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Einmal Softeis mit Streusels bitte

Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Martina Morf-Koller teilt in ihrer Kolumne Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung. In diesem Artikel wirft die Autorin einen Blick auf die Geschichte des Speiseeises.

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Sommer hat Eis aufs neue Hauptsaison — und das schon seit Jahrtausenden. Denn die Urform unseres Speiseeises lässt sich bis 3000 vor Christus zurückverfolgen. Die damaligen Varianten hatten allerdings nicht viel gemein mit dem, was heutzutage in der Waffel steckt. Unberührtes Natureis oder Gipfelschnee aus den Bergen wurde in China zur Kühlung von Getränken genutzt. Allerdings war es über Jahrhunderte nur Herrschern und Adligen vergönnt. Die ließen sich das gefrorene Wasser auch gern mal über weite Strecken heranschaffen. Bereits in antiken Zeiten wurden zerdrückte Früchte oder Saft (meist Zitronen oder Orangen) mit Zimt, Honig, Ingwer oder Rosenwasser unter das Eis gemixt. Ähnlich einem Sorbet musste die Köstlichkeit dann allerdings hurtig verzehrt werden, bevor sie zu schmelzen begann. Gerne wurden Sorbets auch mit Wein oder Champagner hergestellt. Im Gegensatz zu anderem Eis enthalten Sorbets weder Milch und Sahne noch Ei.

Ich will hier nicht die ganze Geschichte des Speiseeises aufrollen, deshalb machen wir einen großen Sprung in das 16. Jahrhundert. Es wird gesagt, dass ein Zuckerbäcker aus Catania um 1530 herum die kühlende Wirkung von Salpetersalz entdeckte. Der hat dann ordentlich herumprobiert und schließlich Phiolen mit Flüssigkeiten oder Milch-Frucht-Mischungen in einen Metallbottich mit salpetersalzhaltigem Wasser und ggf. etwas Natureis gestellt. Es bildeten sich gefrorene Kristalle in den Phiolen. Damit das Ergebnis nicht als Kompaktblock daherkam, hat er wohl während des Vorgangs gerührt und so entstand ein cremiges Eis. Da Marco Polo die Eisrezepte aus China mitbrachte und sich die Herstellung derselben dann von Venetien aus überall im Land verbreitete, drängt sich einem natürlich der Eindruck auf, die Italiener hätten das Speiseeis erfunden.

Und doch waren es schließlich die Amerikaner, welche aber historisch gesehen eigentlich aus europäischen Einwanderern hervorgingen (also vielleicht sogar Italiener…), die in Baltimore anno 1851 die erste Speiseeisfabrik eröffneten. Das Eis am Stil verdanken wir Gerüchten zufolge ebenfalls einem Amerikaner. Frank Epperson, welcher ein Limonadenhersteller war, ließ eines Tages sein Getränk mit einem Löffel im Glas über Nacht draußen stehen. Da es in dieser Nacht Frost gab, entstand ein Wassereis mit eingeschlossenem Löffel. Frank war ein kluger Geschäftsmann und ließ sein Wassereis, welches er “Eppsicle Ice pop“ nannte, 1923 patentieren. Zur gleichen Zeit etwa erblickte das erste Vanilleeis mit Schokoüberzug das Licht des amerikanischen Kontinents. Aber selbstverständlich gäbe es das Eis, wie wir es heute kennen, nicht ohne die Europäer. Dem in Oberfranken geborenen Carl Paul Gottfried Linde nämlich verdanken wir den Urvater aller Kühlschränke.

Während mein Mann den Lockungen des gekugelten Eises unterlag, favorisierte mein Sohn das Softeis. Softeis mit „Streusels“ musste es sein, dabei war ihm die Art der Streusel ziemlich schnuppe, Hauptsache das Eis wurde nach seiner Geburt aus der Softeismaschine in irgendetwas gewälzt. Angeblich entsprang auch das Softeis einem kuriosen Zufall. Es wird berichtet, dass 1940 ein mit Speiseeis beladener kleiner Laster eine Panne hatte (natürlich in den USA). Offensichtlich ließ sich die Panne nicht so schnell beheben. Als das Eis langsam vor sich hin zu schmelzen begann, war der Besitzer des Lasters findig genug, die schmelzende Ladung in kleinen Portionen zu verkaufen und sie fand wohl viele Fans. Noch immer sind die Amerikaner große Anhänger von Softeis.

Softeis wird auch heute noch „frisch“ vor Ort hergestellt, überwiegend in mobilen Ständen auf Jahrmärkten, Festen, Großveranstaltungen oder im klassischen Eiswagen. Die Eisdielen und Cafés verkaufen ihr Speiseeis zumeist in Kugeln. In den 1970er und 80er Jahren boomte das softige Eis auch hierzulande. Es wird hergestellt, indem man frische Milch und Sahne (gesamt 75 %) mit weiteren Zutaten (restliche 25 %) in einem Gefrierzylinder rotierend auf -6° C herunterkühlt. Die sich bildenden Kristalle werden dabei mit den noch flüssigen Bestandteilen vermischt und anschließend über Luftdruck aufschäumt. Durch Zierdüsen wird das Eis in Waffel oder Becher gedrückt.

Der Vorteil sind die nicht so ganz eisigen Temperaturen des Endproduktes, welche unserer Zunge mehr Zugang zu den Aromen ermöglichen. Schon im Mund erreichen wir Plusgrade und im Magen liegen wir dann bei etwa 20° C. Gleichzeitig ist dies aber auch das größte Problem von Softeis, zumindest in den früheren Jahren war es eines. In dem teilweise pürierten Eis fühlen sich Bakterien ungemein wohl, deren Vermehrung durch die kurzfristig tieferen Temperaturen nicht lange gestoppt wird. Damals fanden zumeist auch noch Eier ihren Weg in die Rezepte und so kam der eine oder andere in den zusätzlichen Genuss einer Magen-Darminfektion. Heute unterliegen die Geräte strengen Hygienevorschriften. Viele sind in der Lage, die Zutaten während des Herstellungsvorganges zu pasteurisieren und auf Eier wird vollständig verzichtet.

„Servierfertiges Eis hat alles, was Kinder brauchen. Proteine, Kalzium, Eisen und Kalium“, war immer das Credo meiner Schwiegermutter mit ihrem gut gefüllten Tiefkühlschrank. Richtig, und jede Menge Zucker. Aber von außen sieht man die vielen fiesen kleinen Kalorien in jeder Kugel- oder Softeiskreation ja zum Glück nicht.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Sommer (mit ganz viel Streusels).

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema "gesunde Ernährung" humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



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