Werden Sie Premium-Mitglied!
Als Premium-Mitglied profitieren Sie uneingeschränkt von allen Inhalten.
Jetzt gratis Newsletter abonnieren!
Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Beiträge lesen >>
 

Geschlecht und seine Auswirkung auf die Entscheidungsfindung in der (internationalen) Schiedsgerichtsbarkeit – Frauen als Schiedsrichterinnen

Frauen als Schiedsrichterinnen

Im Jahr 2004 waren nur 4 Prozent der im Leitfaden der weltweit führenden Experten für Schiedsgerichtsbarkeit aufgeführten Personen Frauen (Goldhaber 2004). Zwar sind Frauen auf dem Vormarsch – aber langsam. Am Internationalen Schiedsgerichtshof stieg die Zahl der Ernennungen und Bestätigungen von Schiedsrichterinnen im Jahr 2018 auf 273, was 18,4 Prozent der Gesamtzahl entspricht. Die folgende Tabelle gibt den Anstieg des Frauenanteils bei sechs Arbitral Institutions an. Nicht erfasst ist die „China International Economic and Trade Arbitration Commission“, die in den erfassten Jahren die größte Anzahl an Schiedsfällen bearbeitet hat, und einige Institutionen mit geringerer Fallzahl.*

Female Arbitrators – Gender Diversity Statistics by Arbitral Institutions*

Female arbitrators

DIS

SCC

VIAC

LCIA

ICDR

ICC

2018

n/a

27 %

24.6 %

23 %

22 %

18.4 %

2017

n/a

18 %

17 %

24 %

22 %

16.7 %

2016

13.2 %

16 %

17.1 %

20.6 %

16 %

14.8 %

2015

n/a

27 %

14.3 %

16 %

16 %

10.4 %

2014

n/a

n/a

n/a

11.7 %

n/a

9.7 %


DIS = German Arbitration Institute, SCC = Stockholm Chamber of Commerce; VIAC = Vienna International Arbitration; LCIA = London Court of International Arbitration; ICDR = International Center for Dispute Resolution; ICC = International Chamber of Commerce

Frauen sind also noch weit von der sog. „kritischen Masse“ (critical mass) von 30 Prozent entfernt, die von der Frauenbewegung und der soziologischen Literatur als magische Grenze für Sichtbarkeit und Partizipation von Frauen in vordem männlich dominierten Berufen definiert worden ist (Dahlerup 2006).

Frauen haben aber das Heft des Handelns in die Hand genommen und sich zur Förderung ihrer Chancen sowohl als Richterinnen wie als Verhandlungsführerinnen in der Schiedsgerichtsbarkeit vernetzt. 2005 wurde das gemeinnützige Unternehmen ArbitralWomen gegründet, das sich der Förderung der Rolle von Frauen bei der internationalen Streitbeilegung durch Vernetzung, Kommunikation und Schulung widmet.* 2018 erschien die zweite Ausgabe eines Buches über Pionierinnen in der Streitbeilegung mit 78 biografischen Geschichten von Vorbildern.* Das ICC hat Ende 2018 ein Gender Balance Pledge ins Leben gerufen, das sich dazu verpflichtet, Frauen sichtbarer zu machen, die Geschlechterdiversität in Podiumsdiskussionen auf Konferenzen zu erhöhen und dies in seinen globalen Netzwerken besser widerzuspiegeln.*

Trotz der wachsenden Zahl von Schiedsrichterinnen ist auch die Frage, bei welchen Fällen sie eingesetzt werden, ob sie in gleicher Weise ökonomisch wie männliche Schiedsrichter von den Verfahren profitieren.

Bei meinen Interviews im Rahmen des Projekts JurPro über Geschlecht und Wissenschaftskarriere im Recht (Schultz et al 2018) hatte mir eine Juraprofessorin 2013 dazu folgendes berichtet:

Was mich wirklich fuchst […], in der juristischen Branche wird ja sehr viel Geld verdient. Und die meisten Professoren verdienen, wenn sie gut sind, ein Mehrfaches ihres Gehaltes nebenher. Und da sind Frauen ganz hinten dran. […] Also, die gesamte Schiedsgerichtsszene, die nun richtig, richtig viel Geld bringt, ist Frauen quasi verschlossen. […] Also, kleinere Dinge, ich sag mal, alles an Streitwert unter 20.000, das ist klein, so klein, das fällt natürlich auch mal auf Damen ab, aber es gibt keinen einzigen Fall […], wo Frauen in wirklich große Schiedsverfahren reingenommen werden. Das ist Netzwerken. Das sind immer dieselben, die sie sich nehmen. Irgendein Ding, wo auf einen Streitwert eine Million rüberkommt, kriegt eine Frau derzeit nicht.

Sie möchten weiterlesen?

Loggen Sie sich mit Ihrem Premium-Account ein oder erhalten Sie jetzt freien Tageszugang mit der Bestellung unseres Newsletters!

Jetzt gratis weiterlesen!
  • Zugriff auf alle Premium-Artikel der Seite!
  • Keine Kündigung erforderlich (Premium-Zugang endet automatisch)
  • Gratis und unverbindlich!
  • Zusätzlicher Fach-Newsletter für 0,00 €

Sie sind bereits Premium-Mitglied?

  Login