Werden Sie Premium-Mitglied!
Als Premium-Mitglied profitieren Sie uneingeschränkt von allen Inhalten.
Jetzt gratis Newsletter abonnieren!
Beiträge
aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Beiträge lesen >>
 
Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.

Mein Darm, dein Darm, Dickdarm

Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Martina Morf-Koller teilt in ihrer Kolumne Wissenswertes zum Thema gesunde Ernährung. In diesem Artikel teilt die Autorin einen guten Ratschlag für das neue Jahr: Worauf Sie in Ihrer Ernährung achten sollten, damit auch der Darm glücklich ist.

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den Fitness-Studios, den Biomärkten und Gemüseabteilungen stapeln sich die Neuzugänge. Was sagt Ihnen das? Genau, es ist Januar. Kurzfristig werden gute Vorsätze umgesetzt. Die meisten von ihnen erliegen allerdings schon nach ca. zwei Wochen der Nichtbeachtung. Zumindest mussten sie nicht lange leiden. Also mein Mann und ich hatten „weniger Alkohol und mehr Bewegung“ bereits Neujahr mittags abgearbeitet, Haken dahinter und gut ist. Mal ganz ehrlich: unabhängig von all dem, was wir uns Gesundes vorgenommen haben, sind wir am Ende sterblich. Und was heißt hier eigentlich Idealgewicht? Jahrelang hat man uns eingeredet, wir müssten Körpergröße minus 100, minus 10-15% in Kg erreichen, um Gesund zu sein. Alles Humbug, Fake News sozusagen. Heute weiß man, dass diese Berechnung nämlich eigentlich auf einem Fehler amerikanischer Lebensversicherer beruht. Das verrät Ihnen natürlich niemand einfach so. Damit verdient sich kein Geld. Statistisch gesehen ist ganz dünn auch nicht gesünder als leicht mollig. Gut, dass beruhigt jetzt vielleicht nicht wirklich jeden, dessen Kleidung an prominenter Stelle zu eng geworden ist. Aber auch nicht jedes Kilo-weg-Programm aus der Illustrierten beim Friseur passt für alle. Manchmal glaube ich, dass große Teile einschlägiger Heftchen nur existieren können, weil irgendwann jemand die Diät erfunden hat.

Der Teufel Fast Food, voller leerer Kohlenhydrate, gesättigter Fettsäuren und Zucker, frei von Ballaststoffen, kaufreundlich zubereitet, soll verantwortlich sein für das Gesamtkonzept Zivilisationskrankheit. Aber als wir auf die Welt gekommen sind, gab es Fast Food pur den ganzen Tag. Muttermilch nämlich, hochkalorisch, fett- und milchzuckerhaltig und null Ballaststoffe. Genau das richtige für kleine empfindliche Wesen, die kräftig wachsen müssen. Über lange Zeit hinweg haben uns die Wissenschaftler erzählt, dass zu viel oder überhaupt Salz ganz schlecht für den Blutdruck sei. Jetzt „synchronisiert“ das Salz plötzlich den Stoffwechsel und beeinflusst damit den Blutdruck positiv. Der Tipp von heute ist morgen schon Geschichte, oder wie? Gehen wir es philosophisch an.

Diät, in seiner ursprünglichen Bedeutung, meint nämlich so viel wie Lebensführung oder Lebensweise. Da steht nicht ganz groß „Reduktionskost“ vorne drauf. Es geht eigentlich um bestimmte Ernährungskonzepte und Lebensprogramme, die sich positiv auf den Körper und seine Erkrankungen auswirken sollen. Abnehmen ist nur ein kleiner Teil davon. Nehmen wir zur Anschauung die Gicht. Hierbei geht es darum, die in bestimmten Nahrungsmitteln vorhandenen Purine zu vermeiden um einen erneuten Gichtanfall zu verhindern. Also alternative Produkte essen, nicht bloß ein einfaches Weglassen.

