal eine „Jane Bond“ auf ihrer Mission begleiten?

Quellen und Hintergründe:





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