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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Frauen in den Bundesländern Deutschlands – Teil I

Am Jahresende 2016 lebten in Deutschland 82,5 Millionen Menschen, wovon 41,8 Millionen bzw. 50,7 Prozent Frauen waren.

Wie sieht deren regionale Verteilung aus; d. h. in welchen Bundesländern leben die meisten bzw. wenigsten, wo die jüngsten bzw. ältesten Frauen? Bestehen regionale Unterschiede in einigen ausgewählten demografischen und sozioökonomischen Merkmalen der Frauen in den einzelnen Bundesländern? Alle diese Fragen gilt es, im vorliegenden Teil des Beitrages (Teil I) und im darauffolgenden Teil zu beantworten.

Als Datenbasis für die gesamte Auswertung dienen, wenn nicht anders vermerkt, Materialien des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Landesämter.

Bevölkerungsstand

Tab. 1: Frauen in Deutschland und den Bundesländern, 2016 (Bestand, Anteil an Gesamtbevölkerung und Frauenanteil)

* Anteil an allen Frauen in Deutschland

** Frauenanteil

*** Bei dieser und allen folgenden Darstellungen ist zu beachten, dass Berlin den westdeutschen Bundesländern zugeordnet wird.

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Anhand Tabelle 1 kann man zum einen ersehen, dass in Nordrhein-Westfalen mit 21,8 Prozent anteilig die meisten Frauen leben, dem Bayern und Baden-Württemberg mit 15,6 und 13,2 Prozent folgen. Zum anderen kann man feststellen, dass in allen Bundesländern rund die Hälfte der Bevölkerung weiblich ist, wobei die regionalen Unterschiede nur geringfügig sind.

Knapp ein Viertel (21,6 Prozent) aller Frauen in Deutschland hatten im Jahr 2016 einen Migrationshintergrund. Dabei lassen sich insbesondere zwischen den west- und ostdeutschen Bundesländern große Unterschiede feststellen, wie Abbildung 1 zeigt.

Abb. 1 Anteil der Frauen mit Migrationshintergrund an allen Frauen in den Bundesländern, 2016 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Die Frauen im Land Hessen weisen mit 29,2 Prozent den höchsten Anteil an Migrantinnen auf, dicht gefolgt von den Frauen in Baden-Württemberg (28,8 Prozent) und denen in den beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg (28,7 und 28,4 Prozent). Demgegenüber macht dieser Anteil in allen ostdeutschen Ländern keine 10 Prozent aus (vgl. Abbildung 1).*

Interessant ist nunmehr zu wissen, wo die jüngsten und wo die ältesten Frauen leben. Als Messgröße wird hierfür das jeweilige Durchschnittsalter* der Frauen zugrunde gelegt.

In Deutschland waren 2016 die Frauen im Schnitt 45,1 Jahre alt. Doch zwischen den Bundesländern bestehen hierbei große Unterschiede. So lebten in Hamburg mit einem Durchschnittsalter von 42,8 Jahren die jüngsten, dagegen in Sachsen-Anhalt mit 48,9 Jahren die ältesten Frauen. Der Altersunterschied zwischen diesen beiden Ländern beträgt somit 6,1 Jahre. Es lässt sich zudem feststellen, dass, neben dem Saarland, alle ostdeutschen Länder das vergleichsweise höchste Durchschnittsalter ihrer Frauen aufweisen (Abb. 2).

Abb. 2: Durchschnittsalter der Frauen in den Bundesländern, 2016

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Die zwischen den Bundesländern differierenden Durchschnittsalter der Frauen deuten auf regional unterschiedliche Strukturanteile ihrer Hauptaltersgruppen und somit auch auf einen unterschiedlichen Verlauf der demografischen Alterung* hin.