Wenn wir uns für dieses Jahr einfach mal was Gutes tun wollen, dann sollten wir uns Zeit für unseren Darm nehmen. Es gibt ein altes Sprichwort von Paracelsus, welches vereinfacht sagt: der Tod liegt im Darm. Dort tummeln sich, mit bloßem Auge kaum sichtbar, Unmengen von Fremdwesen. Die sollte man sich freundlich gesonnen halten. Sie sind nämlich mehr als wir, wenn man die reine Zahl der Zellen nimmt und sie sind gut organisiert. Etwa 100 Billionen bevölkern die bis zu 400qm große Oberfläche der Darmschleimhäute. Diese Darmflora, die heute auf neudeutsch intestinale Mikrobiotika genannt werden möchte, kann uns das Leben ganz ordentlich vermiesen, wenn sie aus dem Gleichgewicht kommt. Da der Darm die Nährstoffe aus der Nahrung filtert und in den Körper schleust, kommt seiner Gesundheit eine große Bedeutung zu. Irgendwie logisch. Die bevorzugte Strategie sollte eine ausgewogene Nahrung sein, von allem etwas und alles zu seiner Zeit. Und eigentlich kann der Darm ganz gut allein klarkommen, auch wenn uns die Industrie mit allerlei flüssigen und überflüssigen Produkten überschwemmt, die wir doch sicher zur Unterstützung der Schleimhaut und Mikroorganismen, der Peristaltik, der Verarbeitung und Zerlegung der Nahrungsbestandteile und überhaupt gebrauchen könnten.

Nach Antibiotika-Einnahme oder Magen-Darm-Erkrankungen kann das sehr hilfreich sein. Und natürlich gibt es Menschen, die z. B. Laktose oder Gluten nicht gut vertragen können. Aber wer im Ansatz gesund ist, braucht definitiv nicht prophylaktisch laktosefreie Milch oder Kapseln mit Gluten-spaltenden Enzymen. Werbewirksam heißt es heutzutage Glutensensitivität und nicht mehr Unverträglichkeit. Da fällt mir ein: müsste es dann nicht entlaktofizierte Milch heißen, so wie beim „koffeinfreien“ Kaffee?

Nutzen wir das neue Jahr und sorgen für ein gesundes Darmmilieu. Dann freuen sich unsere Mitbewohner und belohnen uns mit einem funktionierenden Immunsystem, mentaler Energie, sportlicher Leistung und gesunder Haut. Es dauert vielleicht einen kleinen Augenblick, aber dafür ist es nachhaltig. Ein wenig Vollkorn, Nüsse, Hülsenfrüchte, ab und an Gemüse, vielleicht einen Apfel und mal einen Salat, ist echt nicht kompliziert. Und für die Peristaltik braucht es einfach nur Bewegung und gestärkte Bauch- und Atemmuskulatur. Wenn Ihnen Bauchaufzüge nicht so liegen, Atmen kriegen Sie schon hin.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen bewegten und abwechslungsreichen Start ins neue Jahr.

 

Die Autorin

Dr. Martina Morf-Koller lebt mit Mann und Kind in Hamburg-Bergedorf und arbeitet dort als Heilpraktikerin in eigener Praxis. Sie hat sich auf Beschwerden und Schmerzen des Bewegungssystems spezialisiert. Dabei behandelt sie Muskeln, Gelenke, Wirbelsäule und fasziale Netzwerke manuell und vermittelt alltagsbezogene ökonomische Bewegungsformen um die Körperstruktur nachhaltig zu verbessern. In klientenzentrierter Gesprächstherapie entwickelt sie mit Patienten individuelle Strategien zur Stressbewältigung. Als Ernährungsberaterin liebt sie es außerdem Wissenswertes zum Thema "gesunde Ernährung" humorvoll aufzubereiten und praxistauglich ihren Patienten näherzubringen. Ernährungsberatung soll auf jeden Fall Genuss, Lebensfreude und auch Spaß vermitteln, denn sonst kommt das Wissen nicht an.



Sie müssen eingeloggt sein, um Artikel weiterleiten zu können.