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Familie aus Lidl-Werbung verlässt das Land

Bild: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de
Sie drehten nur einen Werbespot für die Supermarktkette Lidl. Wenige Wochen später mussten sie die Flucht ergreifen. Die irische Familie Ryan wurde nach der Ausstrahlung des Werbespots massiv rassistisch angefeindet.

Ein Tweet zerstört alles

Fiona Ryan ist Schauspielerin, ihr Verlobter Jonathan, geboren in Brasilien und aufgewachsen in Großbritannien, Fitnesstrainer. Sie leben zusammen und haben einen einjährigen Sohn, der absolut nicht kamerascheu ist. Als sie ein Angebot erhalten, einen Werbeclip zu drehen, denkt sich die Familie aus der irischen Grafschaft County Meath nicht viel dabei.

Kurz darauf sind sie in einem Werbespot und einige Werbepostern in ganz Irland zu sehen. Doch kurz nach der Veröffentlichung legt sich ein Schatten auf diese spontane Entscheidung. Rassistische Kommentare, die sich zu einem regelrechten Hass aufbauschen, erreichen die Familie auf verschiedenen Social-Media-Plattformen. Grund für die Anfeindung ist nicht etwa das zu bewerbende Produkt, sondern die multikulturelle Familiendarstellung.

Auslöser der Hetze ist ein Tweet der früheren irischen Journalistin Gemma O’Doherty. Sie schreibt, dass Lidl das irische Volk mit einer multikulturellen Version der Familie vergiften würde. Bereits in der Vergangenheit war O’Doherty durch rassistische Kommentare aufgefallen. Youtube sperrte bereits im Juli 2019 ihr Profil wegen Hassreden. Auch der Tweet wurde mittlerweile dank der schnellen Reaktion von Lidl von Twitter entfernt.

Lidl versuchte zwar, Familie Ryan auch darüber hinaus zu unterstützen und die extremen Beschimpfungen durch eine Stellungsnahme einzudämmen. Doch aus Beschimpfungen wurden Drohungen und die Ryans sahen sich genötigt, die irische Nationalpolizei einzuschalten. Jedoch ohne Erfolg.

Als dann Morddrohungen gegenüber ihrem Sohn geäußert wurden, sahen Fiona und Jonathan nur eine Lösung: sie verließen Irland. Heute wohnen die Ryans in England. Per Online-Petition rufen sie zu schärferen Gesetzen gegen Hassreden im Internet auf.

Nicht nur Irland ist betroffen

Es ist nicht das erste Mal, dass Lidl-Werbung mit rassistischen Kommentaren zu kämpfen hat. 2017 zeigte Lidl in Tschechien in einem Lidl-Prospekt ein schwarzes Model, welches Kleidungsstücke präsentierte.

Auf der Facebookseite des Unternehmens löste die harmlose Werbeanzeige einen rassistischen Shitstorm aus. So schrieb eine Kundin: „Übertreiben Sie es nicht etwas? Auf Werbeflyern in Tschechien erwarte ich typisch tschechische Models“ und ein anderer Kunde: „Ich bin angewidert. Multikulti führt zur Auslöschung der weißen Rasse.“

Die tschechische Lidl-Führung reagierte auf die rassistischen Ausfälle unbeeindruckt: "Wir leben im 21. Jahrhundert, wo verschiedene Rassen zusammen existieren. Wir sehen da keine Unterschiede. Je mehr Sie von der Welt kennen, desto größere Toleranz entwickeln Sie. Deshalb beschäftigen wir Models aus allen Teilen der Welt."

Was tun gegen Hassrede im Netz?

Werbung polarisiert immer wieder. Oft bekommen wir nur mit, wenn sich Kunden gegen sexistische oder rassistische Werbung zur Wehr setzen. Die beiden Lidl-Beispiele zeigen jedoch, dass es auch umgekehrt sein kann: Werbung kann vollkommen harmlos sein und die Kommentare bis hin zur Hassrede sind das Problem.

Hass ist im Internet allgegenwärtig. Toxische Kommentare schüren Vorurteile und ebnen den Weg zur realen Gewalt. Die Ryans sahen sich aufgrund der Drohungen im Internet genötigt, ihre Heimat zu verlassen. Etwas, was niemals hätte passieren dürfen.

Doch was tun gegen Hasskommentare? Immer wieder werden Filter diskutiert, die entsprechende Kommentare automatisch löschen. Bis es hier aber zu einer Lösung kommt, die den Balanceakt zwischen User-Schutz und Redefreiheit bewältigt, ist die sicherste Kontrollinstanz eine aufmerksame Netzgemeinde, die aktiv daran arbeitet, Hass einzudämmen und den Täter*innen Grenzen zu setzen. Direkte Aggressionen gegen Personen oder Gruppen können meist beim Plattformbetreiber oder beim Seitenadmin gemeldet werden. Dem Aggressor klare Grenzen aufzuzeigen, ist wichtig, auch um zu verhindern, dass das Gesagte zum Normalfall wird. Sind in Kommentaren sogar Aufforderungen zu Straftaten enthalten, können Sie diese übrigens an die Internetbeschwerdestelle schicken. Dort schätzen Jurist*innen den Inhalt ein und geben ihn gegebenenfalls an Behörden weiter und erstatten Anzeige.

Quellen und Hintergründe:





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