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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Chancen und Hindernisse der Kindertagesbetreuung – Die Passgenauigkeit der bereitgestellten Angebote

Neben der Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl an Plätzen in der Kindertagesbetreuung sind auch weitere Aspekte für Familien hinsichtlich der Entscheidung relevant, ob und ab welchem Zeitpunkt ihre Kinder ein solches Angebot nutzen sollen. Dabei können einerseits nutzerbezogene und andererseits angebotsbezogene Aspekte eine Rolle spielen. Hinsichtlich der Nutzerseite ist die Entscheidung bedeutsam, ob Kindertagesbetreuung grundsätzlich für die Familien in Frage kommt, ob andere Personen bei der Betreuung ihrer Kinder einbezogen werden sollen oder ob bei dem Kind bereits spezifische Fähigkeiten oder Kompetenzen ausgeprägt sein sollten, bevor es eine Kita oder Kindertagespflege besucht. Auf der angebotsbezogenen Seite können sowohl die Rahmenbedingungen wie Öffnungszeiten, Kosten oder die Wegstrecke zur Einrichtung bedeutsam sein, als auch die Qualität und die pädagogischen Konzepte.

Zwei zentrale Aspekte hinsichtlich des Zugangs sowie der Bedeutung für die Erwerbstätigkeit sind dabei die Kosten der Kindertagesbetreuung sowie die Öffnungszeiten der Kitas. Die damit verbundenen Hürden und Chancen werden nachfolgend beispielhaft dargestellt.

Kosten der Kindertagesbetreuung

Kindertagesbetreuung wird in aller Regel nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielmehr müssen Familien vielfach die regelmäßig anfallenden Elternbeiträge (oder auch Kita-Gebühren genannt) und Kosten für die (Mittags-)Verpflegung zahlen. Darüber hinaus sollen sich Familien häufig – und zum Teil kostendeckend – an den Ausgaben für Ausflüge, Feiern, Materialien zum Basteln etc. beteiligen.* Das kann zum Teil zu erheblichen Ausgaben im Verhältnis zum Familieneinkommen führen und schließlich auch zu einer Nichtnutzung der Angebote der Kindertagesbetreuung beitragen. So gibt in der DJI-Elternbefragung fast jede vierte Familie von Kindern unter drei Jahren und jede fünfte Familie von Kindern zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt an, dass die Kosten zur Entscheidung gegen die Nutzung einer Kita oder Kindertagespflege beigetragen haben.* Darüber hinaus zeigt eine Studie zur Angebotsplanung in Nürnberg, dass Eltern aufgrund zu hoher Kosten neben der generellen Nichtinanspruchnahme von Kindertagesbetreuungsangeboten auch den geplanten Stundenumfang reduzieren, um Kosten einzusparen.*

Die Bedeutung der Kosten ist jedoch nicht in allen Regionen, für alle Altersgruppen und für alle Familien gleich. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass die Festsetzung und Erhebung der Elternbeiträge und auch weiterer Kosten in ganz unterschiedlicher Zuständigkeit liegen kann. So gibt es Länder, in denen einheitliche Regelungen zu den Elternbeiträgen und den Mittagsverpflegungskosten gelten wie in Hamburg und Berlin bis hin dazu, dass die Träger der Einrichtungen oder die einzelne Kita die Höhe der Elternbeiträge und der Verpflegungskosten festsetzen kann.* Eine Studie zur Situation in Nordrhein-Westfalen macht deutlich, dass daher die Elternbeiträge für Familien mit gleichem Einkommen und gleichen Betreuungsumfängen, die in unterschiedlichen Regionen leben, zum Teil Kostenunterschiede von – schlimmstenfalls – mehreren hundert Euro betragen.* Gerade in den Regionen mit überdurchschnittlich hohen Beiträgen werden Familien daher eher von einer (zeitlich umfangreicheren) Nutzung einer Kita oder Kindertagespflege abgehalten sein als in Regionen, in denen geringere Beiträge zu zahlen sind. Weiterhin zeigen Analysen, dass die Elternbeiträge für ältere Kinder häufig niedriger sind als für jüngere Kinder. In einigen Länder und Jugendamtsbezirken werden z. B. komplette Beitragsbefreiungen für das letzte Kita-Jahr gewährt. Darüber hinaus sind die Elternbeiträge vielfach – entsprechend der jeweiligen Regelungen – für Kinder vor dem zweiten und/oder dritten Geburtstag deutlich höher als für die älteren Kinder. Das kann auch dazu beitragen, dass sich Familien dafür entscheiden, ihre Kinder erst zu einem späteren als dem ursprünglich geplanten Zeitpunkt in einer Kindertagesbetreuung anzumelden.

