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Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Das Beratungsgespräch

Einleitung: Rechtliche Grundlagen

Beratung im Bundesgleichstellungsgesetz

*

Die Durchführung von Beratungsgesprächen mannigfaltigster Art ist ein wesentlicher Bestandteil der täglich von der Gleichstellungsbeauftragten zu absolvierenden Aufgaben. Es mag daher vielleicht zunächst irritieren, die Frage nach der Zulässigkeit und den Grenzen dieser „Beratungsgespräche“ zu stellen. Wir sind es nur allzu sehr gewohnt, uns im alltäglichen als auch in beruflichen und sonstigen Kontexten in eine „Beratungsbeziehung“ zu begeben, ohne dass wir jeweils genau die Spezifik dieser Kommunikationsform, die daraus ableitbaren unterschiedlichen Rollen und Handlungsspielräume, Anforderungen, Erwartungen der Beteiligten etc. reflektieren. Dies sollte jedoch aber immer notwendigerweise dann geschehen, wenn die Beratung im Rahmen einer professionellen Tätigkeit ausgeübt wird, um gerade in dieser professionellen Tätigkeit auch die Professionalität einer Beratung tatsächlich zu garantieren. ZIEL des nachfolgenden Beitrages „Das Beratungsgespräch“ ist es, erste kommunikations- und informationstheoretische Aspekte und Besonderheiten der „Beratung / des Beratungsgespräches“* zu vermitteln. Auf Grund der Komplexität des Themas kann der Beitrag lediglich als erste Einführung verstanden werden.

Beratung im engeren Sinn

Das Bundesgleichstellungsgesetz normiert in § 1 die Ziele des Gesetzes*. Hiernach soll das Gesetz insbesondere und hauptsächlich

  • „…der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Beseitigung bestehender und der Verhinderung künftiger Diskriminierungen wegen des Geschlechts…“ dienen,

  • indem insbesondere „…nach Maßgabe des Gesetzes Frauen gefördert (werden), um bestehende Benachteiligungen abzubauen“ und

  • …die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit für Frauen und Männer…“ verbessert und

  • „… den besonderen Belangen behinderter und von Behinderung bedrohten Frauen Rechnung getragen“ werden.

Zur Sicherung und Gewährleistung dieser vorgenannten Ziele werden vom Gesetzgeber eine Vielzahl von Maßnahmen festgeschrieben. Zugleich wird bei Vorliegen der in § 16 normierten gesetzlichen Voraussetzungen die „Institution“ der Gleichstellungsbeauftragten etabliert, die als Garant des gesetzlichen Ziels dienen soll, indem sie den „…Vollzug des Gesetzes… zu fördern und zu überwachen hat“*.

Versteht man die Beratung als eine spezifische Form der sozialen Kommunikation, der kooperativen Informationsverarbeitung*, so kommt man nicht umhin, ausgehend vom Gesetz- bzw. Verordnungsgeber auferlegten Gesetzesauftrag und den festgeschriebenen Aufgaben die Beratung als eine Kernaufgabe der Gleichstellungsbeauftragten anzusehen, sie ist ihr grundsätzlich funktionsimmanent. Sie hat daher insoweit vorrangig einen ‚institutionellen’ Focus als die Beratung, ausgehend von ihren durch Gesetz festgelegten Aufgaben und Zielen und dem unmittelbaren und mittelbaren Geltungsbereich des Gesetzes sich hierin zu bewegen hat.*

Beratung im weiteren Sinn

Daneben sieht das Bundesgleichstellungsgesetz in Adaption der in der Praxis tatsächlich vorzufindenden vielfältigen Situationen des individuellen Beratungs- und Informationsbedarfes von Frauen im Zusammenhang mit dem grundsätzlichen Gesetzesanliegen auch vor, dass „ zu den Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten auch die Beratung und Unterstützung in Einzelfällen bei der beruflichen Förderung, Beseitigung von Benachteiligung und Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit“* gehört.

Diese „individuelle Beratung“ von Ratsuchenden im Zusammenhang mit der Durchsetzung und Gewährleistung der Gleichstellung von Frauen und Männern im Sinne von Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes ist somit ebenfalls ausdrücklich eine vom Gesetzgeber für die Gleichstellungsbeauftragte normierte Aufgabe.

In der Praxis zeichnen sich bei der individuellen Beratung der Frauen insbesondere nachfolgende Beratungsfelder/-gegenstände ab:

  • Gleichstellung bzw. Diskriminierung im persönlichen oder beruflichen Umfeld

  • Mobbing

  • Frauenförderung, insbes. berufliche Weiterbildung und Familie,

  • Wiedereinstieg in den Beruf

  • Berufliche Selbständigkeit

  • Persönliche Probleme in der Familie (Trennung, Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht für die Kinder, Wohnung pp.)

  • Sonstige zwischenmenschliche Probleme

  • Gewalt.

Diese Aufzählung ist selbstverständlich nicht erschöpfend, sie ist vielmehr nur enumerativ: denn so wie das Leben in seiner Vielfältigkeit unerschöpflich ist, wird man wohl davon ausgehen können, dass die an die Gleichstellungsbeauftragte in ihrer täglichen Arbeit herangetragenen individuellen Sorgen und Nöte, die erbetene individuelle Hilfe und Unterstützung außerordentlich komplex und vielfältig sind; eine abschließende Aufzählung und Erfassung aller möglichen Lebensfelder, die in der Beratung auftreten können, schließt sich daher von selbst aus.

Grenzen der Beratung

Es bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung, dass sich die Grenzen der Beratung zunächst einmal grundsätzlich in der Persönlichkeit und Fachkompetenz der Gleichstellungsbeauftragten selbst manifestieren: Beratung kann und sollte nur dann und insoweit ausgeführt werden, wie die Gleichstellungsbeauftragte selbst hierfür die erforderlichen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen besitzt und angemessen transportieren kann.

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