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Alleinerziehende Frauen in West- und Ostdeutschland heute

Alleinerziehende Frauen heute

Im Jahr 2018 lebten in Deutschland insgesamt 2,6 Millionen Alleinerziehende, davon waren 84,3 Prozent Frauen. Von diesen waren 1,7 Millionen im Früheren Bundesgebiet und in den Neuen Ländern* 486 Tausend registriert. Ihr Anteil an allen Alleinerziehenden machte im Westen 83,9 Prozent und im Osten 85,3 Prozent aus.

Auf 100 aller Frauen mit Kindern kamen im Früheren Bundesgebiet rund 19 alleinerziehende Frauen. In den Neuen Ländern lag dieser Anteil mit 24,6 Prozent höher.

Alleinerziehende Frauen in den Bundesländern

Tabelle 1: Alleinerziehende Frauen in den Bundesländern, 2018

Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus; J. Roloff

Innerhalb aller Bundesländer lag im Jahr 2018 der Anteil alleinerziehender Frauen an allen Frauen mit Kindern in Berlin mit 27,7 Prozent am höchsten. „Dies liegt nahe, da Berlin mit mehr als 3,5 Millionen Einwohnern zu den Metropolen zählt und der Anteil der Alleinerziehenden in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern besonders hoch ist“ (Statistisches Bundesamt, 2018, S. 10). Fast gleich hoch lagen diese Quoten in den ostdeutschen Flächenländern Sachsen-Anhalt (25,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (25 Prozent). Am niedrigsten fielen die Anteile innerhalb Ostdeutschlands in Thüringen mit 23,5 Prozent und Sachsen mit 22,1 Prozent aus, lagen aber damit noch über denen in den westdeutschen Flächenländern. Dort war der Anteil der alleinerziehenden Frauen an allen Müttern am niedrigsten in Baden-Württemberg und Bayern (jeweils 17,1 Prozent) sowie in Rheinland-Pfalz (17,6 Prozent). Eine Ausnahme bilden die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen. D. h. deren Alleinerziehendenquoten lagen mit 23,9 und 22,4 Prozent weit über den Quoten der übrigen westdeutschen Länder und erreichen damit fast das ostdeutsche Niveau (vgl. Tabelle 1). „Dies liegt aber daran, dass Hamburg als weitere Metropole mit rund 1,8 Millionen Einwohnern und Bremen immer hin noch als Großstadt mit knapp 570 000 Einwohnern zu den Großstädten zählen, in denen auch in Westdeutschland der Anteil der Alleinerziehenden besonders hoch ist“ (ebenda, S. 10/11).

Altersstruktur

Im Jahr 2018 betrug das Durchschnittsalter* der westdeutschen alleinerziehenden Frauen 46,4 Jahre; das der ostdeutschen alleinerziehenden Frauen lag mit 39,6 bzw. um 6,8 Jahre darunter. D. h. Letztere sind jünger als ihre Vergleichsgruppe, was sich zudem in deren Altersstruktur widerspiegelt (vgl. Abbildung 4).

Abb. 4: Altersstruktur der alleinerziehenden Frauen in West- und Ostdeutschland, 2018 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus; J. Roloff

Beispielsweise waren 15,4 Prozent der alleinerziehenden Mütter im Westen und (etwas mehr) 20,8 Prozent derer im Osten unter 35 Jahre alt. 55 Jahre oder älter waren dahingegen 25,3 bzw. 19,3 Prozent der west- bzw. ostdeutschen alleinerziehenden Frauen (Abbildung 4).

In engem Zusammenhang mit dem Alter ist der Familienstand, die Anzahl und das Alter der ledigen Kinder der alleinerziehenden Mütter zu sehen.

Familienstand

Der Familienstand der alleinerziehenden Frauen differiert zwischen West und Ost besonders stark zum einen bei den Ledigen und zum anderen bei den Geschiedenen. In den Neuen Ländern war im Jahr 2018 fast die Hälfte (47,9 Prozent) aller alleinerziehenden Mütter noch nie verheiratet gewesen, d. h. (noch) ledig, dahingegen betrug dieser Anteil im Früheren Bundesgebiet nur 26,6 Prozent, lag somit um 21,4 Prozentpunkte darunter. Demgegenüber gab es bei Letzteren mit 42,6 Prozent anteilig bei weitem mehr Geschiedene als im Osten (29,4 Prozent). Bei den beiden übrigen Familienständen „verheiratet, getrennt lebend“ und „verwitwet“ sind die regionalen prozentualen Unterschiede nicht sehr hoch (vgl. Abbildung 5).