Schließlich konnte bereits an anderer Stelle gezeigt werden, dass insbesondere Familien mit einem Einkommen gering über dem Existenzminimum besonders hohe Anteile ihres Einkommens für die Kosten der Kindertagesbetreuung einsetzen müssen.* Das hängt damit zusammen, dass in der Regel nur die Elternbeiträge gestaffelt werden und die weiteren Kosten häufig kostendeckend erhoben werden. Darüber hinaus ist bei den Elternbeiträgen bedeutsam, dass einerseits die Staffelung der Elternbeiträge üblicherweise nur bis zu einem spezifischen Einkommen festgesetzt wird und bei höheren Einkommen der Maximalbetrag gezahlt werden muss. Auf der anderen Seite haben Eltern im Existenzsicherungsbezug – also Familien, die Leistungen nach dem SGB II, SGB XII und AsylbLG erhalten – die Möglichkeit die (teilweise) Übernahme der Elternbeiträge, der Mittagsverpflegungskosten und der Kosten für Ausflüge zu beantragen. Nehmen sie diese Möglichkeit in Anspruch, sind ihre finanziellen Belastungen im Verhältnis deutlich geringer als bei Familien mit einem Einkommen, das wenig über dem Existenzminimum liegt, die für all diese Kosten selbst aufkommen müssen. Dementsprechend wird für die letztgenannten Familien die Frage relevant sein, ob sich die Betreuung ihrer Kinder in einer Kita oder bei einer Kindertagespflegeperson finanziell lohnt oder ob durch die entstehenden Kosten der Kindertagesbetreuung und der (Wieder-)Aufnahme der Erwerbstätigkeit (z. B. durch zusätzliche ÖPNV-Kosten oder die Finanzierung eines zusätzlichen PKWs) letztendlich das monatlich verfügbare Einkommen geringer ist, als wenn ein Elternteil (weiterhin) die Betreuung des Kindes übernimmt und auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet.

Öffnungszeiten der Einrichtungen und Betreuungsumfänge der Kinder

Neben den Kosten der Kindertagesbetreuung werden für Alleinerziehende und Familien, in denen beide Elternteile einer Erwerbstätigkeit nachgehen (wollen), insbesondere die Öffnungszeiten und die Öffnungsdauer von Bedeutung sein, die maßgeblich mit den benötigten Zeiten und Umfängen zusammenhängen, die sie für ihre Erwerbstätigkeit einsetzen.

Im Rahmen der Regelungen zum Rechtsanspruch wird auch der zeitliche Umfang bestimmt, für den der Rechtsanspruch gilt, wobei Unterschiede für die verschiedenen Altersgruppen bestehen. Bei den Kindern unter einem Jahr richtet sich der Rechtsanspruch unter anderem nach elternbezogenen Bedarfen wie der Ausführung der Erwerbstätigkeit oder der Beendigung einer Ausbildung (§ 24 Abs. 1 SGB VIII). Der Rechtsanspruch für ein- und zweijährige Kinder richtet sich auf einen Halbtagsplatz im Umfang von mindestens vier Stunden pro Tag. Darüber hinaus kann der Rechtsanspruch entsprechend des individuellen Bedarfs aber auch höher sein. Diese Bedarfe richten sich nach den gleichen Kriterien wie bei den unter Einjährigen.

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