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Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Struktur und Verlauf des Beratungsgespräches

Grundlegende Aspekte

Die Durchführung von Beratungsgesprächen ohne einen geordneten und strukturierten Gesprächsverlauf ist nicht denkbar. Dies soll kein Appell für einen technokratisierten Gesprächsverlauf des Beratungsgespräches sein. Das Erfordernis einer gewissen Strukturierung des Verlaufs des Beratungsgespräches ist vielmehr der aus der Erfahrung abgeleiteten Erkenntnis geschuldet*, dass Beratung ohne ein gewisses Mindestmaß an Strukturierung ihres Verlaufes nicht die eigentliche Aufgabe – nämlich insbesondere Problemlösekompetenz* zu vermitteln – lösen kann.

Beratungstätigkeit in diesem Sinne verlangt je nach Schwerpunkt des Beratungsgespräches mehr oder minder stark ausgeprägt auch, dass die Beraterin die Führung im Beratungsgespräch* hat und behält. Sonst kann sie allzu schnell in den Sog der Verwirrungen oder Unklarheiten der Ratsuchenden hineingezogen werden, bevor es überhaupt zu inhaltlichen Klärungen kommen kann. Wer kennt das nicht: plötzlich befindet man sich als Beraterin inmitten des Problemfeldes der Ratsuchenden gleichfalls verstrickt, erliegt möglicherweise durch unbewusst aufgezwungener Parteinahme dem agierenden Teil der um Hilfe und Beratung nachsuchenden Partei u. v. m. Meist merkt man an einem unguten „Bauchgefühl“ oder nicht zuletzt auch an der Unzufriedenheit der Ratsuchenden selbst, dass einem die Beratungssituation entgleitet, dass das eigentliche Anliegen nicht verwirklicht werden kann. Der Anspruch auf Führung des Gesprächsverlaufes durch die Beraterin ist dann umso wichtiger und notwendiger, je komplizierter und komplexer das Sachproblem und/oder die Beziehungen der an der Beratung Beteiligten sind.

Bevor die eigentliche inhaltliche Beratungsarbeit stattfinden kann, ist es erforderlich, den gesamten äußeren und inneren Rahmen – alles organisatorische, geschäftsmäßige, administrative und u.U. auch vertragliche, finanzielle des Beratungsgespräches – durch Strukturierung und Gestaltung festzulegen ggf. abzustimmen. Dabei wird zugleich unterstellt, dass eine kompetente Beraterin über ihre Professionalität und ihr Einfühlungsvermögen in der Lage ist, einen geplanten und gestalteten Gesprächsverlauf jeweils flexibel auf die sich realiter abzeichnende Beratungssituation anzupassen; im Einzelfall kann dies zu Modifikationen im Strukturierungsverlauf des Gespräches sowohl inhaltlich, räumlich als auch zeitlich und personell führen. Wichtig ist dabei nur, das die Führung des Verlaufs des Beratungsgespräches in den Händen der Beraterin bleibt!

Phasen des Beratungsgespräches

In der täglichen Beratungsarbeit sollten nachfolgende fünf Phasen* eines Beratungsgespräches eingehalten werden:

  1. Vorbereitung des Gespräches

  2. Beziehungs- und Situationsklärung

  3. Themen- / Problemdefinition und -analyse

  4. Herausarbeitung von Lösungs- und Kompetenzstrategien

  5. Abschluss des Beratungsgespräches

Zur 1. Phase: „Vorbereitung des Gespräches“:

Will die Gleichstellungsbeauftragte die ihr übertragenen Beratungsaufgaben ausüben, ist sie zugleich gut „beraten“, wenn sie sich selbst auf das Gespräch vorbereitet, Beratungsgespräche auf Zuruf und zwischen „Tür und Angel“ werden i.d.R. nicht erfolgreich verlaufen.

Bei der Vorbereitung des Gespräches sollte sich die Beraterin insbesondere an den folgenden Schwerpunkten orientieren*:

  • Selbstklärung mit Hilfe des Kommunikationsquadrates*: Sachebene:

    • wie ordne und sehe ich die mir schon bekannten Sachinformationen,

    • welche Punkte halte ich für klärungsbedürftig;

    • was möchte ich unbedingt ansprechen bzw. vermeiden;

    • wie wird die Ratsuchende – soweit mir schon bekannt – den Sachverhalt sehen,

    • welche Informationen brauche ich ggf. von der Ratsuchenden;

    Beziehungsebene:

    • welche Beziehung habe ich zu meiner Gesprächspartnerin/meinem Gesprächspartner,

    • welche Beziehung haben die Gesprächspartner zu mir: z.B. vertrauensvoll, kritisch, gespannt etc.;

