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60 Jahre Antibabypille: Medikament und Wegbereiterin der Emanzipation

Foto von Karolina Grabowska von Pexels
Am 18. August 1960 kam das erste Medikament zur hormonellen Empfängnisverhütung auf den Markt. Insbesondere bei jungen Frauen war sie lange Zeit das beliebteste Verhütungsmittel.

Zwei Frauenrechtlerinnen, die Krankenschwester Margaret Sanger und die Biologin Katharine McCormick, gaben den Anstoß für das erste Medikament zur hormonellen Empfängnisverhüttung. Unter den Namen "Enovid" kam es am 18. August 1960 auf den amerikanischen Markt. Sanger und McCormick wollten damit illegale Abtreibungen verhindern und investierten über zwei Millionen Dollar in die Entwicklung des Medikaments.

Ein Jahr nachdem "Enovid" auf dem amerikanischen Markt erschienen war, kam die Piller unter dem Namen "Anovlar" in der Bundesrepublik auf den Markt. Die Pille wurde nur als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden an verheiratetet Frauen mit Kindern herausgegeben. Die empfängnisverhütende Wirkung wurde lediglich als Nebenwirkung im Beipackzettel erwähnt.

Make love not war

Die Pille war damals schwer zu bekommen. Ärzte standen dem Mittel skeptisch gegenüber und die katholische Kirche verteufelte damals wie heute die Geburtenkontrolle durch künstliche Verhütungsmittel generell. Der damalige Papst Paul VI. propagierte sogar die Untrennbarkeit von Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung.

Aber der Zeitgeist war ein anderer und die alte Gesellschaftsordnung hatte bereits begonnen zu bröckeln. Das Motto der freien Liebe, "make love not war", war mitbestimmend für den westlichen 68er-Aufbruch von Studierenden und Jugendlichen. Partner*innen wechselten so offen und häufig wie nie zuvor.

Die sexuelle Befreiung schuf aber auch neue Zwänge für die Frauen. Vorher sollten die jungen Mädchen und Frauen noch in die Ehe gehen und jetzt wurde von ihnen permanente sexuelle Verfügbarkeit erwartet, deren Konsequenzen sie selber tragen sollten.

Mit der Hormonkeule zur Geburtenkontrolle

Bei der Einnahme der Pille verändern künstliche Hormone den natürlichen Zyklus, wodurch natürlich Nebenwirkungen entstehen können. Die ersten Pillen enthielten das Schwangerschaftshormon Progesteron und das weibliche Hormon Östrogen. Während Progesteron den Eisprung unterbindet und damit eine Befruchtung verhindert, sollte das Östrogen die Einnahme verträglicher machen.

Doch Östrogen erhöht auch das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien. Außerdem konnten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen oder Zwischenblutungen eintreten.

Anfang der 2000er-Jahre wurden Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon entwickelt. Die Nebenwirkung der Gewichtszunahme sollte damit nicht mehr auftreten. Doch das Risiko einer gefährlichen Thrombose blieb. Noch heute wird die Pille insbesondere der jüngeren Generation verschrieben. Bei einer Auswertung der AOK kam heraus, dass junge Frauen zwar heutzutage häufiger als früher risikoärmere Präparate verordnet bekommen, dass aber immer noch mehr als jede zweite Pillen-Nutzerin (52 Prozent) unter den Mädchen und Frauen bis 20 Jahre im Jahr 2019 ein Präparat mit einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien eingenommen hatte. Hinzukommt, dass die Pille oft auch als Aknemittel verschrieben wird, da die Wirkstoffe die Talgproduktion hemmen.

Pille adé?

Doch es lässt sich auch ein deutlicher Rückgang der Pillen-Nutzung in der jüngeren Generation feststellen. Immer mehr Frauen wollen ihren Körper nicht mehr den künstlichen Hormonen aussetzen und die beschriebenen Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Zu einer Zunahme ungewollter Schwangerschaften hat die Abkehr von der Pille übrigens nicht geführt, sondern vielmehr das Kondom wieder zu einem wichtigeren Verhütungsmittel werden lassen.

Dieser Trend, den eigenen Körper weniger zu belasten und andere Wege zur Verhütung zu beschreiten, steht nicht allein. Auch der Gedanke, dass Frauen und Männer beide einen Teil zur Verhütung beitragen sollten, verstärkt sich bei der jüngeren Generation. Doch eine Pille für den Mann gibt es nicht. Im Gegenteil, die Forschungen daran wurden wegen der Nebenwirkungen – Depressionen, Libidoverlust etc., also genau den Folgen, unter denen viele Frauen wegen der Pille bereits seit Jahrzehnten leiden – eingestellt.

Quellen und Hintergründe:





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