Abb. 5: Alleinerziehende Frauen in West- und Ostdeutschland nach dem Familienstand, 2018 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus; J. Roloff

Ein Indikator für den hohen Anteil lediger ostdeutscher Mütter ist die Nichtehelichenquote der Lebendgeborenen. In der Geburtenstatistik des Jahres 2018 waren von 100 Lebendgeborenen im Osten 55 Kinder von nichtverheirateten Eltern ausgewiesen; diese Quote lag im Westen nur bei 29,3 Prozent.

Anzahl und Alter der ledigen Kinder

Im Jahr 2018 hatte die Mehrheit der alleinerziehenden Mütter sowohl im Westen, 66,6 Prozent, als auch im Osten, 68,1 Prozent, ein Kind.* Auch bei den Frauen mit zwei Kindern und drei oder mehr Kindern lassen sich nur geringe regionale prozentuale Unterschiede feststellen (vgl. Abbildung 6A).

Anders sieht es beim Alter der Kinder aus. Im Westen lebten 58 Prozent der alleinerziehenden Mütter mit mindestens einem minderjährigen Kind zusammen, im Osten waren es mit 68,2 Prozent, d. h. um 10,2 Prozentpunkte mehr. Bis zur Altersgruppe 10 bis unter 15 Jahre lagen die Prozentwerte im Osten ebenfalls höher. Dahingegen fällt der regionale Unterschied bei den 18 Jahre und älter ledigen Kindern ins Auge: 42 Prozent der westdeutschen alleinerziehenden Mütter hatten Kinder dieses Alters; im Osten betrug diese Anteil 31,8 Prozent (vgl. Abbildung 6B).

Das ist ein eindeutiges Indiz für die oben aufgezeigten im Vergleich zum Osten höheren Anteile älterer und geschiedener alleinerziehenden Frauen im Westen.

Abb. 6: Alleinerziehende Frauen in West- und Ostdeutschland nach Kinderzahl (A) und Alter des jüngsten Kindes (B)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus; J. Roloff

Bildungsstand

„Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern stehen vor der Herausforderung, dass sie die materielle Verantwortung nicht mit einem Partner oder einer Partnerin im gemeinsamen Haushalt teilen können. Ihre Möglichkeiten zur Erwerbsbeteiligung sind daher von zentraler Bedeutung. Die Chancen auf eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt nehmen erfahrungsgemäß mit höherer Qualifikation zu“ (Statistisches Bundesamt, 2018, S. 22).

Abb. 7: Alleinerziehende Frauen in West- und Ostdeutschland nach dem Bildungsstand (ISCED 2011) – 2018 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; Mikrozensus; J. Roloff

Im Jahr 2018 verfügten 11,2 Prozent der westdeutschen alleinerziehenden Mütter über einen akademischen Abschluss oder einen Meister-/Techniker- bzw. Fachschulabschluss, d. h. entsprechend der International Standard Classification of Education von 2011 (ISED)* über eine hohe Bildung. Dieser Anteil lag bei der ostdeutschen Vergleichsgruppe mit 13,7 Prozent etwas höher. Das gilt ebenso für die mittlere Bildung (berufsqualifizierender Abschluss und/oder Abitur bzw. Fachhochschulreife). Hier betrug der Anteil bei den westdeutschen alleinerziehenden Frauen 37,7 Prozent und bei den ostdeutschen alleinerziehenden Frauen (etwas mehr) 40,4 Prozent. Von letzteren besaßen somit anteilig weniger als die westdeutschen keinen Abschluss oder (zumindest) einen Hauptschul- bzw. vergleichbaren Schulabschluss (niedrige Bildung) – 46 gegenüber 51,1 Prozent (vgl. Abbildung 7). Es sei festgehalten: „Ein niedrigerer Bildungsstand alleinerziehender Mütter findet sich vor allem im früheren Bundegebiet. In den neuen Ländern hatte der Bildungsstand … von Alleinerziehenden insgesamt ein höheres Niveau“ (ebenda, S. 23).

