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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Geschlecht und seine Auswirkung auf die Entscheidungsfindung in der (internationalen) Schiedsgerichtsbarkeit – Hindernisse für Frauen

Hindernisse für Frauen

Wie in allen bisher von Männern dominierten Berufen sehen sich Anwältinnen in diesem Bereich mit vielen Herausforderungen und Vorurteilen konfrontiert. Geschlechterstereotype, die mit unterschiedlichen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit und Geschlechterrollen in der Gesellschaft verbunden sind, haben nach wie vor starke Wurzeln in unserer Gesellschaft. Klassische stereotype Attribute für Frauen sind, dass sie sanft, gut, emotional, nachsichtig, fürsorglich, einfühlsam, einfühlsam, ordentlich, pflichtbewusst, hilfsbereit, unlogisch, ängstlich, gesprächig sind. Männer hingegen werden eher charakterisiert als: stark, mutig, zäh, autoritär, dominant, logisch, stolz, intelligent, objektiv, durchsetzungsfähig. Die weiblichen Attribute beschreiben z. T. Eigenschaften, die zu einer guten, wenn nicht besseren Entscheidungspraxis führen könnten, während die männlichen Attribute durchaus nicht alle wünschenswert für die professionelle Arbeit sind. Dennoch leiten sich von den Geschlechterstereotypen Vorbehalte gegenüber Frauen in „wichtigen“ Positionen ab, insbesondere wenn es um Prestige und Einkommenschancen geht.

Stereotype und Vorurteile erzeugen positive und negative Erwartungen. Die Klischees zwingen Frauen vor allem, ihre Kompetenz immer wieder unter Beweis zu stellen. Stereotype werden oft unterschätzt, sie erzeugen einen „unconscious bias“,* eine unsichtbare Barriere, die schwer zu bekämpfen oder gar zu entdecken ist. Und wenn Frauen „männliche“ Eigenschaften aufweisen oder Handlungsstrategien wie hart und stark zeigen, werden sie möglicherweise als weniger sympathisch angesehen und können daraus trotzdem keinen Vorteil ziehen.

Sind Frauen anders als Männer?

Ob Frauen sich von Männern unterscheiden, worin und warum, ist eine heiß umstrittene Frage. In der Frauen- und Geschlechterforschung wird sie als vergiftet angesehen, da sie als Steilvorlage für alte patriarchale Wahrnehmungen von Geschlechterungleichheit, die zu den gesellschaftlichen Benachteiligungen von Frauen geführt haben, angesehen wird. In den Wirtschaftswissenschaften, vor allem im Personalmanagement ist die Frage durchaus kein Tabu-Thema.* Ein Artikel aus der ZEIT von Oktober 2018 befasst sich unter dem Titel: „Wenn es um Wirtschaft geht, haben die Geschlechter unterschiedliche Vorlieben“ mit dem Global Preference Survey des Briq Instituts in Bonn:

„Männer sind demnach geduldiger, wenn es etwa darum geht, bis wann sich eine Investition rentieren muss oder ob sich eine Bildungsausgabe lohnt. Sie sind auch risikofreudiger, haben also weniger Angst vor dem Misserfolg. Und sie sind eher bereit, unkooperatives Verhalten anderer zu bestrafen, auch wenn sie das erst mal Geld kostet. Frauen dagegen schenken anderen schneller Vertrauen, helfen öfter aus altruistischen Gründen – also ohne dafür einen Gewinn zu erwarten, und sie belohnen eher kooperatives Verhalten ihrer Mitmenschen und verstärken es auf diese Weise.“ https://www.business-wissen.de/artikel/unterschiede-verhandeln-frauen-anders-als-maenner/

Deshalb war ich auch gebeten worden, mich auf der Basis meiner international vergleichenden Forschungen (Schultz/Shaw 2003 und 2013a) bei der Veranstaltung zu „Gender Differences in Dispute Resolution, Science, Experience and Practical Approaches“ im Januar 2020 mit „Gender and its Effect on Decision Making in Arbitration“ zu befassen.

Als wir in den 1980er Jahren unser großes internationales Vergleichsprojekt über Juristinnen begonnen haben, war das Thema Geschlechterdifferenz im Trend. Eine wichtige theoretische Grundlage zu (möglichen) Unterschieden im Handeln und Entscheiden von Frauen bot der Klassiker der Entwicklungspsychologin Carol Gilligan (1984) über die „andere Stimme“ der Frau, die basierend auf ihren empirischen Studien mit Kindern und Heranwachsenden die Theorie der weiblichen Fürsorgemoral (logic of care) entwickelt hatte. Danach ist bei Frauen das moralische Denken und Handeln mehr auf die Übernahme von Verantwortung und Fürsorge ausgerichtet, die Verbundenheit (relatedness) mit anderen. Männer folgen hingegen eher einer Gerechtigkeitsmoral (logic of justice), sind einem Regel-Norm-Denken verhaftet, einer „blinden Gerechtigkeit“, und verlassen sich auf abstrakte Gesetze und universelle Prinzipien, um Konflikte unpersönlich und unparteiisch zu schlichten

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