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Stolze Ballkünstlerinnen: 10 Jahre "Kicking Girls"

Fußball ist mehr als ein Spiel mit rundem Leder: Für Migrantinnen und Mädchen aus sozial schwachen Familien bedeutet er Spaß, Anerkennung und Freiheit. Seit zehn Jahren bringt „Kicking Girls“ für sie den Ball ins Rollen. Die Universität Duisburg-Essen (UDE) unterstützt das Projekt, das jetzt mit dem UEFA Award for Children ausgezeichnet wurde.

Nadia Taheri stammt aus einer fußballverrückten Familie. „Kicking Girls“ wurde für die Tochter marokkanischer Einwanderer zum Startschuss für eine kleine Karriere: Als eine der ersten ließ sich Nadia zum Coach ausbilden und leitete danach eine Fußball-AG in der Grundschule. „Die Arbeit mit den Dritt- und Viertklässlerinnen machte mich stolz und selbstbewusst.“ Damit nicht genug: Sie wechselte als Trainerin zum Verein Rhenania Hamborn und baute dort nebenbei eine Mädchenfußballabteilung auf. Bis heute trainiert die 27-jährige Erzieherin ihr Team und koordiniert „Kicking Girls“ in Duisburg.

„Von alleine trauen sich die Mädchen oft nicht zum Fußball, da ist es gut, wenn sie jemand wie Nadia auf unser Projekt aufmerksam macht. Sie ist ein großes Vorbild für die Mädchen in Duisburg“, erklärt Projektleiterin Dr. Katharina Althoff. In den vergangenen zehn Jahren sind 1310 Mädchen Nadias Vorbild gefolgt und haben sich bundesweit zum Coach ausbilden lassen. Knapp 30.000 traten in Schul-AGs gegen den Ball, 33.500 wetteiferten bei 50 Turnieren im Jahr um den Sieg. Fußballcamps sorgten in den Sommerferien für Action. „15 Prozent unserer Mädels haben inzwischen den Weg in einen Verein geschafft“, freut sich Althoff. Eine bemerkenswerte Zahl, gibt es doch in den Familien zunächst oft Bedenken, die Töchter Fußball im Verein spielen zu lassen.

„Kicking Girls“ nimmt ihnen die Bedenken. Das Projekt kommt ohne feste Mitgliedschaft und ohne Beitrag aus. Die Mädchen können sich an ihrer Schule oder in der Nähe zum Spielen im lokalen Verein treffen. Es gibt weniger Leistungsdruck und keine gemischten Gruppen – das überzeugt auch die skeptischsten Eltern. „Wenn die Mädchen unter sich sind, fühlen sie sich geschützt. Sie sind selbstbewusster, übernehmen mehr Verantwortung und lernen Sozialkompetenz“, so Althoff. In Essen und Oldenburg dribbeln inzwischen auch die ersten Mädchen über den Platz, die mit der Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen sind.

Eine Entwicklung, die besonders Dr. Ulf Gebken freut. Der UDE-Professor für Sozialwissenschaftliche Grundlagen des Sports gründete „Kicking Girls“ vor zehn Jahren mit dem Verein „Integration durch Bildung und Sport“. Als Sponsor überzeugte er den Deutschen Fußballbund (DFB), der das Projekt zu Beginn bundesweit stark machte. Neben lokalen Partnern und Sportvereinen engagiert sich heute besonders die Laureus Stiftung für das Projekt.

Alle Ziele sind aber noch längst nicht erreicht: „Wir möchten weiter wachsen“, so Professor Gebken. Gekickt wird neben Deutschland auch schon in Österreich, Belgien, Irland und der Schweiz. „Aber es gibt noch genug weiße Flecken auf der Landkarte.“ Das UEFA-Preisgeld von 50.000 Euro soll in den Ausbau des Projekts fließen und den Austausch über Ländergrenzen hinweg stärken.





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