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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Alleinerziehende Frauen in West- und Ostdeutschland – ein Blick zurück

In diesem Beitrag wird hinterfragt, ob und welche Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen alleinerziehenden Frauen noch nach 30 Jahren des Mauerfalls gegeben sind.* Zuvor wird, quasi als Hintergrundinformation, ein kurzer Blick in die Geschichte geworfen.

Ein kleiner geschichtlicher Exkurs

Vorab kann festgestellt werden, dass es alleinerziehende Frauen seit eh und je gegeben hat. „Zu allen Zeiten hat es Mütter gegeben, die ihre Kinder allein aufzogen. In Folge von Krieg, Seuchen und Naturkatastrophen mussten Frauen oft ohne Ehemann die Kinder großziehen. Das war akzeptiert, solange die Moral gewahrt blieb. Als Witwen fielen sie nicht aus dem gesellschaftlich tolerierten Rahmen. Anders verhielt es sich bei ledigen Müttern und deren ‚Bastarden‘ – sie hatten unter Ausgrenzung und harten Bestrafungen zu leiden“ (Gurlit, 2019).

Uneheliche Kinder waren lange nicht den ehelichen Kindern gleichgestellt. In § 1589 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Urfassung von 1900, die bis 1970 galt, hieß es: „Ein uneheliches Kind und dessen Vater gelten nicht als verwandt.“ In den Motiven zum BGB stand: „Der Rücksicht auf die Heiligkeit und die hohe Bedeutung der Ehe wird … dadurch … Rechnung getragen, dass das uneheliche Kind zu dem Vater und dessen Familie rechtlich in keine Verbindung tritt … mit einer … unsittlichen Geschlechtergemeinschaft gleiche Wirkungen wie mit der Ehe zu verbinden … würde … die Gefahr einer Beförderung der Unsittlichkeit und des Konkubinates mit sich bringen.“* Zudem war in § 1707 BGB a.F. festgelegt: „Der Mutter steht nicht die elterliche Gewalt über das uneheliche Kind zu. Sie hat das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen; zur Vertretung des Kindes ist sie nicht berechtigt. Der Vormund des Kindes hat, soweit der Mutter die Sorge zusteht, die rechtliche Stellung eines Beistandes“.*

Ein knappes Vierteljahrhundert, d. h. im Jahr 1922 hat sich kaum etwas an dieser gesetzlichen Regelung geändert: „Die Mutter hat das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen; zur Vertretung des Kindes ist sie nur nach Maßgabe des (u. a. – J.R.) § 1707a* berechtigt. Der Vormund des Kindes hat, soweit der Mutter die Sorge zusteht, die rechtliche Stellung eines Beistandes; bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen der Mutter und dem Vormund über die Vornahme einer die Person des Kindes betreffende Handlung entscheidet das Vormundschaftsgericht. Die elterliche Gewalt steht der Mutter nur zu, wenn sie ihr vom Vormundschaftsgericht verliehen ist“ (BGB, § 1707).

Im Nationalsozialismus hatten die ledigen Frauen, die dem Führer ein Kind „schenkten“, einen etwas besseren Stand – allerdings nur die, die deutsch, „erbgesund“ und arisch waren. Viele ledige Mütter fanden, sofern sie und ihre Kinder den o.a. Rassekriterien entsprachen, auch Zuflucht in Heimen des „Lebensborns“.* Ihre Kinder wurden zumeist von SS-Familien adoptiert. Auch unter dem Nationalsozialismus galt: „Die (arische – J.R.) Mutter des natürlichen Kindes hat das Recht und die Pflicht, für die Person des Kindes zu sorgen.

Die Sorge für das Vermögen und die Vertretung des Kindes liegen dem Vormund ob; er hat die Mutter bei der Ausübung der Personensorge wie ein Beistand (Mitvormund) zu unterstützen und zu überwachen“ (Zweites Familienrechtsänderungsgesetz vom Juli 1940, § 11).

Im geteilten Deutschland existierten dann unterschiedliche Gesetzgebungen zu ledigen Müttern und ihren Kindern:

In der Bundesrepublik bekamen Frauen, die außerhalb der Ehe ein Kind geboren hatten, automatisch einen Amtsvormund, wenn es keinen Mann gab, der sich zur Vaterschaft bekannte, „da man ihr ganz offensichtlich die Kapazität absprach, allein verantwortlich Entscheidungen für ihr Kind zu treffen. Das umfassende elterliche Sorgerecht erhielten erwachsene Frauen mit außerhalb der Ehe geborenen Kindern im Westen formell erst 1998 mit der Abschaffung der verordneten Amtspflegschaft bei fehlender Vaterschaftsanerkennung“ (Domscheit-Berg, 2016, S. 4).

In der ehemaligen DDR wurde bereits 1950 im „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte“ (§ 17.1.). festgelegt: „Die nicht eheliche Geburt ist kein Makel. Der Mutter eines nicht ehelichen Kindes stehen die vollen elterlichen Rechte zu, die nicht durch die Einsetzung eines Vormundes für das Kind geschmälert werden dürfen.“ Diese Regelungen standen in direktem Gegensatz zu den zeitgleich in der BRD geltenden Gesetzen, die teilweise noch jahrzehntelang etwa Ehefrauen und Alleinerziehende diskriminierten (ebenda, S. 1).

Diese verschiedene Gesetzgebung zwischen West- und Ostdeutschland blieb bis zu o.a. Abschaffung der automatischen Amtsvormundschaft für erwachsene Alleinerziehende in Westdeutschland weiter bestehen.

Alleinerziehende Frauen im Jahr 1991

§ 1707
(weggefallen)
§ 1707a
Weggefallen.

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