Erwerbstätigkeit

Im Jahr 2018 war mit 64,4 und 67,5 Prozent die große Mehrheit der alleinerziehenden west- und ostdeutschen Frauen erwerbstätig. Nur wenige 3,3 Prozent der westdeutschen alleinerziehenden Mütter war zum Zeitpunkt der Befragung erwerbslos. Dieser Anteil lag bei der ostdeutschen Vergleichsgruppe (bei einem ebenfalls niedrigen Niveau) mit 6 Prozent höher. Als Nichterwerbspersonen waren im Westen 28,3 und im Osten 26,2 Prozent der alleinerziehenden Frauen ausgewiesen.

An dieser Stelle ist es interessant zu wissen, dass derzeit sowohl nicht am Erwerbsleben teilnehmende als auch erwerbslose alleinerziehende Frauen mehrheitlich eine (Wieder-)Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit wünschen. Im Berichtsjahr 2018 machte dieser Anteil im Westen 52,2 Prozent und im Osten (noch mehr) 63,6 Prozent aus.

Im Folgenden wird etwas näher auf die realisierte Erwerbstätigkeit der alleinerziehenden Frauen* eingegangen.

„Mit der realisierten Erwerbstätigkeit liegt … für die Familienberichterstattung der amtlichen Statistik ein Messkonzept vor, das aus der Population der ILO- Erwerbstätigen* nur jene Teilmenge ausschließt, welche aufgrund von familiären Anpassungsleistungen die Erwerbsarbeit mit Mutterschutz oder Elternzeit unterbrochen hat. Damit erlaubt der Ansatz der realisierten Erwerbstätigkeit Rückschlüsse über die tatsächliche Erwerbsbeteiligung von Eltern, indem er ein vorübergehendes Aussetzen der beruflichen Tätigkeit in einer bestimmten Familienphase berücksichtigt“ (Hochgürtel, 2018, S. 32/33).

Zum Zeitpunkt der Erhebung 2018 befanden sich von 1.143 Tausend der erwerbstätigen alleinerziehenden Frauen im Westen wenige 1,7 Prozent in Elternzeit bzw. im Mutterschutz. Dieser Prozentsatz lag im Osten bei 3,4 Prozent. Somit waren 75,1 Prozent der alleinerziehenden Mütter im Westen real erwerbstätig und im Osten 72,1 Prozent. Betrachtet man im Folgenden nur die alleinerziehenden Mütter mit mindestens einem minderjährigen Kind, so unterscheiden sich hier die Quoten der realisierten Erwerbstätigkeit (ebenso wie bei allen alleinerziehenden Frauen) in West- und Ostdeutschland mit 71,8 bzw. 70,4 Prozent nur wenig. Das trifft auch für die einzelnen Altersgruppen der minderjährigen Kinder zu, wie (Abbildung 8) zeigt. Sind beispielsweise 30,8 Prozent der ostdeutschen alleinerziehenden Mütter mit mindestens einem unter 3-jährigen Kind real erwerbstätig, liegt diese Quote bei der westdeutschen Vergleichsgruppe mit 28,1 Prozent bzw. um 2,6 Prozentpunkte nur unwesentlich darunter. In den höheren Altersgruppen sind die regionalen Unterschiede ebenfalls relativ niedrig.

Abb. 8: Realisierte Erwerbsquoten der alleinerziehenden Mütter in West- und Ostdeutschland mit mindestens einem minderjährigen Kind nach dem Alter des jüngsten Kindes, 2018 (in Prozent)

Datenquelle: Statistisches Bundesamt; Mikrozensus; J. Roloff

Anders sieht das bei der Frage der Vollzeitbeschäftigung aus.

Im Osten übten alleinerziehende Mütter ihren Beruf deutlich häufiger in Vollzeit aus als im Westen. Mit einem jüngsten Kind unter 6 Jahren lag die Vollzeitquote hier bereits bei 45,6 Prozent gegenüber 31,3 Prozent im Westen. Oder: War das jüngste Kind im Alter zwischen 10 bis unter 18 Jahre, betrug die Vollzeitquote der alleinerziehenden ostdeutschen Mütter 57,8 Prozent, dahingegen im Westen 45,1 Prozent (vgl. Abbildung 9).

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