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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Eine Zitatsammlung zur Gleichstellungsarbeit und Karriere in der Wissenschaft an Hochschulen – Karrierehemmende Faktoren in der Wissenschaft

Zitate aus Interviews mit Hochschulgleichstellungsbeauftragten und Expertinnen

Wissenschaftskultur und Karrierebedingungen

„Ich habe vorher studiert in … Das war eine Riesenfakultät. Diese Fakultät bestand aus 100 Professoren. Und man musste sich bei denen, wenn man das wollte, eben habilitieren. Da war die gläserne Decke gar keine gläserne, sondern eine Betondecke. Da hatten Sie quasi null Chancen, sich in dieser Männergesellschaft in irgendeiner Form durchzusetzen. Da ist überhaupt keine Frau vorgekommen.“*

„Die Frauen, die Erfolg haben, sind die, die in das männliche Raster passen.*

„Die sehen die Frau zunächst nicht als Wissenschaftlerin sondern als Frau. Und beim Mann, da sehen sie sofort, der Mann, der kann das machen.“*

„Es ist eine Struktur, eine Arbeitswelt, die für Männer vor 200 Jahren gemacht wurde, die nichts anderes zu tun hatten. Ob die immer effektiv arbeiten, sei dahin gestellt. […] Und vielleicht ist es auch, das würde uns wahrscheinlich auch so gehen, sie neigen eher dem zu, oder der Mensch neigt eher dem zu, was er kennt. […] Dadurch kommt die sog. geschlechtshomogene Rekrutierung.“*

„Dann verlängern sie einen nach dem anderen. Es gibt Leute, die hier bis 69 oder 70 sitzen. Erstens weil sie glauben, sie sind unentbehrlich, was ja gar nicht stimmt, und, gut, weil sie sich einen solchen Sockel sozusagen aufgebaut haben, dass sie durch die Vernetzung, die sie haben, mächtig sind.“*

„Und das ist auch das große Manko der meisten Wissenschaftlerinnen, dass sie immer glauben, [das ist so], was ihnen innerhalb der Universität passiert. Sie blicken nicht nach draußen und fragen, Mensch, wieso ist es denn in Frankreich anders und warum müssen wir uns immer mit dem bequemen, was wir hier haben. Aber das ist, glaube ich, die deutsche Mentalität, immer nur auf das zu gucken, was man so vor der Nase hat. Und erst die jüngeren, die ja etwas mobiler geworden sind, die auch im Ausland waren und wieder zurückkommen, […] verzweifeln an diesem deutschen System. Formalismen der Nicht-Kommunikation, das ist eine große Beobachtung, die ich gemacht habe. Gerade bei Jüngeren, bei Männern und auch Frauen das gleiche Empfinden, dass wir hier zu fest betoniert sind. Auch in diesem Beamtentum der Professoren.“*

„Ich hab immer gesehen, wie prekär das alles ist, so dass ich eigentlich immer dachte, das ist kein Berufsweg, den man, wenn man einigermaßen bei Verstand ist, wählen sollte. Weil es irgendwie aussichtslos ist. Man ist da in diesen Abhängigkeiten, ganz lange, und dann ist man irgendwann arbeitslos und kriegt nichts mehr.“*

„So als Einzelkämpferin die nächsten 8 Jahre an der Habilitation zu arbeiten, könnte ich mir jetzt ehrlich gesagt nicht vorstellen. […] Man hat hier, also gefühlt, was ich so mitkriege, wenig Austausch mit Gleichgesinnten. Weil es gibt nur so wenige, die sich habilitieren, und da macht dann jeder sein Spezialgebiet. … Da muss man gern die ganze Zeit allein arbeiten wollen.“*

Wissenschaftskultur und Karrierebedingungen in der Rechtswissenschaft

„Die Juristen sind, jetzt unter uns, ein Völkchen für sich. Das weiß auch irgendwie jeder. Sie beteiligen sich, wenn es irgendwie nötig ist und gesagt wird, du musst da einen hinschicken. Ansonsten sind sie so auf freiwilliger Basis zum Beispiel an den hochschulinternen Selbstverwaltungsgremien nicht beteiligt.“*

