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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Alleinerziehende Frauen und Männer in Deutschland – Sozioökonomische Merkmale

Sozioökonomische Merkmale

Bildungsstand

Alleinerziehende tragen allein die materielle Verantwortung für sich und ihre Kinder. Sie sind unbedingt auf eine Erwerbsbeteiligung angewiesen, und die Chancen hierfür sind umso höher, je höher ihre Qualifikation ist. Eine Messgröße hierfür ist der Bildungsstand.

Nach der International Standard Classification of Education von 2011 (ISED)* besaßen 11,6 Prozent aller Alleinerziehenden eine hohe Bildung, d. h. sie hatten einen akademischen Abschluss oder einen Meister-/Techniker- bzw. Fachschulabschluss. Der prozentuale Abstand zwischen den Müttern und Vätern war hier mit 1,3 Prozentpunkten marginal. Anders sieht es beim mittleren und insbesondere beim niedrigen Bildungsstand aus, wie anhand Abbildung 8 zu sehen ist.

38,2 Prozent der Mütter besaßen eine mittlere Bildung, d. h. einen berufsqualifizierenden Abschluss und/oder das Abitur bzw. die Fachhochschulreife. Dieser Anteil machte bei den Vätern 43,2 Prozent aus, lag somit um 5 Prozentpunkte darüber. Dahingegen wiesen sie einen geringeren Prozentwert bei der niedrigen Bildung auf: Verfügten 44,3 Prozent der Männer über keinen Abschluss oder (zumindest) über einen Hauptschul- bzw. vergleichbaren Schulabschluss, fiel dieser Anteil bei den Frauen mit 50,5 Prozent bzw. um 6,3 Prozentpunkte höher aus (vgl. Abbildung 8).

Abb. 8: Alleinerziehende nach dem Bildungsstand (ISCED 2011), 2017 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; Mikrozensus; J. Roloff

Warum anteilig mehr alleinerziehende Mütter im Vergleich zu den Vätern einen niedrigeren Bildungsstand aufweisen, kann anhand der amtlichen Statistik nicht beantwortet werden. Eine Erklärung hierfür findet sich u. a. in einer Studie von Schwartz/Han (University of Wisconsin-Madison), in der sie den Bildungsstand und die Scheidungsstatistiken von Ehen vergleichen, die zwischen 1950 und 2009 geschlossen wurden: „Paare, bei denen beide Partner den gleichen Bildungsstand haben, werden heute deutlich weniger oft geschieden als diejenigen, bei denen der Mann die höhere Bildung hat“ (ebenda, 2014).

Erwerbsbeteiligung

Betrachtet man den Erwerbsstatus der Alleinerziehenden, so war 2017 mit 68,3 Prozent die Mehrheit als Erwerbstätige ausgewiesen, davon 67,3 Prozent der Mütter und (etwas mehr) 72,4 Prozent der Väter. Erwerbslos waren insgesamt 4,3 Prozent, 4,4 Prozent Frauen und 3,6 Prozent Männer. 27,6 Prozent der Alleinerziehenden waren nicht am Erwerbsleben beteiligt. Dabei machte dieser Anteil bei den Müttern 28,3 Prozent aus, wohingegen er bei den Männern mit 24 Prozent niedriger ausfiel.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es nicht stimmt, dass sowohl nicht am Erwerbsleben teilnehmende als auch erwerbslose Alleinerziehende grundsätzlich nicht an der Aufnahme einer Arbeit interessiert wären. So wünschte sich im Jahr 2017 über die Hälfte (56 Prozent) dieser Alleinerziehenden eine (Wieder-)Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Dabei besteht zwischen Frauen und Mann mit 55,3 bzw. 55,6 Prozent so gut wie kein Unterschied.

Hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung ist es sinnvoll, etwas näher nur die Alleinerziehenden mit mindestens einem minderjährigen Kind zu betrachten. Wie bereits oben vermerkt, waren dies von allen Alleinerziehenden 59,2 Prozent, darunter 61,7 Prozent der Mütter und 45,7 Prozent der Väter.

Im Folgenden wird dabei auf die sogenannte „realisierte Erwerbstätigkeit“* näher eingegangen. „Im Gegensatz zur ILO-Definition* werden Personen nicht zu den Erwerbstätigen gezählt, wenn ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von Mutterschutz oder Elternzeit unterbrochen ist. Das heißt, Personen, die zwar ein Erwerbsverhältnis oder ein eigenes Unternehmen hatten, aber aufgrund von Mutterschutz oder Elternzeit in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, werden hier nicht als erwerbstätig gezählt. Damit erlaubt dieser Ansatz Rückschlüsse über die tatsächliche Erwerbsbeteiligung von Eltern, da er berücksichtigt, in welchem Maße die eigene Erwerbstätigkeit an die familiäre Situation angepasst wird“ (Statistisches Bundesamt 2018, S. 25).

