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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Die Öffentlichkeitsarbeit des „Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland“ (LSVD)

Die Öffentlichkeitsarbeit des LSVD* für die „Homo-Ehe“ begann mit der „Aktion Standesamt“, die er 1992 zusammen mit den „Schwulen Juristen“* startete. Damals versuchten rund 250 Lesben- und Schwulenpaare bei den Standesämtern das Aufgebot zu bestellen. Das wurde natürlich abgelehnt, zuletzt 1993 auch vom Bundesverfassungsgericht.* Aber das Medienecho war ungeheuer. Noch nie hatte eine Aktion von Lesben und Schwulen so viel Aufsehen erregt. Die heiratswilligen Lesben- und Schwulenpaare waren in allen Medien präsent. Für manche von ihnen war die „Aktion Standesamt“ zugleich das öffentliche Coming-out.

Uns war aufgefallen, dass die allgemeine Bevölkerung keine Vorstellung von der Lage der Lesben und Schwulen hatte. An den Infoständen wurden wir gefragt, was wir denn noch wollten; wir würden doch nicht mehr bestraft. Außerdem äußerten viele, sie seien noch nie Lesben oder Schwulen begegnet, die gebe es in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis nicht.

Wir haben deshalb zur Begründung unserer Forderung nach Öffnung der Ehe einen langen Katalog erstellt, in dem wir aufgezählt haben, in wie vielen Punkten Lesben und Schwule massiv benachteiligt werden, weil sie nicht heiraten können. Das mussten wir den Journalisten bei der Aktion Standesamt noch im Einzelnen erläutern.

Aber wir haben es nicht bei der Aktion Standesamt belassen, sondern unsere Öffentlichkeitsarbeit fortgesetzt und immer wieder neue Aktionen gestartet und durchgeführt. Das hat dazu geführt, dass die Journalisten unseren Diskriminierungskatalog schließlich ohne Nachfrage selbst reproduzieren konnten, als Ende der neunziger Jahre über die Lebenspartnerschaft diskutiert wurde. Außerdem hat aufgrund unserer Öffentlichkeitsarbeit die allgemeine Zustimmung zur „Homo-Ehe“ im Verlauf der Jahre immer mehr zu genommen. Während sie 1992 bei der „Aktion Standesamt“ noch bei rund 30 Prozent lag, war sie 2001 bei Einführung der Lebenspartnerschaft auf über 60 Prozent gestiegen.

Daraus kann man ableiten, dass in der Diskussion um die Benachteiligung von Minderheiten die Forderung nach einem Antidiskriminierungsgesetz sehr hilfreich sein kann. Denn jede Diskussion darüber, ob ein solches Gesetz notwendig ist und was in ihm geregelt werden soll, setzt eine Bestandsaufnahme der Lebensverhältnisse der Minderheit voraus. Auf diese Weise kann der Öffentlichkeit anschaulich vermittelt werden, in welchem Ausmaß der Minderheit selbstverständliche Menschen- und Grundrechte noch immer vorenthalten werden.

Ganz wichtig war auch unsere „Pressearbeit“. Wir hatten uns vorgenommen, dass in der Presse nichts mehr über Lesben und Schwule berichtet werden sollte, ohne dass zugleich gesagt wird, was der Schwulenverband davon hält. Um das zu erreichen, haben wir es uns zum Grundsatz gemacht, möglichst postwendend auf eine Pressemeldung zu reagieren. Wenn eine Pressemeldung morgens hereinkam, sollte unsere Stellungnahme spätestens bis mittags rausgehen, weil die überörtlichen Zeitungen am frühen Nachmittag Redaktionsschluss haben. Das haben wir sehr oft geschafft und sind deshalb immer wieder in den Zeitungen zitiert worden. Dazu hat auch unser Name „Schwulenverband in Deutschland“ beigetragen. Man nahm aufgrund dieses Namens an, dass wir die bundesweite Interessenvertretung der Lesben und Schwulen sind. Tatsächlich waren wir nur ein kleiner Kreis von Engagierten. Der LSVD ist auch heute noch kein mitgliederstarker Verband.*

Wir waren mit unserer Öffentlichkeits- und Pressearbeit so erfolgreich, dass die Fundamentalisten bei den Protestanten und Katholiken schließlich zu klagen begannen, die Lobbyorganisationen der Lesben und Schwulen seien inzwischen so mächtig, dass sie dagegen nicht mehr ankämen. Ich habe dann immer gedacht: Gut, dass ihr nicht wisst, wie wenige Leute dieses Geschäft tatsächlich betreiben.

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