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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Genderkompetenz als juristische Schlüsselqualifikation – Was heißt „juristische“?

Das Widersprüchliche zusammendenken: Recht als Herrschaftsinstrument, Genderkompetenz als Herrschaftskritik

Die erforderliche bereichsspezifische Übersetzungsleistung soll am Beispiel der Vermittlung von Genderkompetenz als juristischer Schlüsselqualifikation veranschaulicht werden. Doch: Was heißt „juristische“ Genderkompetenz? Um Genderkompetenz als Soft Skill für Jurist*innen zu konzeptionieren, müssen die abstrakt beschriebenen Lernziele (Sensibilisieren, Reflektieren, Hinterfragen) inhaltlich an rechtswissenschaftlichen Themen, Methoden und Fragestellungen ausgerichtet werden. Genderkompetenz, verstanden als Kompetenz des Erkennens, Hinterfragens und Überwindens von diskriminierenden Strukturen, steht dabei im Widerspruch zu dem in der Rechtswissenschaft vorherrschenden Objektivitätsideal,* das Recht und Jurist*innen als objektiv und neutral konstruiert. Das Recht gibt sich „geschlechtsneutral“, während nicht nur ungleiche Anwendungsrealitäten, sondern auch entsprechende Rechtssetzung an diesem Bild rütteln.* Genderkompetenz zielt darauf, Herrschaftsdiskurse sichtbar zu machen und strategisch aufzubrechen. Sozialisations- und Subjektivierungsprozesse, die der juristischen Ausbildung eigen sind,* müssen dafür in den Blick genommen werden. Juristische Genderkompetenz verlangt eine rechtskritische Perspektive, die die eigene Verstrickung in Prozesse der Rechtssetzung und Rechtsanwendung einschließt, d. h. sie ist in hohem Maße selbstkritisch angelegt.

Ansätze der Vermittlung von Genderkompetenz für Jurist*innen

Eine sach- und fachbezogene Anpassung könnte für die Sensibilisierung bedeuten, dass nicht nur gesellschaftliche, am Geschlechterverhältnis ausgerichtete Strukturen in den Blick genommen werden, sondern spezifisch die Rolle von Recht und Jurist*innen beim Entstehen, der Aufrechterhaltung und Fortschreibung dieser Verhältnisse (methodisch z. B. mittels Entscheidungsanalyse). Die Reflexion des eigenen Handelns kann sich ebenfalls konkret auf die Arbeit als Jurist*in beziehen und eine rechtskritische Perspektive auf Strukturen, Hierarchien und Mechanismen eröffnen, an denen Jurist*innen in besonderem Maße partizipieren. Die Auseinandersetzung mit (eigenen) Vorurteilen, ihrer Abbildung in Rechtstexten und ihrer Reproduktion in der Rechtspraxis verdeutlicht die Bedeutung außerrechtlicher Wertungen im vermeintlich objektiven Recht.

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