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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Die Kundin bleibt als „Kunde“ weiterhin nur mitgemeint – Die Argumentation des BGH dreht sich im Kreis

Besonders die beiden letzten Absätze zeigen, wie sich die Argumentation im Kreise dreht. Die Argumentation ist schleifenartig und auf Konservierung der am generischen Maskulinum orientierten Sprachpraxis ausgelegt: Weil der Sprachgebrauch von der männlichen Form geprägt sei und diese – in Zeiten der Gleichberechtigung – damit gerechtfertigt werde, dass Frauen mitgemeint seien, entspreche auch das herrschende Sprachverständnis dieser Annahme, weshalb die an der männlichen Form orientierte Sprachpraxis beizubehalten sei. Diejenigen, die ein anderes Sprachverständnis haben, d. h. Frauen, die sich benachteiligt fühlen, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie nicht wirklich mitgemeint sind, werden implizit als Minderheit qualifiziert, deren Sprachverständnis unbeachtlich ist.

Tatsächlich ist die Behauptung, Frauen seien bei der Bezeichnung gemischtgeschlechtlicher Gruppen in männlicher Form „mitgemeint“ und dies werde allgemein auch so verstanden, weithin fragwürdig und vielfach durch empirische Untersuchungen widerlegt.* Insoweit ist auch die Behauptung, in der Verwendung des generischen Maskulinums liege keine Geringschätzung gegenüber nicht-männlichen Personen, eine allzu oberflächliche Einschätzung, die die Komplexität der gesellschaftlichen Wirkungen von Sprache unterschätzt. Wie vom Gericht zutreffend angedeutet, wird seit mehr als 30 Jahren in den Sprach- und Sozialwissenschaften und gelegentlich auch in der Rechtswissenschaft oder Rechtssoziologie darüber geforscht und geschrieben, wie Sprache Recht, aber auch Recht Sprache beeinflusst. Aufgezeigt wurde und wird, wie sich männerdominierte Gesellschafts-, Wissenschafts-, Medien- oder – wie im Fall der Sparkassen – Wirtschaftsbereiche einer Sprache bedienen, die geeignet ist, die Männerdominanz zu konservieren. Dass das generische Maskulinum tatsächlich noch so weit verbreitet ist und dass es sprachgeschichtlich und sprachtheoretisch weiterhin als allgemeine menschheitsumfassende Bezeichnung hochgehalten wird, verwundert nicht, denn die deutsche Sprache wurde in männerdominierten Geschichtsepochen entwickelt und der strukturelle Ausschluss von Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und vielen Berufen wurde erst in den letzten 100 Jahren nach und nach angefochten und partiell aufgehoben.

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