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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Genderkompetenz als juristische Schlüsselqualifikation – Beispiele für Übungen

Einzelne Übungen adressieren regelmäßig bestimmte Lernziele, d. h. sie können zur Sensibilisierung und Bewusstwerdung beitragen, zur Selbstreflexion anregen und diese begleiten, eine kritische Perspektive auf eine Praxis eröffnen und ermöglichen, dass diese hinterfragt wird, oder zur Entwicklung von Handlungsstrategien eingesetzt werden. Die Durchführung einer Übung setzt Genderkompetenz bei der Person voraus, die sie moderiert und leitet. Übungen sind von dieser in den spezifischen Kontext der Gruppe einzupassen, wobei nicht nur Arbeitszusammenhang (Stammen die Personen aus demselben Organisationskontext? Bestehen Hierarchien zwischen den Personen?), Motivation der Teilnahme (Erfolgt die Teilnahme im Rahmen einer selbst gewählten oder vorgeschriebenen Fortbildungsmaßnahme?), sondern vor allem auch die Sensibilisierung und das Vorwissen der einzelnen Personen ausschlaggebend sind. Bei der Arbeit mit Stereotypen werden diese in vielen Übungen zunächst „aus der Schublade geholt“, um dann ihre soziale Konstruktion zu beleuchten. Dadurch bergen sie die Gefahr, dass stereotype Zuschreibungen reproduziert und perpetuiert werden. Die Übungen sehen Auswertungsphasen in der gesamten Gruppe vor, deren Moderation ein hohes Maß an Genderkompetenz und eine vorangegangene Festlegung der eigenen (Moderations-)Rolle erfordert.

„Typisch…“

Gerade für die Arbeit mit Personen, die bislang wenig bzw. kein Bewusstsein für Ungleichheitsmechanismen und -strukturen und die eigene Verstrickung darin entwickelt haben, eignen sich Sensibilisierungsübungen, die verdeutlichen, dass Erwartungen an eine Person über das Geschlecht sozial konstruiert werden und dass jede*r auf die eigene Weise an diesem Prozess mitwirkt. Bei der Übung „Typisch…“ wird die Gruppe in Kleingruppe mit je 3-4 Personen geteilt. Jede Kleingruppe bearbeitet folgenden Arbeitsauftrag: „Erstellen Sie ein Plakat, auf dem Sie typische Eigenschaften der Geschlechter aufführen!“ Als Material erhalten die Teilnehmer*innen Flipchart-Papier und Stifte in verschiedenen Farben, für die Bearbeitung sind 20 – 30 Minuten einzuplanen. Weitere Erläuterungen zum Arbeitsauftrag werden nicht gegeben. Die Teilnehmer*innen können also Bilder verwenden (beliebt sind Venusspiegel und Marssymbol), aber auch mit Tabellen o. Ä. arbeiten. Anschließend werden die Ergebnisse in der Gesamtgruppe vorgestellt. Das Auswertungsgespräch zu der Übung lässt sich über folgende Befunde der Plakate steuern und zielt darauf, eigene Stereotypisierungen zu erkennen:

1.

Der Großteil der Gruppen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Geschlechter „Mann“ und „Frau“ dargestellt haben, obwohl der Arbeitsauftrag diese Binarität nicht beinhaltet hat. Warum wird automatisch in diesen beiden Kategorien gedacht?

2.

Der Inhalt der Plakate wird sich trotz unterschiedlicher Darstellungsformen mit hoher Wahrscheinlichkeit in einzelnen Punkten sehr ähnlich sein. Woher sind die dargestellten Bilder, Rollen, Vorurteile, Stereotype bekannt? Wie werden sie verinnerlicht, wie gelernt? Inwiefern beeinflussen bestimmte Annahmen und Vorstellungen ggfs. die Arbeit der Teilnehmer*innen? Welche Konsequenzen kann das haben? Für die Vorstellung der Plakate und das Auswertungsgespräch sollten (bei einer Gruppengröße von insgesamt 12 – 16 Teilnehmer*innen) ca. 30 Minuten eingeplant werden. Die Übung kann ggf. um eine weitere Dimension ergänzt werden, indem die Teilnehmer*innen nach der Fertigstellung des Plakats gebeten werden, sich selbst mithilfe der dargestellten Eigenschaften zu beschreiben (und dies ggfs. zu visualisieren). Dabei werden häufig nicht nur die „männlich“ oder „weiblich“ zugewiesenen Eigenschaften verwendet. Dies kann ein Gespräch über die Beständigkeit von Stereotypen eröffnen und sie zugleich in Frage stellen.

„Geschlechtergerechte Sprache“

Bei der Sensibilisierungsübung „Geschlechtergerechte Sprache“ wird in zwei Schritten vorgegangen. Zunächst werden mittels Brainstorming Formen geschlechtergerechter Sprache (z. B. Doppelnennung, Schrägstrich, Gender Gap, BinnenI, Sternchen, geschlechtsneutrale Formen, etc.) in der Gesamtgruppe zusammengetragen. Dieser technische Zugang knüpft an das Alltagswissen der Teilnehmer*innen an und soll eine aktive Beteiligung ermöglichen. In einem zweiten Schritt werden in Kleingruppen verschiedene Texte gelesen mit dem Ziel Argumente für die Verwendung geschlechtergerechter Sprache herauszuarbeiten und diese anschließend den anderen Kleingruppen vorzustellen und sich darüber auszutauschen. Die Texte sollen unterschiedliche Zugänge zu geschlechtergerechter Sprache präsentieren, es eignen sich z. B. Texte aus den Sprachwissenschaften, geschlechterpolitischem Aktivismus, der Verwaltung, ggfs. der Organisationseinheit der Teilnehmer*innen, usw. Ziele der Übung sind die Sensibilisierung für geschlechtergerechte Sprache und die Reflexion der eigenen Sprachpraxis. Die Auswertung sollte dementsprechend offen gestaltet sein (dies kann anders sein, wenn eine bestimmte Form geschlechtergerechter Sprache in dem Organisationskontext der Gruppe vorgegeben ist). Die Übung lässt sich in zeitlicher Hinsicht erweitern, sofern weitere Treffen der Gruppe möglich sind, indem Beobachtungsaufträge vergeben werden (Wird in Ihrem Arbeitskontext geschlechtergerechte Sprache verwendet? Welche konkreten Situationen sind Ihnen positiv/negativ aufgefallen?), die in der Gruppe besprochen und ausgewertet werden.

„Privilegientest“

Der Privilegientest* in der hier vorgestellten Variante soll eine Reflexion eigener Privilegien auf Grundlage eines vorangegangenen Perspektivwechsels ermöglichen, der strukturelle Diskriminierungen anhand von gesellschaftlichen Barrieren und Exklusionen sichtbar machen soll. Eingeplant werden sollten 60-90 Minuten bei einer Gruppengröße von 12-16 Teilnehmer*innen. Jede*r Teilnehmer*in zieht zu Beginn der Übung verdeckt eine Rollenkarte. Die Teilnehmer*innen stellen sich anschließend in einer Reihe nebeneinander auf. Die Rollenkarten enthalten Beschreibungen einer Person, in die die Teilnehmer*innen sich hineinversetzen sollen. Rollenkarten können zum Beispiel folgende Informationen enthalten (die konkreten Rollenkarten können an die Gruppe und die konkreten Arbeitsziele angepasst werden):

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