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Coming-Out am Arbeitsplatz? Für viele ist das keine Option

Deutschland ist Schlusslicht: Im internationalen Vergleich outen sich unterdurchschnittlich wenige LGBTQs am Arbeitsplatz. Ein Grund ist die Angst vor dem Karriereknick.

Deutschland ist letzter

Nur 37 Prozent der deutschen LGBTQs outen sich am Arbeitsplatz. Das ist das Ergebnis der Ende Januar veröffentlichten Studie „Out@Work“.1 Weltweit wurden im Rahmen der Erhebung mehr als 4.000 Beschäftigte unter 35 befragt, knapp 500 davon in Deutschland. Für Deutschland wenig erfreulich ist: Von den 20 teilnehmenden Nationen bildet die Bundesrepublik das Schlusslicht. Ganze 15 Prozentpunkte liegt die Outing-Rate am Arbeitsplatz in Deutschland unter dem globalen Durchschnitt von 52 Prozent. Spitzenreiter sind Großbritannien, Brasilien, die USA und Kanada. Dort bekennen sich im Job jeweils rund 63, 60 bzw. 55 Prozent offen zu ihrer sexuellen Orientierung. Selbst im eher konservativen Italien, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe immer noch nicht durchgesetzt ist, legen mehr Beschäftigte ihre sexuelle Orientierung offen als im scheinbar liberalen Deutschland.

Outing am Arbeitsplatz als Karriererisiko?

Woran liegt diese Zurückhaltung der deutschen LGBTQs? Auch hierüber gibt die Studie Hinweise. Obwohl 85 Prozent der Befragten angeben, in der Theorie bereit zu sein, sich vor ihren Kolleginnen und Kollegen als Teil der LGBTQ-Community zu outen, wagen den Schritt in der Praxis nur wenige. Der Grund: Es überwiegt die Sorge, dass ein Bekenntnis zur eigenen Sexualität oder zur eigenen geschlechtlichen Identität ein erhebliches Karriererisiko bedeuten könnte. 42 Prozent lügen deshalb auch dann, wenn Sie im Arbeitsumfeld nach ihrer sexuellen Orientierung explizit befragt werden.

Dass die Angst vor Benachteiligung nicht aus der Luft gegriffen ist, belegen Zahlen der 2017 veröffentlichten Studie „Out im Office?!“.2 Dort haben knapp drei Viertel aller lesbischen und schwulen Beschäftigten angegeben, bereits mindestens einmal aufgrund ihrer sexuellen Neigungen im Arbeitsumfeld angefeindet worden zu sein. Bei Transpersonen liegt die Zahl mit 83 Prozent und bei Bisexuellen mit 95,5 Prozent noch höher. Etwa 8 Prozent der lesbischen und schwulen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben zudem an, schon einmal wegen ihrer sexuellen Identität eine Arbeitsstelle nicht erhalten zu haben. Bei Transpersonen berichten davon mehr als jede*r fünfte.

Jetzt sind die Unternehmen gefragt

Das Verschleiern eines wichtigen Teils der eigenen Identität geht an den Betroffenen nicht spurlos vorüber, wie „Out im Office?!“ belegt. Befragte, die ihre sexuelle Orientierung verheimlichen zu glauben müssen, weisen signifikant höhere psychosomatische Beschwerden auf als die Arbeitnehmer*innen, die daraus keinen Hehl machen.

Gerade aus Unternehmer*innensicht würde es sich jedoch lohnen, ein Umfeld herzustellen, in dem sich LGBTQs sicher fühlen: So zeigt die Studie nämlich auch, dass Mitarbeiter*innen, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer sexuellen Identität bzw. Geschlechtsidentität umgehen können, eine höhere Bindung zum Unternehmen aufweisen – und sich stärker für den Betrieb engagieren.

Der Ball liegt also vor allem bei den Arbeitgeber*innen. Sie müssen ein Klima schaffen, in dem Vielfalt in jeglichen Formen nicht nur toleriert, sondern auch offen wertgeschätzt wird. Das beinhaltet neben einer klaren Absage jeder Form der Diskriminierung auch die Einrichtung eines gut durchdachten Diversity Managements. Tipps und Anregungen für die Praxis finden Sie in einem Dossier der Stiftung "PrOut@Work".

1 Link zu den Ergebnissen der Studie "Out@Work", zuletzt aufgerufen am 06.02.2019.
2 Link zur Studienzusammenfassung "Out im Office?!", zuletzt aufgerufen am 06.02.2019.





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