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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Pille danach rezeptfrei erhältlich – Folgen der Rezeptfreigabe

Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat schnell reagiert auf die neue Aufgabe, die auf die Apotheken zukam. Sie hat Curricula für Schulungsseminare entwickelt und umfassende Beratungsunterlagen erarbeitet (BAK 2015). Durchaus nicht alle Apothekerinnen und Apotheker waren und sind von der neuen Situation begeistert, wie ich in persönlichen Gesprächen erfahren habe. Es bedeutet für sie eine deutliche Mehrbelastung, gerade in den Notdienstzeiten (28 Prozent der Notfallkontrazeptiva werden am Wochenende in der Apotheke verlangt, zu Zeiten der Rezeptpflicht waren es nur 7 Prozent (Arzbach 2016)). Meist kommen die Paare zusammen, aufgeregt und in großer Sorge, oft mitten in der Nacht. Die Verantwortung ist groß, moralische Fragen können sich stellen.

Die Apothekerinnen und Apotheker sollen u. a. klären: Ist die Notfallkontrazeption aufgrund der von der Frau berichteten Situation erforderlich? Gibt es Gründe, die gegen die Einnahme sprechen? Welcher der beiden Wirkstoffe ist angebracht? Wäre evtl. die Spirale eine bessere Alternative? Was muss bei der Einnahme und in den kommenden Tagen und Wochen beachtet werden? Im Zweifelsfall (z. B. bei sehr jungen Mädchen, bei Verdacht auf eine schon bestehende Schwangerschaft, vor allem aber bei Verdacht auf sexuelle Gewalt) soll nach Empfehlung der BAK auf jeden Fall eine ärztliche Konsultation empfohlen werden. Bei Verdacht auf eine bestehende Schwangerschaft soll die Pille danach nicht abgegeben werden. Die Abgabe soll auf den Notfall beschränkt bleiben.

Wie (gut) klappt das in der Praxis? Die wenigen vorliegenden Erhebungen (ProFamila 2015, 2017) weisen darauf hin, dass es „Unsicherheiten gibt bei der Abgabe (insbesondere an Minderjährige, Dritte und bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt) sowie ein stark uneinheitliches Vorgehen“. Das ist besonders problematisch im Umgang mit Gewaltopfern: Hier würden nur ca. die Hälfte der Apotheken die Pille danach abgeben, obwohl es gerade in diesen Fällen für die Frauen „eine sehr große Erleichterung darstellt“ (Pro Familia 2017).

Die Abgabemenge ist um mehr als 50 Prozent angestiegen (Ludwig 2017); dabei überwiegt UPA, obwohl es mit gut 30 Euro doppelt so teuer ist wie LNG. Ob Betroffene durch die Kosten insgesamt von der Notfallkontrazeption abgeschreckt werden, ist nicht bekannt. Für unter 20-Jährige übernimmt die Krankenkasse die Kosten, wenn ein ärztliches Rezept vorgelegt wird, das allerdings vor dem Gang in die Apotheke besorgt werden muss.

Die zentrale Befürchtung aber, vor der die beiden großen gynäkologischen Verbände BVF (Berufsverband der Frauenärzte) und DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) immer wieder mit unterschiedlichen Begründungen gewarnt haben (z. B. BVF / DGGG 2013), hat sich nicht bewahrheitet: Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist nicht angestiegen nach der Rezeptfreigabe. Im Gegenteil: Der über die Jahre beobachtete leichte Abwärtstrend ging weiter, sowohl in absoluten wie in relativen Zahlen, von 102.815 Abbrüchen im Jahr 2013 über 99.237 im Jahr 2015 auf 98.721 im Jahr 2016.

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