Im Jahr 2016 befanden sich von 100 aller Frauen in Deutschland 19 im Alter von unter 20 Jahren, 58 im Alter zwischen 20 und 64 Jahren und 24 im Alter von 65 und mehr Jahren. Anhand Tabelle 2 werden auch hier die regionalen Unterschiede sehr deutlich.

Tab. 2: Frauen nach den Hauptaltersgruppen, 2016 (in 1.000 Personen und Strukturanteile)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Die Frauen in Baden-Württemberg weisen mit 19,6 Prozent den im Ländervergleich höchsten Anteil an Kinder/Jugendlichen auf, dicht gefolgt von denen in Niedersachsen (19,3 Prozent) und Hessen und Nordrhein-Westfalen (jeweils 19 Prozent). Demgegenüber liegen (mit Ausnahme des Saarlandes) in allen ostdeutschen Ländern die Anteile der unter 20-jährigen Frauen am weitesten unter dem Bundesdurchschnitt – in Sachsen-Anhalt beispielsweise um 2,9 Prozentpunkte (vgl. Tabelle 2). Betrachtet man den Altenanteil, d. h. den Anteil der Frauen im Alter von 65 und mehr Jahren, so lässt sich hier bei den Frauen im Stadtstaat Hamburg mit 20,7 Prozent der niedrigste, dahingegen bei den Frauen in Sachsen-Anhalt und Sachsen mit 29,2 bzw. 20 Prozent der höchste Wert feststellen.

Im Kontext mit dem Altenanteil steht der Altenquotient,* ein wichtiger Indikator für die demografische Alterung (hier der Frauen). 2016 lag dieser im Schnitt aller Frauen bei 41. Am weitesten entfernt von diesem Bundesdurchschnitt liegt der Altenquotient bei den Frauen in Sachsen (54), Sachsen-Anhalt (53) und Thüringen (51). Demgegenüber weist er bei den Frauen in Hamburg mit 34 den niedrigsten Wert auf (vgl. Abbildung 3).

Abb. 3: Der Altenquotient der Frauen in den Bundesländern, 2016

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Anhand dieser Daten wird bereits hier deutlich, dass die Frauen in den ostdeutschen gegenüber den westdeutschen Ländern ein ungünstigeres Bild hinsichtlich ihrer demografischen Situation aufzeigen.

Geburtenniveau

Ein Indikator für die Darstellung des Geburtenniveaus ist die Geburtenrate. „Dabei handelt es sich um die so genannte zusammengefasste Geburtenziffer eines Kalenderjahres. Sie ist eine aktuell verfügbare Kennzahl, die das Geburtenverhalten der Frauen im jeweiligen Kalenderjahr charakterisiert“ (Statistisches Bundesamt, Glossar).

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland je 1.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren im Schnitt 1.588 Kinder geboren. Anhand Abbildung 4 ist zu sehen, dass die regionalen Unterschiede im Geburtenniveau zwischen den Bundesländern relativ gering sind. Die Spanne zwischen dem Land mit der höchsten Geburtenziffer (Brandenburg mit 1.685) und dem Land mit dem aktuell niedrigsten Geburtenniveau (Saarland mit 1.486) macht nur 199 Geburten je Tausend Frauen aus.

Die in Abbildung 4 für das Jahr 2016 dargestellte Länderhierarchie ergibt ein völlig anderes Bild, geht man in das Jahr 1996 zurück.

Innerhalb der letzten 20 Jahre ist das Geburtenniveau in allen Bundesländern gestiegen und das insbesondere in den ostdeutschen Ländern. Diese nahmen damals, im Gegensatz zu heute, in der Länderrangfolge ausschließlich die letzten Plätze ein. Auf Tausend Frauen kamen dort im Schnitt nur 960 Geburten. Im Vergleich zu Niedersachsen, das mit einer zusammengefassten Geburtenziffer von 1.433 der „Spitzenreiter“ war, wurden im damaligen „Schlusslicht“ Sachsen-Anhalt 498 weniger Kinder je 1.000 Frauen geboren.

