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Die Maulbeere: Jakob mit pieksiger Noppenschale

Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Martina Morf-Koller teilt in ihrer Kolumne Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung. Diese Woche geht sie einer Trendfrucht nach: Der Maulbeere.

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie Maulbeeren? Also jetzt nicht unbedingt aus der Seidenraupenzucht, sondern die kleinen Beeren, die entfernt an Brombeeren erinnern. Es gibt sie in den Sorten weiß, schwarz und rot, wobei die Bezeichnung nach Farben eher verwirrend ist. Man kennt schwarze Maulbeeren in Rottönen und rote Maulbeeren, die fast weiß sind. Macht ja nichts, Hauptsache schmeckt. Bei Sportler*innen sind Maulbeeren aufgrund ihrer Inhaltsstoffe als „Powerfood“ beliebt. Sie bestehen zu 25% aus Proteinen, enthalten dabei 17 verschiedene Aminosäuren und die Vitamine B1, B2, B6, Vitamin C und E in großen Mengen. Hinzu kommt ein ganzer Berg an Spurenelementen, allen voran Eisen. Gerade der Eisengehalt macht Maulbeeren auch für Vegetarier*innen und Veganer*innen interessant. Frisch verderben die Beeren jedoch ziemlich schnell. Deshalb finden geneigte Mitnehmer*innen sie im Geschäft gedörrt beim Trockenobst beheimatet oder die Beerchen tummeln sich, ebenfalls getrocknet, in ausgewählten Müslimischungen. Geschmacklich erinnern sie uns ein wenig an Rosinen. Hier schon ein kleiner Tipp für den leider irgendwann kommenden Herbst oder den eingefangenen Sommerschnupfen: Bei ersten Erkältungsanzeichen das Immunsystem unterstützen durch eine Hand voll getrockneter Maulbeeren.

Nun gibt da aber noch so ein Maulbeergewächs, dessen Früchte locker 25 kg Gewicht erreichen können. Hübsch anzusehen sind diese grüngelblichen Früchte, deren Form ein wenig an ein Football-Sportgerät erinnert, allerdings nicht wirklich. Haben sie doch mehr oder weniger pieksige spitze Tuberkel auf der genoppten Außenhaut. Jakobsfrucht oder auch Jackfruit heißt das gute Stück. Es wächst in nahezu allen tropischen Gebieten, wird aber hauptsächlich in Bangladesch, Thailand, Indonesien und Sri Lanka angebaut. Im Inneren der ungewöhnlichen Beeren verbergen sich zahlreiche Einzelfrüchte, deren Fruchtfleisch wiederum 50-500 einzelne Samen/Kerne umgibt.

Reife Jackfruits werden roh als Süßspeise gegessen und haben einen Geschmack, der ein wenig an Mango-Banane-Ananas erinnert. In der Sonne getrocknet, erhält man leckere Chips. Auch die Samen, die Jacknüsse, sind essbar - allerdings geröstet oder gekocht. Außerdem werden diese zu Mehl verarbeitet und ähneln dann geschmacklich den Esskastanien. Hierzulande wird das Fruchtfleisch des reifen Maulbeergewächses in Dosen verkauft. Aber richtig Spaß hat man eigentlich erst, wenn man eine reife ganze Frucht in die Hände bekommt. Wird diese nämlich aufgeschnitten und versucht man Fruchtfleisch und Kerne aus der Schale zu pulen, wird man mit einem baumharzartigen Fruchtsaft beglückt, dem so gut wie gar nicht mit Wasser und Seife beizukommen ist.

Wer schon einmal einschlägige Erfahrungen gesammelt hat, der schmiert vorher schlau Hände und sämtliche Arbeitsgeräte mit Speiseöl ein. Es gibt Gerüchte, dass Straßenhändler*innen zum Teil Kerosin für ihre Kund*innen zum Händereinigen bereithalten, da der Saft lösungsmittel-löslich ist, was man aber auf keinen Fall ausprobieren sollte. Auch das Dosenobst bitte gerne mit Wasser abspülen und die in der Dose enthaltene Flüssigkeit abgießen. Nun gibt es tropische Früchte bei uns schon in ausreichender Vielfalt, wofür braucht es noch eine mehr mit weiter Anreise?

Das eigentlich spannende an der Jakobsfrucht ist das unreife Stadium. Wenn man unreife Früchte schält, dann kann (und muss (!!); weil roh ungenießbar) das Fruchtfleisch wie Gemüse zubereitet werden, gekocht oder auch scharf angebraten. Es ist faserreich und die Konsistenz erinnert an Hähnchenfleisch oder mageren Schweinebraten. Zusammen mit herzhaftem Gemüse ist es ein verdammt guter Fleischersatz für Vegetarier*innen und Veganer*innen, die nicht immer nur auf Tofu herumkauen möchten oder Soja nicht vertragen. Der genoppte Jakob ist mit 72 kcal und nicht mal einem halben Gramm Fett auf 100g ein nahrungstechnisches Leichtgewicht, cholesterinfrei und ballaststoffreich. Da das unreife Stadium eher geschmacksneutral ist, kann es mit Gewürzen in die passende Richtung gelenkt werden. Seit 2016 ist der Fleischersatz auch hier im Lebensmittelhandel erhältlich. Lecker ist Jackfruit z. B. als „Pulled pork“-Ersatz auf Burgern oder Sandwiches oder als herzhaftes Gulasch.

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema "gesunde Ernährung" humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



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