„Bei Juristen ist das aus meiner Sicht so, dass sie genau wissen, was sie formal dürfen, und das stimmt nicht immer mit dem überein, was sie wollen. Und dementsprechend umgehen sie die Strukturen und zwar ganz knallhart. Das heißt, was an informellen Gesprächsebenen auch in allen anderen Fakultäten und überall, also in allen gruppendynamischen Prozessen, zu finden ist, das finde ich bei Juristen sehr ausgeprägt. Und da sind Frauen meistens ausgeschlossen. Das ist noch so ein Männernetworking.“*

„Die haben das Recht gepachtet in der juristischen Fakultät, und sie fühlen sich deswegen irgendwie nicht an Leitfäden, Richtlinien, Handreichungen oder Sonstiges gebunden, weil sie die Auslegungsmacht [für sich beanspruchen], egal was unsere Richtlinien sagen. Und dann wird hin- und her argumentiert.“*

„In der Rechtswissenschaft gibt es wirklich, so mein Eindruck, eine sehr konservative Grundhaltung – und dann auch die schwungvolle Bereitschaft, alles Mögliche für rechtlich zweifelhaft zu erklären, was natürlich hier unmittelbar mit der Ausbildung zu tun hat, aber auch Blüten treibt. Also eine Anekdote aus einem Berufungsverfahren: Ich finde es wunderbar, wenn die Juristen darüber abstimmen, ob sie das LGG berücksichtigen wollen oder nicht.“*

„Also da sitzt man, sagt, ja, Sie haben ja jetzt hier keine Frauen in der Kommission, sie sollten noch eine Frau dazu nehmen. Wo steht das? In der Ordnung. Wo steht das, zeigen Sie mir das? Und dann immer so. Jungs, ihr seid doch Juristen.“*

„Das heißt, dass es zumindest in der juristischen Fakultät, glaube ich, eher mit einem Malus verbunden wird, wenn man den Eindruck erweckt, dass man nur auf Frauennetzwerke setzt. Das mag mit dieser konservativen Grundeinstellung zusammen hängen. Diejenigen, die ich kenne, die das versucht haben, sind alle keine Professorinnen geworden.“*

„Und ja, es ist so ein Gutsherrenstil, der Gutsherr muss einen mitziehen. Und was der dann erwartet, was man für ihn tut, das muss man machen. Und gerade bei den Juristen, ich hör das ja viel, dass die dann ganze Aufsätze schreiben für die Chefs und so. Und in der Fußnote wird dann dem Mitarbeiter gedankt. Das ist, glaube ich, schon sehr häufig.“*

„Dann hab ich mal von einem anderen Professor gehört, der gesagt hat, ja, Frauen können ja mit viel Fleiß VB* machen, aber dann wird’s auch schwierig nach oben.“*

Juniorprofessur

„Also im Endeffekt müssen die sich habilitieren, haben den doppelten Druck. Es hat sich nicht bewährt, das Modell Juniorprofessur. Ich würde Frauen nicht raten, es zu machen, ehrlich gesagt. Sie sind Mädchen für alles in so einer Fakultät, müssen prüfen ohne Ende, haben eine größere Lehrverpflichtung, verzetteln sich total, weil sie oberfleißig sind. Die machen dann die Tagungen, die machen die Zeitschriften, das ganze Zeug. Haben keine Ausstattung. Es ist ja auch nur eine W1-Stelle. Genau wie die männlichen Assistenten auch. Werden nicht gefördert oben drein. Also, ich würde es nicht raten. Und mittlerweile ist das Etikett auch nicht mehr brauchbar. Wenn man sich habilitiert hat an einem ordentlichen großen Lehrstuhl bei einem Professor, der anerkannt ist, hat man viel mehr davon, wird viel schneller berufen, als ein Juniorprofessor, der sich alleine durchwurschteln muss. Ich würde es den Frauen nicht raten, das zu machen. […] Sie haben zwar einen schönen Titel, einen Professorentitel schon mit Ende 20 oder so, aber ich würde es ihnen trotzdem nicht raten.“*