Unterhalb des Bundesdurchschnitts von 1.315 lagen 1996 neben den ostdeutschen Ländern zudem die beiden Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie Deutschlands kleinster Flächenstaat, das Saarland (vgl. Abbildung 4).

Abb. 4: Zusammengefasste Geburtenziffern in den Bundesländern 1996 und 2016 (Geburten je 1.000 Frauen)

Legende: BW = Baden-Württemberg; BY = Bayern; BE = Berlin; BB = Brandenburg; HB = Bremen; HH = Hamburg; HE = Hessen; MV = Mecklenburg-Vorpommern; NI = Niedersachsen; NW = Nordrhein-Westfalen; RP = Rheinland-Pfalz; SL = Saarland; SN = Sachsen; ST = Sachsen-Anhalt; SH = Schleswig-Holstein; TH = Thüringen

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Das damals sehr niedrige Geburtenniveau der ostdeutschen Länder ist Ausdruck eines drastischen Einbruchs ihrer Geburtenzahlen in den Jahren nach dem Mauerfall. Die absolute Zahl der Lebendgeborenen sank innerhalb der Jahre 1990 bis 1996 um 48,1 Prozent. Dies war ein in Deutschland bisher nicht da gewesener Tiefststand. Diese Situation wird von den Bevölkerungswissenschaftlern als „Demographic Shock“ bezeichnet. Bis 2016 stiegen die Geburtenzahlen in Ostdeutschland wieder um 28,6 Prozent; im Vergleich dazu sanken sie in den westdeutschen Ländern um 6,3 Prozent.*

Sterblichkeit

Für die Entwicklung der Sterblichkeit (hier der Frauen) ist die durchschnittliche Lebenserwartung der am häufigsten angewandte Indikator. Sie ist definiert als die Zahl an Lebensjahren, welche Neugeborene unter den jeweils gegebenen Sterblichkeitsverhältnissen der Sterbetafel* im Schnitt erwarten können.

Betrachtet man als erstes die Lebenserwartung neugeborener Mädchen kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, d. h. in den Jahren 1993/1995,* in den einzelnen Bundesländern, ergibt sich Folgendes:

In o.a. Jahren hatten die in Deutschland neugeborenen Mädchen die Chance, im Schnitt 79,49 Jahre alt zu werden. Mit 1,19 Jahren über diesem gesamtdeutschen Durchschnitt lag Baden-Württemberg an der Spitze der Länderhierarchie, gefolgt von Bayern (+0,51 Jahre) und Hessen (+0,41 Jahre). Demgegenüber bildete Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht: Hier hatten die neugeborenen Mädchen gegenüber dem Bundesdurchschnitt eine um 1,91 Jahre geringere Lebenserwartung, und der Abstand zum Bundesland mit der höchsten Lebenserwartung (Baden-Württemberg) betrug allein -3,10 Jahre. Aber auch alle übrigen ostdeutschen Länder nahmen die letzten Plätze ein, wie Abbildung 5 zeigt.

Über zwanzig Jahre später ergibt sich ein ganz anderes Bild. Insgesamt beträgt jetzt, d. h. in den Jahren 2014/2016 die Lebenserwartung der neugeborenen Mädchen 83,16 Jahre. Dabei nimmt auch hier das Land Baden-Württemberg mit 83,93 Jahren den ersten Platz ein. Dem folgt Sachsen, das damals einen der unteren Plätze einnahm, mit 83,79 Jahren. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber 1993/1995 um 5,14 Jahre. Das damalige Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern hat im Vergleich zu allen anderen Bundesländern den höchsten Zugewinn der Lebenserwartung seiner neugeborenen Mädchen mit +5,53 Jahren zu verzeichnen. Die niedrigste Lebenserwartung bei der Geburt weisen die Mädchen mit 82,23 Jahren im Saarland auf. Abbildung 5 macht zudem deutlich, dass in allen Ländern die Lebenserwartung der Mädchen seit 1993/1995 gestiegen ist, und sie nicht mehr so stark differiert wie Jahre zuvor. So beträgt der Abstand zwischen dem Spitzenreiter Baden-Württemberg und dem Schlusslicht Saarland relativ wenige 1,75 Jahre (vgl. Abbildung 5).