    Appellebene:

    • was ist das Ziel des Beratungsgespräches,

    • was erwarte ich, was erwartet die Ratsuchende vom Gespräch;

    Selbstkundgabe:

    • wie fühle ich mich im Hinblick auf das Thema, die Beteiligten etc., wie wird es der Ratsuchenden gehen;

  • Überlegungen zur Festlegung des formellen Rahmens:

    • wo und wann findet das Gespräch statt,

    • wer nimmt teil, wie viel Zeit wird veranschlagt,

    • wie sichere ich meine Aufmerksamkeit und die meiner Gesprächspartner, gibt es u.U. brisante Gesprächspunkte, wie will ich damit umgehen,

    • muss ich mir vorher noch weiteres Wissen und Informationen für das Gespräch besorgen usw. usf.

Mit Hilfe der Selbstklärung und Festlegung des formellen Gesprächsrahmens sichert die Beraterin, dass sie sich nicht selbst erst beim Gespräch ordnen und einstimmen muss, sondern gleich von Anbeginn an präsent und effizient arbeiten kann (wer erst selbst mit sich ins Reine kommen muss, kann nicht seine gesamte Aufmerksamkeit dem Gegenüber widmen); auch die Gestaltung eines Gesprächsrahmens schafft hierfür förderliche Bedingungen.

Zur 2. Phase: „Beziehungs- und Situationsklärung“:

Aufgabe dieser Phase ist es insbesondere, zunächst einmal ohne bereits auf inhaltliche Aspekte des Einzelfalls dezidiert einzugehen, eine tragfähige Beziehung / ein produktives Arbeitsbündnis zwischen der Beraterin und der / den Ratsuchenden herzustellen und alle Aspekte des Beratungsgespräches zu klären, die letztlich als Gesprächsvoraussetzung aller Beratung zu bestimmen sind. Hierbei wird z.B.

  • auf die Ermittlung des konkreten Anlass des Beratungsgespräches einzugehen sein,

  • zu klären sein, welche Erwartungshaltungen, Ziele oder auch Befürchtungen bei der / den Ratsuchenden bestehen,

  • über welche Informationen man bereits verfügt und wie das weitere Beratungsgespräch von der Beraterin geplant ist – z.B. wie viel Zeit zur Verfügung steht, welche sonstigen organisatorischen und u.U. administrativen Dinge von Bedeutung sind,

  • wie man miteinander umgehen will etc.

In dieser Phase sollten auch all die Dinge ausgemacht und konkret benannt werden, die Anhaltspunkte für unterschiedliche Standpunkte, Erwartungen, Voraussetzungen zwischen den Beteiligten des Beratungsgespräches geben, um so Missverständnisse in der Zukunft, unberechtigte Erwartungshaltungen und Enttäuschungen zu vermeiden, denn „… die Illusionen von heute sind die Katastrophen von morgen“.* So kann und muss die Beraterin z.B. bereits in dieser Phase, wenn für sie erkennbar wird, dass die Ratsuchende „nur“ auf die Unterbreitung eines Patent- und Lösungsvorschlages für ihr Problem wartet, prüfen, ob dies auch im Einzelfall dem Verständnis der Beraterin selbst und ihren Möglichkeiten* entspricht, oder ob es nicht vielmehr darum geht, „Hilfe zur Selbsthilfe zu geben“, die Beraterin nur in diesem Rahmen handeln und beraten will. Klärung hier, bedeutet klare Beziehung zwischen den Beteiligten, was schlussendlich zu klaren Beratungsbeziehungen führt und Voraussetzung für eine gelungene Beratung ist.

Zur 3. Phase: „Themen-/Problemdefinition und -analyse“:

Diese Phase legt den inhaltlichen Rahmen des Beratungsgespräches fest. Worum geht es, was genau ist das Anliegen der Ratsuchenden? In dieser Phase kommt es wesentlich darauf an, die eigenen Vorstellungen darüber, was denn das Problem sein könnte, vorerst in den Hintergrund zu drängen und auch nicht – aus falsch verstandenen Lösungsbemühungen heraus – vorschnell sich auf ein Problemfeld / Themenfeld zu fokussieren und schon eine Lösung parat zu haben. In dieser Phase geht es vielmehr darum, durch „Entschleunigung“ der Ratsuchenden einen Raum zu geben, der eine komplexe und unvoreingenommene Betrachtung des anvisierten Themas/Problems ermöglicht. Alles, was man hier an Zeit investiert, sichert am Ende eine wirklich effiziente Beratungsarbeit, vermeidet, das man sich schnell auf vermeintlich „erkannte“ Themen und Probleme „stürzt“, die am Ende doch nicht „des Pudels Kern“ sind.

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