Zum Zeitpunkt der Erhebung 2017 befanden sich von den 952 Tausend erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter 3,4 Prozent in Elternzeit bzw. Mutterschutz, was dahingegen (hier bei der Elternzeit) für keinen der 151 Tausend Väter zutraf.

Entsprechend der o.a. Definition gingen 70,1 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 80,7 Prozent der alleinerziehenden Väter mit mindestens einem minderjährigen Kind einer Erwerbstätigkeit nach. Wie bereits bei der allgemeinen Erwerbstätigkeit aufgezeigt, liegen auch hier die Erwerbstätigenquoten der Männer höher. Diese prozentualen Unterschiede werden umso prägnanter, je jünger die Kinder sind. So war etwas über ein Viertel (27,3 Prozent) der Frauen mit mindestens einem unter drei Jahre alten Kind, dahingegen von der männlichen Vergleichsgruppe über zwei Drittel (68,0 Prozent) erwerbstätig. Anhand Abbildung 9 wird deutlich, dass sich mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes die realisierten Erwerbsquoten von Müttern und Vätern angleichen. Lag diese Quote bei den Frauen mit 3- bis unter 6-jährigen Kindern gegenüber den Männern noch um 9,4 Prozentpunkte niedriger, machte diese Spanne bei denen mit Kindern im Alter von 15 bis unter 18 Jahre nur noch 2 Prozentpunkte aus, und bei denen mit 10- bis unter 15-jährigen Kindern war die Erwerbsquote mit einer Differenz um 0,8 Prozentpunkte (hier zugunsten der Frauen) nahezu gleich hoch (vgl. Abbildung 9).

Abb. 9: Realisierte Erwerbsquoten der alleinerziehenden Mütter und Väter mit mindestens einem minderjährigen Kind nach dem Alter des jüngsten Kindes

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Alleinerziehende Mütter, insbesondere mit jüngeren Kindern, sind nicht nur weniger erwerbstätig als alleinerziehende Väter, sondern sie sind auch größtenteils weniger in Vollzeitjobs tätig.

Im Jahr 2017 war nicht einmal die Hälfte (41,6 Prozent) aller alleinerziehenden Mütter mit mindestens einem unter 18 Jahre alten Kind vollzeitbeschäftigt; von den Vätern war es dahingegen mit 87,6 Prozent die überwiegende Mehrheit. Dieser Unterschied zwischen Frau und Mann lässt sich ebenso abhängig vom Alter des jüngsten Kindes feststellen.

Bis zum Alter von zehn Jahren des jüngsten Kindes sind die Vollzeitquoten der Mütter nahezu unverändert. Erst danach steigen sie und erreichen bei den Müttern mit 15- bis unter 18-jährigen Kindern den Höchststand, liegen somit um 14,3 Prozentpunkte über der der Mütter mit unter 3-jährigen Kindern. Demgegenüber bleiben die Vollzeitquoten der Väter (abgesehen von einigen Schwankungen) unverändert hoch. Die Differenz zur relativen Vollzeitbeschäftigung der Mütter ist mit 61,4 Prozentpunkten bei denen mit unter 3 Jahre alten Kindern am auffälligsten, während sie bei den älteren Kindern im Durchschnitt rund 44 Prozentpunkte ausmacht (vgl. Abbildung 10).

Abb. 10: Vollzeitbeschäftigung alleinerziehender Mütter und Väter mit mindestens einem minderjährigen Kind nach dem Alter des jüngsten Kindes

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; J. Roloff

Ein Grund hierfür ist u. a., dass (und das liegt in der Natur der Sache) alleinerziehende Männer seltener für die Erziehung kleiner Kinder die alleinige Verantwortung tragen. „Neben unterschiedlichen Rollenvorstellungen könnte man als … Erklärung … vermuten, dass alleinerziehende Väter eher die Unterstützung Dritter bei der Kinderbetreuung erhalten. So können sie möglicherweise eher auf die Hilfe von Verwandten, Freunden oder des anderen Elternteils zurückgreifen. Da bedingt durch die höhere Erwerbsbeteiligung, zumeist in Vollzeit, ihr Erwerbseinkommen im Durchschnitt höher sein dürfte als das Einkommen alleinerziehender Mütter (wie noch zu sehen sein wird – J.R.), fällt es ihnen gegebenenfalls auch leichter, eine professionelle Betreuung zu organisieren“ (Statistisches Bundesamt 2018, S. 25).

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