„Diese Juniorprofessur ist sicherlich eine tolle Möglichkeit für Leute, hier zu lehren und dort an die Fakultät zu kommen, aber die Arbeitsbelastung, die ist immens. Also das, was früher wissenschaftliche Assistenten gemacht haben, machen sie jetzt, plus noch ein Vielfaches an Lehre. Also ich, um ehrlich zu sein, weiß nicht, wie diese Frauen die Habilitation bewältigen wollen.“*

„Die Juniorprofessur ist für Juristen eine schwierige Struktur, weil bei uns nach wie vor die Habilitation erwartet wird. Also ein zweites Buch muss geschrieben werden. […] Anders ist man nicht berufungsfähig letztlich. Für Männer ist es möglicherweise eher ein hinnehmbarer Zustand, wenn eine Partnerin da ist, die beispielsweise bei Kindern vorrangig für die Kindererziehung zuständig ist. Die können sich dann verstärkt auf die Karriere konzentrieren. Im umgekehrten Beispiel, bei Frauen, die sich vielleicht ebenfalls eine Familie wünschen oder die überhaupt erst einmal eine Familie planen möchten, ist es schwierig. Wie will man das noch neben den Lehrverpflichtungen, neben dem Publikationsdruck, schaffen? […] Also, da ist wahnsinnig viel Arbeit dahinter. Und das kollidiert.“*

„Und das Problem bei den Juniorprofessoren: die haben ja keinen Mittelbau, die haben kein Sekretariat. Die haben eine studentische Hilfskraft.“*

„Subjektiv würde ich sagen, eine Juniorprofessorin wird hier belächelt. Ich glaube nicht, dass sie auf Augenhöhe von irgendjemandem ernst genommen wird. […] Also so, wie Mittelbau.“*

„Dann haben wir die W2-Professoren, also die jetzigen Nur-Professoren ohne Lehrstuhl und ohne Ausstattung, die haben wir als sogenannte Tenure Track Professuren seit 2007 umgestaltet. Das heißt, das ist eigentlich unser Nachwuchsförderinstrument. Nicht die Juniorprofessuren, die andere haben, weil die ja ins Nichts führen. Die bekommen eine enorme zeitliche Belastung aufgebürdet, mit vielen Anforderungen, wenig Gehalt, und am Ende steht Nichts. Sie münden im Nichts.“*

„Die Versuchung ist sehr groß, sich bei der Juniorprofessur zu verzetteln. Man hat dadurch, dass man in die Fakultätsverwaltung eingebaut ist und dass man auch prüfen muss, dass man einige Doktorandinnen und Doktoranden hat, [dadurch] hat man viel mehr zu tun, als ich das auf meiner Assistentenstelle hatte. […] Und sie haben auf der einen Seite niemanden, der sie [schützt], es kommt natürlich immer ganz darauf an, wie man persönlich miteinander kann, auf der anderen Seite sind sie im Grunde von der ganzen Fakultät abhängig, denn wenn dann jemand unbedingt ihr Habilverfahren torpedieren möchte, dann haben sie auch niemanden, der sich so für sie verantwortlich fühlt wie eben der Professor, bei dem man Assistent ist.“*

