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Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Berufsbild der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten

Von Beruf: Frauenbeauftragte

Gibt es ein einheitliches Berufsbild der Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten?

In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es scheinbar keine Unterschiede in der Tätigkeit einer Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragten. Allen gemeinsam ist, dass sie sich für die Belange von Frauen einsetzen und die Umsetzung des Gleichstellungsauftrags des Artikel 3 Grundgesetz befördern. Da jedoch der Bund und die Länder jeweils unterschiedliche Regelungen zur Aufgabenwahrnehmung geschaffen haben, die teilweise wiederum differenzieren zwischen landesbehördlichen und kommunalen Vorgaben, hat sich mittlerweile ein Spektrum von Aufgaben und Tätigkeiten gebildet, so dass von einem einheitlichen Berufsbild nicht die Rede sein kann. Hinzu tritt, dass auch Betriebe vielfach Gleichstellungsbeauftragte in unterschiedlicher Funktion eingesetzt haben.

Folgende Formen der Aufgabenwahrnehmung kommen häufig vor:

  • Ganzheitliche Tätigkeit
    Gleichstellungsarbeit sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörde – vorwiegend in Kommunen und Kreisen, z.B. in NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, auch an einigen Hochschulen

  • Tätigkeit nach innen
    Frauenvertreterin, Ansprechpartnerin oder Interessensvertreterin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörde, z.B. Bundesbehörden, Landesbehörden

  • Tätigkeit nach außen
    Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger – z.B. Hessen, Berlin, Arbeitsagentur

  • Gleichzeitige Übertragung mehrerer „Beauftragungen“
    Frauen, Migration, Behinderte, SeniorInnen, Datenschutz – besonders häufig in kleineren Kommunen

  • Gender Mainstreaming oder Diversity Management
    Dieses wird oft als personalwirtschaftliche Strategie in Privatunternehmen eingesetzt.

Frauenbeauftragte oder Gleichstellungsbeauftragte?

Zu Beginn der Institutionalisierung (auf kommunaler Ebene seit 1982) war es selbstverständlich, die Einrichtung „Frauenbeauftragte“, „Frauenbüro“, „Frauenamt“ oder ähnlich zu nennen. Die ersten Frauenbeauftragten waren stets sowohl für die Verwaltung (intern) als auch für die Bürgerinnen (extern) tätig. Allerdings gaben Landesregierungen oder Städte ihren Büros sehr lange und umständliche Namen per Ratsbeschluss, wie z.B. Stelle zur Gleichberechtigung der Frau oder Gleichstellungsstelle für Frauenfragen. Schließlich setzte sich der Begriff Gleichstellungsstelle/Gleichstellungsbeauftragte immer mehr durch. Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, die sich 1985 zunächst Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros nannte, hat immer den Namen Frauenbeauftragte/Frauenbüro vorgezogen, um zu verdeutlichen, um welche Probleme es geht und an wen sich die Angebote richten.

Dies änderte sich mit Einführung der einschlägigen Gleichstellungsgesetzgebung in den Bundesländern. Einige Bundesländer differenzieren die Tätigkeit der kommunalen Frauenbeauftragten in interne und externe Aufgaben (z.B. Sachsen). Für die interne Arbeit wird eine Frauenbeauftragte bestellt, für die externe Arbeit eine Gleichstellungsbeauftragte. Bundesländer, die nicht differenzieren, wie beispielsweise NRW, nennen die Funktion Gleichstellungsbeauftragte.

Nach dem Bundesgleichstellungsgesetz wird eine Gleichstellungsbeauftragte für den internen Arbeitsbereich durch die weibliche Belegschaft gewählt. Nach außen gibt es z.B. bei der Arbeitsagentur die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Auch die Bezeichnungen in den Landesbehörden und an Hochschulen sind sehr unterschiedlich.

Für die Bürgerinnen einer Gemeinde oder Stadt ist es wichtig, dass sie ihre Ansprechpartnerin in der Verwaltung finden. Daher firmieren viele Frauenbüros mittlerweile unter mehreren Bezeichnungen. Im folgenden wird in diesem Beitrag für alle Arbeitsformen die Bezeichnung „Frauenbeauftragte“ verwendet.

Beruf oder Ehrenamt

Das Vorhandensein eines Berufsbildes setzt voraus, dass die Funktion in einem Hauptamt, d.h. zum Erwerbszweck ausgeführt wird. Zu unterscheiden ist daher, ob die Funktion der Frauenbeauftragten tatsächlich als Beruf oder als Wahl-, Ehren- oder Nebenamt ausgeführt wird.

Eine hauptberufliche Frauenbeauftragte steht in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis zum Arbeitgeber/Dienstherrn. Dieser muss ihr auch die Funktion übertragen haben. Sie hat eine vom Arbeitgeber/Dienstherrn für diese Stelle bestimmte Berufsausbildung und andere Qualifikationen. Dem gegenüber steht die gewählte Frauenbeauftragte, die als Interessenvertreterin die Aufgabe wahrnimmt. An diese Funktion darf ähnlich wie bei Personal-/Betriebsräten keine Vorbedingung wie z.B. das Vorhandensein einer bestimmten Berufsausbildung oder eines Studiums geknüpft sein. Unabhängig davon, ob die Interessensvertreterin in erheblichem oder vollem Umfang für diese Aufgabe freigestellt ist, hat sie eigentlich einen anderen Beruf, den sie im Falle der Nichtwiederwahl weiter ausüben wird.

Auch der zeitliche Umfang der Aufgabenwahrnehmung spielt bei der Beurteilung, ob die Tätigkeit der Frauenbeauftragten hauptberuflich wahrgenommen wird, eine große Rolle. Dabei kommt es weniger auf eine konkrete Stundenzahl an, sondern auf das Verhältnis der Tätigkeit zu sonstigen Aufgaben oder darauf, ob mit der Tätigkeit ein Erwerbszweck verbunden ist.

Beispiel 1: Eine vollzeitbeschäftigte Sachbearbeiterin in einer Landesbehörde bekommt die Aufgabe der Frauenbeauftragten übertragen. Hierfür erhält sie ein Stundenkontingent von 10 Wochenstunden zugebilligt. Somit ist sie zwar hauptamtlich beschäftigt, aber nicht hauptberuflich als Frauenbeauftragte.

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