Werden Sie Premium-Mitglied!
Als Premium-Mitglied profitieren Sie uneingeschränkt von allen Inhalten.
Jetzt gratis Newsletter abonnieren!
Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Beiträge lesen >>
 
Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.

Frauen, die Geschichte machen: Hedwig Dohm

Ein geflügelter Ausspruch besagt: „Männer machen Geschichte“. Dass das zu kurz gegriffen ist, zeigt unsere Reihe „Frauen, die Geschichte machen“. Erleben Sie Frauen, die den Mut hatten, für ihre Überzeugungen einzutreten – und so die Welt veränderten. Heute: Hedwig Dohm (1831-1919).

Sie wollte viel …

Hedwig Dohm war eine moderne Denkerin, welche den sogenannten weiblichen Sozialcharakter auf erziehungsbedingte Einflüsse zurückführte. Sie forderte viel für die Frauenemanzipation und zum Teil sind ihre Forderungen bis heute nicht erfüllt. Dohm wollte die gleiche Bildung und Ausbildung für beide Geschlechter, ein Recht auf ein Studium für Frauen und das Frauenstimmrecht. Außerdem schlug sie vor, dass Hausarbeit und Kindererziehung von Institutionen übernommen werden sollten, damit auch die Frau die Möglichkeit hat, ihrem Beruf uneingeschränkt nachzugehen. Sie wollte nicht, dass Frauen aus Versorgungsgründen zur Heirat gezwungen werden. Auch sprach sie sich dagegen aus, dass Mutterliebe ein Naturtrieb sei: „Der Mütterlichkeit muss die Speckschicht der Idealität, die man ihr angeredet hat, genommen werden."

… und sie wollte lernen

Hedwig Dohm stammte aus einer armen jüdischen Familie. Sie war das vierte von insgesamt achtzehn Kindern und sie beschrieb ihre Kindheit und Jugend als nicht leicht. Sie war ständig gequält von einem Wissensdurst, den sie nicht erfüllen durfte. Prügel gehörten damals noch zu einer guten Erziehung dazu und es war ihr verboten, in ihrer Freizeit zu lernen oder zu lesen, während ihre Brüder dazu genötigt wurden.

Bereits mit fünfzehn Jahren musste sie die Schule verlassen, um im Haushalt zu helfen und bei sinnlosen Handarbeiten auf einen Ehemann zu warten. Doch sie schaffte es zumindest, sich einen Besuch eines Lehrerinnenseminar zu erkämpfen, über welches sie viele Jahre später schrieb, dass auf ihrem Zeugnis zumindest stand, dass sie zum Unterricht wohl befähigt sei.

Sie erzog ihre Kinder selbstbestimmt

Hedwig heiratete 1853 Ernst Dohm, den Chefredakteur des satirischen Wochenblattes Kladderadatsch. Gemeinsam hatten sie fünf Kinder. Einen Jungen, der bereits mit elf Jahren starb, und vier Mädchen. Sie sorgte dafür, dass ihre vier Töchter eine Berufsausbildung erhielten, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen konnten. Ihre Tochter Hedwig sollte später die Mutter von Katia Mann und damit Schwiegermutter von Thomas Mann werden.

Ihrer Zeit voraus

Hedwig Dohms erste Publikation war eine wissenschaftliche Arbeit von 600 Seiten. Sie schrieb über die spanische Nationalliteratur. Danach veröffentlichte sie ab 1872 humoristische feministische Streitschriften . Die erwünschte Resonanz blieb jedoch aus. Mit ihren Forderungen nach gleichen Rechten für Frauen und Männer war sie ihrer Zeit einfach zu weit voraus. Sie versuchte sich daher als Lustspielautorin.

In den 1880er Jahren veröffentlichte sie keine weiteren Werke. Während diese Zeit verstarb ihr Mann. Erst zwischen 1890 und 1910 veröffentlichte die mittlerweile 60-jährige wieder und zwar einen stetigen Strom von Romanen und Erzählungen. Diese Werke wurden ebenso wie ihre Person sehr von Theodor Fontane geschätzt. Außerdem war die Welt endlich bereit für Hedwig Dohms Forderungen. Die neue Frauengeneration, die unter anderem aus Dohms Schriften gelernt hatte, war herangewachsen, und verlieh der Frauenbewegung neue Kraft. Ein besonders erfreuliches Ereignis, welches Hedwig Dohm noch miterleben durfte, war, dass 1918 die deutschen Frauen endlich das Wahlrecht bekamen.

Ihre letzten Tage

Hedwig Dohm verbrachte ihr Leben bis zum Ende schreibend, aber verzweifelt. Mit Entsetzen erlebte sie den Hurrapatriotismus während des ersten Weltkriegs. In ihren letzten Schriften, die sie zumeist in explizit pazifistischen Medien wie Franz Pfemferts Die Aktion veröffentlichte, gab sie sich als kompromisslose Pazifistin zu erkennen.





Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.