2.4 Berufungsverfahren

„[…]also das Berufungsverfahren ist im Prinzip der Knackpunkt.“*

„Ich kann mal eine, übrigens meine Lehrstuhlvorgängerin, […] zitieren, die eigentlich […] jetzt nicht unbedingt jemand ist, die immer die emanzipatorische Fahne vor sich her trägt, aber die hat auch gesagt – und mir ging es ganz genau so – sie sei in ihrem ganzen Leben nie diskriminiert worden: an der Schule nicht, im Studium nicht, als sie promoviert wurde, als sie sich habilitiert hat, nicht, aber in dem Moment, in dem sie vor Berufungskommissionen stand, da ist sie an die gläserne Decke gestoßen. […] Zu meiner Zeit war es so, dass in Berufungskommissionen noch überwiegend die Generation der jetzt 55 bis 60-jährigen das Sagen hatte. Und unter denen gibt es noch viele, die vielleicht nicht ausgesprochen, aber unausgesprochen immer noch so das Gefühl haben, ein Professor ist ein Mann. […] Und da hab ich dann selber einige Erfahrungen in die Richtung gemacht. […] Man wird eingeladen, man freut sich, man fährt dahin, womöglich noch auf eigene Kosten, weil die meisten Bundesländer das nicht erstatten, hält da mit Herzblut und Engagement einen Vortrag und hört nie wieder was. Und erfährt irgendwann Monate oder Jahre später, auf die Stelle hat man ja sowieso nicht gepasst. Also, zunächst mal, wenn man so was vier- oder fünfmal erlebt hat, dann denkt man natürlich, es liegt an einem selber. Das motiviert einen dann auch nicht so fürchterlich. Und, was ich für noch problematischer halte, es spricht sich rum. Ja? Also in wissenschaftlichen Kreisen kennt man sich. Und irgendwann ist man dann die, die ja immer eingeladen wird und nie auf die Liste kommt.“*

„Es gibt eine Berufungsbeauftragte bei uns, […] die manchmal in den Kommissionen dabei sitzt, so als Kontrollinstanz, und die auch gesagt hat, nirgendwo ist es so ruhig in den Kommissionen wie bei Jura. Also, sie meinte so zurückhaltend. […] Von vorne herein, lernt man, das glaube ich, sich zurückzuhalten, einen riesen Respekt zu haben vor den Professoren. […] Also nicht auf den Putz hauen und alles kritisieren. Es ist halt so, und das akzeptiert man. Das ist verstärkt bei den Juristen. In anderen Fächern, weiß ich, da laufen Berufungsverfahren ganz anders.“*

„Was geschlechtsspezifisch diskriminierend sein kann in Berufungsverfahren, ist beispielsweise, dass man relativ stark darauf achtet, […] wieviel publiziert wurde. Also diese Publikationslisten. Und gerade Frauen, die Kinder haben und einfach auch den Schwerpunkt Familie in ihrem Leben haben, publizieren naturgemäß weniger.“*

„In den einzelnen Berufungsverfahren erleben sie immer noch ganz klar Diskriminierungen. Deutungsmuster verschieben sich, Wertigkeiten verschieben sich. Wenn Frauen hohe Drittmittelakquise betrieben haben, sind Drittmittel nicht mehr so wichtig, wie wenn Männer das waren. […] Das, was ich glaube, was uns gelingt, ist, dass wir zunehmend nicht die einzigen sind, die diese Prozesse so sehen, dass es auch andere Korrekteure gibt, wenn man so will. Also dass Akteure in diesen Prozessen als Korrektiv mitwirken und nicht nur wir als die Frauenbeauftragten.“*

„Ich hab ja selber häufig den Eindruck, dass Frauen anders angeschaut werden als Männer und einfach nach anderen Kriterien beurteilt werden. Also mir hat mal ein ehrlicher Kollege gesagt, bei Frauen spielt immer irgendwie das Äußere eine Rolle und zwar stärker als bei Männern. Sowohl wenn sie besonders attraktiv sind natürlich und wenn sie besonders unattraktiv sind erst recht. Also es spielt immer irgendwie eine Rolle. Unterschwellig. Wird natürlich nicht thematisiert. Und dann habe ich auch ein bisschen die Erfahrung gemacht, dass auch das Auftreten von Frauen anders bewertet wird als das von Männern. Wenn man beispielsweise eher locker und flapsig auftritt, dann wird das bei Männern als souverän bewertet und bei Frauen als unwissenschaftlich. Und wenn man, sagen wir mal, eher, es ist ja mitunter auch einfach ‚ne Typfrage, eher zurückhaltend und kühl auftritt, dann gilt das bei Männern eben als wissenschaftlich streng, bei Frauen eher als: mit der ist ja gar nichts anzufangen. Das sind, glaube ich, Dinge, die wirklich so ein bisschen unterschwellig eine Rolle spielen. Niemand wird heute mehr klar sagen, ich will keine Frau hier in der Fakultät. Aber gerade bei der Generation der jetzt 55/60-jährigen, die natürlich jetzt so allmählich aus den Unis rauswächst, gibt es diese Einstellung.“

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