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Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Social freezing oder der eingefrorene Kinderwunsch

Frauen wissen: Die biologische Uhr tickt. Das beste Alter zum Kinderkriegen liegt bei Anfang bis Mitte zwanzig, ab dreißig lässt die Fruchtbarkeit allmählich nach. Trotzdem steigt das Alter an, in dem die Frauen ihr erstes Kind bekommen: Waren die betreffenden Frauen 1991 noch im Schnitt knapp 27 Jahre alt, lag das Durchschnittsalter laut Zahlen des Statistischen Bundesamts im Jahre 2014 schon bei 30 Jahren, Tendenz weiter steigend. Bei manchen Frauen stehen die beruflichen Ziele im Vordergrund, bei anderen fehlt der geeignete Partner, oder sie haben andere persönliche Gründe. Besonders gut ausgebildete Frauen verschieben ihren Kinderwunsch auf spätere Jahre – mit dem Risiko, für die Verwirklichung dann die Unterstützung der Reproduktionsmedizin zu benötigen.

Medizinischer Hintergrund

Alle Eizellen der Frau sind schon bei Geburt angelegt in den Eierstöcken, Mädchen werden mit 40.000 bis 50.000 Eizellen geboren. Danach entwickeln sich keine neuen, im Gegensatz zum Mann, der laufend neue Samenzellen produziert, bis ins hohe Alter. Entsprechend sind Männer nahezu unbegrenzt zeugungsfähig.
Die Eizellen altern mit dem weiblichen Körper; in jedem Zyklus reifen einige heran, gelegentlich wird eine davon befruchtet, d. h. die Frau wird schwanger. Je jünger die Eizelle, desto besser ist sie befruchtbar, und desto unkomplizierter wird die Frau schwanger. Je älter die Frau, desto schwieriger wird es mit dem „einfach Verhütung absetzen und schwanger werden“. Dazu kommt, dass mit steigendem Alter und damit älterer Eizelle das Risiko wächst, dass es in der kindlichen Entwicklung zu Problemen kommt, d. h. die Rate der Fehlgeburten steigt ebenso an wie die Rate der Kinder mit Chromosomenstörungen. In den Wechseljahren, Beginn ca. Mitte vierzig, kommt es nur noch selten zum Eisprung; die letzte Blutung markiert gleichzeitig das Ende der weiblichen Fruchtbarkeit.

Social freezing: Die Methode

Einen Ausweg aus dem Dilemma – biologische Uhr versus „richtiger Zeitpunkt“ – verspricht eine neue Methode: Man kann die eigenen Eizellen einfrieren lassen, um sie dann im geeigneten Augenblick zu nutzen. Die Methode wurde im Rahmen der Krebsbehandlung entwickelt. Wenn junge krebskranke Frauen sich einer intensiven Chemotherapie unterwerfen müssen, laufen sie Gefahr, dass ihre Eierstöcke dabei zerstört werden. Um diesen Frauen die Chance zu erhalten, nach überstandener Therapie doch noch eigene Kinder zu bekommen, wird ihnen angeboten, vor der Chemotherapie Eizellen oder Eierstocks-Gewebe zu entnehmen, um sie einzufrieren und dann evtl. später zu nutzen.

Der Vorgang selbst ist weitgehend identisch mit dem bei der Kinderwunschbehandlung IVF (in vitro Fertilisierung): Erst eine hormonelle Stimulation, um gleichzeitig mehrere Eizellen zur Reifung zu bringen, und dann die Punktion der Eierstöcke zur Gewinnung der Eizellen. Der entscheidende Unterschied zur „normalen“ IVF: Die gewonnenen Eizellen werden nicht sofort befruchtet und dann wieder eingesetzt, sondern alle gleich auf Eis gelegt, und das über Monate bis Jahre. Diese sogenannten Kryokonservierung ist ebenfalls schon länger bekannt und aus der IVF üblich: Sie ermöglicht Frauen, bei denen die erste IVF-Behandlung nicht zur Schwangerschaft führt, sich erneut befruchten zu lassen mit „tiefgefrorenen“ Eizellen, ohne den erneuten Vorlauf von hormoneller Stimulation und Punktion der Eierstöcke. Das macht etwas aus, denn beides birgt Risiken: Die Hormone müssen genau dosiert werden, damit es nicht zu einer gefährlichen „Über-Stimulation“ kommt, und bei der Punktion der Eierstöcke kann es zu inneren Verletzungen und Blutungen kommen.

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