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Gender Studies? In Ungarn nur ungern

Quelle: © S. Hofschlaeger / PIXELIO
Ungarns Regierung hat per Erlass die Gender Studies an ungarischen Universitäten verboten. Mit dem Bann möchte die rechts-nationale Regierung unter Viktor Orbán ein biologisch-deterministisches Denken über Geschlecht stärken.

In Zahlen gemessen scheint der Verlust der Gender Studies in Ungarn wenig erheblich: Gerade mal zwei Universitäten bieten Masterstudiengänge in Gender Studies an – die Eötvös-Loránd-Universität Budapest (ELTE) und die Central European University (CEU). Beide haben jeweils etwa 20 Teilnehmer*innen in ihren Masterkursen. Für die ungarische – und auch für die europäische – Wissenschaft jedoch stellt das Verbot der Gender Studies eine starke Zensur der wissenschaftlichen Freiheit dar. Die Gender Studies hinterfragen die tradierten Vorstellungen von Geschlecht und untersuchen dessen kultureller und politischer Genese. Kein Wunder, dass sie rechts-nationalen Regierungen ein Dorn im Auge sind: Die Kritik am biologischen Determinismus, der Menschen anhand ihrer verschiedenen Organe und Hormonspiegel unterschiedliche Geschlechter und damit z. B. typisch männliche oder weibliche Charaktermerkmale, Intelligenz oder Fähigkeiten zuschreibt, setzt sich den christlich-konservativen Vorstellungen der Rollenbilder von Mann und Frau entgegen. (Quellen: Tagesschau und Forschung und Lehre)

Geschlechterforschung – Wissenschaft oder Ideologie? Ein Streit um das Verständnis von Geschlecht

Die (vermeintlichen) Gründe für die Abschaffung der Gender Studies sind vielfältig: Die Absolvent*innen der Gender Studies hätten auf dem Arbeitsmarkt keine Perspektive, die Gender Studies würden staatliche Mittel zur Untergrabung des klassischen Familienbildes missbrauchen, die Geschlechterforschung sei eine reine Ideologie, die sich gegen christliche Werte richte. Diese Vorwürfe gegen die Gender Studies bilden nicht wirklich die Realität ab, sondern lediglich die Ängste einer konservativen, rechts-nationalen Regierung. Die Argumentation, dass die Gender Studies als Studiengang aufgrund mangelnder beruflicher Perspektiven seiner Absolvent*innen abgeschafft werden sollten, ist bodenlos: Die ELTE bietet erst seit 2017 den Masterstudiengang in Gender Studies an – repräsentative Zahlen über die Karrieren der Absolvent*innen kann es noch gar nicht geben. „Orbán will keine Berufstätigen, die über die Geschlechterungleichheit in diesem Land Bescheid wissen“, äußert sich eine Studentin der Gender Studies von der ELTE gegenüber Zeit Online. (Quellen: Zeit Online & Forschung und Lehre)

Tatsächlich geht es bei dem Verbot der Gender Studies in Ungarn allein um das umkämpfte Verständnis von Geschlecht: Die Regierung unter Orbán möchte ihr traditionelles christliches Familienbild von Mann, Frau und Kind (wobei der Mann tapfer das Geld verdient und die Frau sich aufopfernd um Familie und Haushalt kümmert) beibehalten. Die Gender Studies sind aus Sicht der rechtskonservativen Regierung einfach unbequem: Sie fordern Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen sowie Homo- und Transsexuellen und dekonstruieren die biologisch-determinierten Geschlechterrollen. (Quelle: Tagesschau)

Quellen und Hintergründe:





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