Abb. 5: Lebenserwartung neugeborener Mädchen in den Bundesländern, Sterbetafeln 1993/95 und 2014/16 (in Jahren)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Dies gilt auch, betrachtet man noch beispielsweise die durchschnittliche Lebenserwartung der 60 Jahre alten Frauen. In Deutschland insgesamt hatten diese in den Jahren 2014/2016 die Chance, im Schnitt noch weitere 25,32 Jahre zu leben. Im Vergleich zu den in den Jahren 1993/1995 lebenden 60-jährigen Frauen sind dies jetzt um 2,83 Jahre mehr. Innerhalb der Bundesländer haben (mit Ausnahme von Hessen)* alle ostdeutschen Länder die stärksten Zuwächse der Lebenserwartung ihrer Frauen erfahren. Beispielsweise betrug dieser in Mecklenburg-Vorpommern 4,17 Jahre (siehe weiter Tabelle 4). Anhand Tabelle 4 lassen sich zudem keine gravierenden Unterschiede in der Lebenserwartung der Frauen im vollendeten Alter von 60 Jahren feststellen. Dazu heißt es: „Bei den Frauen ist seit der Sterbetafel 2012/2014 praktisch keine Differenz mehr feststellbar. Es wird angenommen, dass Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen in den neuen Ländern zu der raschen Anpassung in der Lebenserwartung in der Zeit nach der deutschen Vereinigung beigetragen haben“ (Statistisches Bundesamt 2018, S. 21).

Tab. 4: Durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen im vollendeten Alter 60 in den Bundesländern, 2014/2016

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Familienstand und Lebensformen

Im Jahr 2016 waren von 100 der in Deutschland lebenden ab 18-jährigen Frauen ledig, 51, verheiratet, 13 verwitwet und 10 geschieden. Betrachtet man die Bundesländer im Einzelnen, so lassen sich hier nur bei den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen stärkere Unterschiede in den Familienständen ihrer Frauen feststellen. So liegen die Ledigenanteile dort über 30 Prozent, somit die Anteile an verheirateten Frauen unter 50 Prozent. Ins Auge fällt zudem der vergleichsweise hohe Prozentwert bei den Witwen in Sachsen-Anhalt mit 16,6 Prozent. Dem folgen Sachsen, das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, deren Anteile alle über 15 Prozent liegen (vgl. Abbildung 6).

Abb. 6: Familienstände der Frauen in den Bundesländern, 2016 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Von 100 aller in einer Paargemeinschaft lebenden Frauen führten mit ihrem Partner 15 eine Ehe ohne Trauschein. Dieser Anteil an solchen nichtehelichen Lebensgemeinschaften stellt sich in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich dar. So weist Brandenburg mit 24,3 Prozent den vergleichsweise höchsten Wert auf, wohingegen Rheinland-Pfalz mit 11,1 Prozent das Schlusslicht bildet; seine Differenz zum Spitzenreiter macht allein 13,2 Prozentpunkte aus. Anhand Abbildung 7 wird zudem deutlich, dass neben den drei Stadtstaaten alle ostdeutschen Länder, beispielsweise Sachsen mit 5,5 Prozentpunkten, relativ weit über dem o.a. Bundesdurchschnitt liegen. An dieser Stelle sei zu vermerken, dass bereits zu DDR-Zeiten nichteheliche Lebensgemeinschaften (mit Kindern, wie später noch zu sehen sein wird) im Vergleich zum Früheren Bundesgebiet als alternative Lebensform zur konventionellen Ehe einen hohen Stellenwert hatten.

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