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aus dem Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
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Die Justiz ist weiblich – aber nur im Mythos

Bild: Lupo / www.pixelio.de
Die Gerechtigkeit ist blind: mit verbundenen Augen fällt Justitia ihr Urteil, ganz gleich, wer vor ihr steht. Aber jenseits vom Mythos ist die Rechtswissenschaft alles andere als blind und auch keineswegs weiblich.

Der Frauenanteil in den Rechtswissenschaften hat sich in den vergangenen 40 Jahren maßgeblich erhöht. Während unter den Jurastudierenden im Jahr 1975 nur 29 % Frauen vorhanden waren, konnte deren Anteil nun bis 2014 auf 57,7 % erhöht werden. Bereits seit dem Jahr 2000 befindet sich der Frauenanteil der Studierenden in den Rechtswissenschaften deutlich über der Hälfte und spiegelt damit auch den Anteil von Frauen in der Gesellschaft wider. Aber dieses Gleichgewicht wird im Laufe des Karriereweges mehr und mehr zerstört: Lediglich 15,8 % der Professuren im Bereich Jura werden aktuell von Frauen eingenommen. Aber wann und wieso bricht der Frauenanteil auf dem Weg zur Juraprofessur ein?

Der Weg vom Jurastudium bis zur Professur ist lang und fordert den Wissenschaftler/innen viel ab. Und insbesondere für weibliche Rechtswissenschaftlerinnen führt der Karriereweg nur in Einzelfällen zur Professur, während ihre männlichen Kollegen trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit so viel häufiger diesen Schritt schaffen. Die Gründe für diesen Misstand sind vielfältig und oft auch schwer greifbar. In ihrer Publikation „Vom Studium zur Juraprofessorin – ein Werdegang aus statistischer Sicht“ beleuchten Juliane Roloff und Ulrike Schultz diesen schwierigen Abschnitt des Karriereweges, der ambitionierten Juraabsolventinnen auf dem Weg zur Professur bevorsteht. Ihre Erkenntnisse über die Hürden innerhalb der akademischen Laufbahn zeigen, dass jeder Schritt und wissenschaftliche Aufstieg nach dem Studium für Frauen bisher ungeahnte und unsichtbare Blockaden aufweist.

Die Berufung zur Professur erfolgt meist um das 40. Lebensjahr, und macht somit den Lebensabschnitt zwischen 30-40 Jahren zu einer konstanten Bewährungsprüfung der Anwärter/innen auf eine Professur. Dies ist jedoch auch häufig die Zeit, in der Familienplanung und –gründung das Leben vieler Akademiker/innen grundlegend verändern kann. Insbesondere konservative und autoritäre Vorstellungen von Familienbildern können sich den Wissenschaftlerinnen in den Weg stellen. Diese sind in der rechtswissenschaftlichen Fachkultur jedoch leider noch allzu häufig vertreten und vertreiben viele Akademikerinnen in alternative Karrierewege. Ein Mangel an Vorbildern wie weiblichen Professorinnen, die junge Akademikerinnen auf ihrem Karriereweg begleiten könnten, trägt ebenso maßgeblich zu den niedrigen Aufstiegschancen von Rechtswissenschaftlerinnen bei.

Nur wenige Frauen schaffen es, sich in diesem feindseligen Umfeld der Rechtswissenschaft durchzuschlagen. Als eine erfolgreiche junge Rechtswissenschaftlerin und Mutter zweier Kinder sich mit besten Qualifikationen auf eine Professur an der Hochschule Neubrandenburg bewarb, wurde sie zugunsten eines deutlich schlechter qualifizierten Bewerbers zurückgewiesen – und klagte mit wenig Erfolg. Es ist ein Fall, der nur zu gut die Hürden illustriert, die eine Frau auf dem Weg zur Professur bewältigen muss. Die mangelnde Transparenz in den Berufungsverfahren zur Professur erschwert hierbei zusätzlich die eindeutige Identifikation von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von Bewerber/innen.

Einen transparenten Überblick in Zahlen und Fakten über den Karriereweg zur Juraprofessorin erhalten Sie hier:

Vom Studium zur Juraprofessorin

Ein Werdegang aus statistischer Sicht

Nach wie vor arbeiten in der Rechts­wissen­schaft, besonders in höheren Positionen, vorwiegend Männer. Was hat sich in dem als konservativ geltenden Fach Jura getan und sind Frauen in der Rechtswissenschaft nach wie vor etwas Besonderes? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine Professur an einer Universität zu erhalten, im Vergleich zu anderen Studiengängen?

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Quellen und Hintergründe:





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