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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Das Wechselmodell – Aktuelle Rechtsprechung

Derzeit entspricht es geltendem Recht, dass verheiratete Eltern und auf Wunsch auch unverheiratete Eltern das Sorgerecht für gemeinsame Kinder gemeinsam ausüben. Dies gilt nach dem Willen des Gesetzgebers grundsätzlich auch nach einer Trennung oder Ehescheidung. Wünscht ein Elternteil nach der Trennung das Sorgerecht oder Teile davon allein auszuüben, muss ein entsprechender Antrag gestellt werden, über den das Familiengericht zu entscheiden hat. Das für diese Entscheidungen maßgebliche Kriterium ist immer das Kindeswohl und diesem entspricht nach Vorstellung des Gesetzgebers und auch Erfahrungen aus der Praxis grundsätzlich die gemeinsame Ausübung durch beide Elternteile. Wichtige Gründe können dem im Einzelfall aber entgegenstehen. Ist es beispielsweise in der Vorgeschichte zu Gewalt in der Familie gekommen, plant ein Elternteil einen Umzug, der die Ausübung des Sorgerechts künftig deutlich erschwert oder hat ein Elternteil schlicht kein Interesse an der weiteren Ausübung des Sorgerechts, kann das Gericht die gesamte Sorge oder Teilbereiche einstweilen oder auf Dauer auf einen Elternteil übertragen. In der Praxis entbrennt der Streit zwischen den Eltern am häufigsten unmittelbar nach der Trennung über einen Teilbereich der elterlichen Sorge: das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Dieses gibt gemeinsam entscheidenden Eltern das Recht festzulegen, wo das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt nehmen soll. Bei intakter Beziehung stellt sich diese Frage in der Regel nicht, wird durch die Trennung der Eltern jedoch ein zweiter elterlicher Haushalt begründet, ist häufig zu entscheiden, bei wem die gemeinsamen Kinder in Zukunft leben sollen.

Aktuell praktizieren ca. 95 Prozent aller Familien nach der Trennung das so genannte Residenzmodell, das derzeit auch der gesetzlichen Regelung in Deutschland zugrunde liegt. Dabei haben Kinder ihren gewöhnlichen Aufenthalt bei einem Elternteil, derzeit zumeist noch bei der Mutter, und der andere Elternteil erhält ein mehr oder weniger großzügig bemessenes Umgangsrecht. Der Elternteil, bei dem die Kinder leben, übt das Aufenthaltsbestimmungsrecht im gemeinsamen Einverständnis aus, wobei es für den anderen Elternteil jederzeit frei widerruflich bleibt. Können die Eltern sich nicht allein einigen, können sie versuchen unter Zuhilfenahme des Jugendamtes oder eines Mediators eine Lösung zu finden. Lässt sich keine Lösung finden, muss im Zweifel das Familiengericht entscheiden und einem von beiden das Aufenthaltsbestimmungsrecht zusprechen.

In diesen Fällen wird in dem Zusammenhang meist auch das Umgangsrecht geklärt, das je nach Familiensituation, Alter und Wünschen der betroffenen Eltern und Kinder ganz unterschiedlich ausfallen kann. Zugrunde legt das Gericht auch bei Entscheidungen über das Umgangsrecht immer das Kindeswohl. Gesetzlich geregelt ist, dass dem Kindeswohl am besten der regelmäßige Umgang mit beiden Elternteilen entspricht, der Umgang miteinander ist für Eltern und Kinder gleichermaßen Recht wie Pflicht.

Weil das Residenzmodell in Zeiten zunehmender aktiver Vaterschaft oft als unbefriedigend empfunden wird, um den Interessen aller Beteiligten gerecht zu werden, rückt das so genannte Wechselmodell in den Focus des öffentlichen Interesses.* Bei diesem Modell haben die Kinder nicht mehr einen, sondern zwei Lebensmittelpunkte, jeweils einen bei jedem Elternteil. Hier üben die Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht als Teil des Sorgerechts abwechselnd aus, das Kind wechselt in einem regelmäßigen Turnus, in der Praxis zumeist einmal in der Woche, den gewöhnlichen Aufenthaltsort, und ein Umgang im herkömmlichen Sinne findet nicht mehr statt, da beide Eltern das Kind ohnehin zu gleichen Teilen im jeweils eigenen Haushalt betreuen. Auf den ersten Blick scheint dieses Modell tatsächlich eine faire Lösung zu sein, denn beide Eltern haben gleich viel von den gemeinsamen Kindern, sowohl was die kostbare gemeinsame Zeit angeht, als auch was die Last der notwendigen Betreuung betrifft und die Kinder können mit beiden Elternteilen Alltag und Freizeit gleichermaßen erleben und behalten zu beiden eine gleichermaßen innige Bindung und Vertrautheit.

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